Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2013 >> Ausgabe 2 >> Sportmedizin - Ein Leben zwischen Leistung und Depression

Sportmedizin - Ein Leben zwischen Leistung und Depression

Ralf Rangnick (vormals Trainer bei Schalke 04), Sebastian Deisler (Bayern München), Robert Enke (Hannover 96) –als Ballkünstler angesehen, als Jahrhunderttalente gehandelt oder als Helden gefeiert, hatten die Fußballprofis eine Gemeinsamkeit: Alle drei Sportler litten an Depressionen – im Spitzensport noch immer ein Tabuthema.

„Die Aufklärung und Behandlung von psychischen und psychosomatischen Krankheiten wird immer besser. Am Spitzensport scheint diese Entwicklung jedoch vorbeigegangen zu sein. Dagegen wollen wir etwas tun“, sagt Psychologin und angehende psychologische Psychotherapeutin Laura-Marie Barta. Sie arbeitet in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg Nord. Bei ihrer Arbeit wird sie zu Fällen anderer Fachrichtungen hinzugezogen, um eine diagnostische und psychische Mitbetreuung vor allem von Patienten mit Krebserkrankungen zu gewährleisten.

Hohe Belastung: Als ehemalige Hockeyspielerin der Michigan University kennt Laura-Marie Barta (m.) den psychischen Druck aus eigener Erfahrung.
 

Seit kurzem kümmert sich die Psychologin auch in der sportmedizinischen Abteilung um Patienten. Hier steht Barta nun für Fragen der Prävention und Therapie psychologisch-psychosomatischer Probleme zur Verfügung.

Barta, die früher selbst im Leistungskader Feldhockey spielte, kennt die Belastungen gut, denen Spitzenathleten standhalten müssen. „Es ist ein täglicher Konkurrenzkampf, der in den Vereinen herrscht.“ Als Mittelfeldspielerin war sie in der Bundesliga für ihren Heimatclub Rot-Weiss Köln aktiv, bevor die Studentin durch ein Sportstipendium in die USA wechselte und dort 2001 mit Michigan die Collegemeisterschaften gewann. „Es fällt auf, dass im Spitzensport zwar Psychologen eingestellt werden, aber immer nur zur Leistungsoptimierung und weniger zur Behandlung von Problemen psychischer Art“, macht sie deutlich.

In Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung entwickelt das Referat Sportpsychiatrie und -psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) derzeit bundesweit ein Netzwerk für ein besseres Betreuungsangebot im Bereich Leistungssport. Insgesamt gibt es acht Zentren für Sport und seelische Gesundheit in Aachen, Jena, Heidelberg, Hannover, Mannheim, München, Berlin und Freiburg. Das Klinikum Nürnberg ist in der Region mit seinem Angebot bislang einmalig.

Gestartet wird mit einem Erstgespräch, um einzuschätzen, ob ein Behandlungsbedarf besteht. Ist das der Fall, bietet Barta selbst einige Sitzungen an oder hilft bei der Vermittlung eines ambulanten Therapieplatzes. „Der Vorteil ist, dass ich nichts mit dem Sportverein zu tun habe und der Patient mit mir völlig offen sprechen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass Trainer oder Manager etwas erfahren“, so Barta.

Denn in der Branche stellt eine unerkannte und unbehandelte psychische Erkrankung eine große Gefahr dar, die Karriere zu stören oder gar vorzeitig zu beenden. Depressive Symptome werden häufig als Schwäche angesehen, die im Leistungssport keinen Platz zu haben scheinen. Der öffentliche Druck, Höchstleistungen zu erbringen, und das permanente Rampenlicht schüren Versagensängste. „Wenn der Spieler weiß, dass bereits drei Andere nur darauf lauern, seinen Platz einzunehmen, übt das eine wahnsinnig hohe Belastung auf die Psyche der Spieler aus. Das Gefühl der Austauschbarkeit begünstigt psychische Beschwerden.“

Folgen können Schlaf- oder Essstörungen, Angstzustände, Depressionen, oder ein Burn-out sein. Auch Sucht ist ein wichtiges Thema im Profi- und Leistungssportbereich. Häufig kommt es bei Schlafproblemen oder Unruhezuständen zu Medikamentenmissbrauch, der bagatellisiert wird. „Einige Hochleistungssportler machen kein Geheimnis daraus, in der Vorbereitungs- oder Wettkampfphase nur mit Hilfe von Schlaf- oder Schmerzmitteln entspannen zu können“, betont die Psychologin. Auch Alkoholmissbrauch ist nicht selten.

Oft wirkt sich der Druck im Leistungssport negativ auf den Genesungsprozess von körperlichen Beschwerden wie z.B. Muskel- oder Sehnenverletzungen aus. Manchmal verschwinden die somatischen Beschwerden, wenn es der Psyche wieder gut geht. „Denn Spitzensportler erkranken nicht nur an den Sehnen, sondern auch an der Seele“, weiß Psychologin Barta.

Mehr dazu finden Sie auf der Internetseite der Klink für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

 

Autorin/Autor: Laura Gran

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen
Bitte spenden sie
Abstandhalter
AbstandhalterMarke Stadt Nürnberg

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service

Zentren