Editorial - Liebe Leserin, lieber Leser

Was ist Medizin? Was kann Medizin leisten? Welche Medizin kann und will sich unsere Gesellschaft leisten? Viktor Freiherr von Weizsäcker, der Begründer der psychosomatischen Medizin, hat den Satz geprägt: „Medizin ist eine Weise des Umgangs des Menschen mit dem Menschen.“

Damit hat Weizsäcker den Kern getroffen. Medizin ist nicht entpersonalisierbar. Medizin ist Beziehungsarbeit, das Zwischenmenschliche spielt immer eine entscheidende Rolle. Medizin unterscheidet sich von der Biotechnologie insbesondere durch Zuwendung und Wertschätzung.

Zuwendung und Wertschätzung brauchen aber qualifizierte, motivierte Mitarbeiter und vor allen Dingen Zeit. Doch gerade Zeit ist heute ein kostbares Gut. So kostbar, dass gerade die Zeit, die ein Arzt oder eine Pflegekraft mit einem Patienten verbringt, in unserem Gesundheitswesen nicht mehr ausreichend finanziert wird.

Das Gefühl und das Wissen, nicht ausreichend Zeit zu haben und stattdessen immer mehr Menschen in immer kürzerer Zeit medizinisch und pflegerisch versorgen zu müssen, sind heute in deutschen Krankenhäusern allgegenwärtig. Dies verhindert längst, dass sich mehr Menschen für medizinische und pflegerische Berufe entscheiden. So fehlt es nicht nur an der Zeit, sondern auch jetzt schon vielerorts an qualifiziertem Nachwuchs.

Die jetzige Krankenhausfinanzierung macht es sehr schwer, diesen entscheidenden Unterschied zwischen Medizin und Biotechnologie für unsere Patienten tagtäglich zu leben. Diesen Mangel werden auch die vom Bundesgesundheitsminister kurz vor der Karwoche angekündigten Eckpunkte zur Krankenhausfinanzierung nur geringfügig lindern. Deswegen mahnt das Klinikum Nürnberg zusammen mit den mittelfränkischen Krankenhäusern unter dem Motto „Es ist fünf nach zwölf“ eine leistungsgerechte Finanzierung an. Es ist höchste Zeit, dem Umgang von Menschen mit dem Menschen wieder mehr Gewicht zu geben. Das sind wir unseren Patienten und auch unseren Beschäftigten schuldig.

Autorin/Autor: Alfred Estelmann

 
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