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Depressionen - Negative Denkmuster als Risikofaktor

„Niemand mag mich.“ „Ich bin ein Versager.“ „Jemanden um Hilfe zu bitten, ist ein Zeichen von Schwäche.“ Es sind Sätze wie diese, mit denen wir uns das Leben schwer machen: Wir trauen uns nicht, auf Menschen zuzugehen, vermeiden Anforderungen oder holen uns keine Hilfe. Wir rechnen mit dem Schlimmsten, das dann auch eintritt – zumindest in unserer Wahrnehmung.

Kognitive Denkmuster nennen Psychiater und Psychologen allgemein Überzeugungen, die unsere Persönlichkeit und unsere Weltsicht prägen. Dysfunktional nennen sie sie, wenn sie derart negativ geprägt sind. „Meistens sind wir uns dieser Denkmuster überhaupt nicht bewusst“, berichtet Privatdozentin Dr. Teresa Biermann, Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie laufen automatisch ab und steuern so unbewusst unsere Wahrnehmung und Bewertung von Ereignissen, unsere Gefühle und letztendlich unser Verhalten.

Kognitive Verzerrungen: PD Dr. Teresa Biermann, Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, zeigt Wege aus negativen Denkmustern auf.
 

Schlimmstenfalls führen sie zu einer völlig verzerrten Wahrnehmung der eigenen Realität. Man sieht sich als Versager, egal was man in Wirklichkeit kann oder nicht kann, und prägt damit die eigene Realität. Kurz gesagt: Die Dinge misslingen, weil man sich selbst als Versager definiert. Dies nennt man auch eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

In der kognitiven Verhaltenstherapie spricht man von „dysfunktionalen Kognitionen“, die durch stressbesetzte negative Erfahrungen entstehen. Zu diesen Denkfehlern gehören u.a. die übertreibende Verallgemeinerung, die Abwehr positiver Erfahrungen, die grundsätzliche Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten bei gleichzeitiger Überschätzung der Leistung anderer sowie eine emotionale Beweisführung nach dem Motto „Ich fühle es, also muss es wahr sein“. Es gibt auch Menschen, die sich für negative Ereignisse verantwortlich fühlen, obwohl sie in Wirklichkeit überhaupt nichts damit zu tun haben.

Besonders schwer wiegen negative Denkmuster bei Menschen, die an Depressionen leiden. „Es entsteht ein Teufelskreis aus negativem Denken, depressiver Stimmung und entsprechendem Verhalten“, erklärt Biermann. Die Patienten leiden nicht nur unter ihren negativen Glaubenssätzen und ihrem verzerrten Blick auf die Wirklichkeit. Inzwischen ist sogar nachgewiesen, dass negative Denkmuster psychische Erkrankungen auslösen oder verstärken können. Zudem erhöhen sie das Risiko, wieder an einer Depression zu erkranken.

Bei der Therapie von Patienten mit depressiven Störungen spielen daher auch deren kognitive Denkmuster eine wichtige Rolle. Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie setzen sich die Patienten mit ihren eigenen Denkmustern auseinander, um den Teufelskreis durchbrechen zu können.

Auch im ganz normalen Alltag leiden Menschen – mal mehr, mal weniger – unter einer negativen Betrachtung ihrer eigenen Person und ihrer Umwelt. „Es lohnt sich für uns alle, über unsere negativen Denkmuster einmal nachzudenken“, zeigt sich Biermann überzeugt. „Denn mit realistischen Denkmustern ist das Leben einfach viel leichter.“ Damit negative Denkmuster erst gar nicht entstehen, sollten Eltern Sätze ihrer Kinder wie „In der Schule mag mich niemand“ durchaus ernst nehmen, meint Biermann. Zusammen mit dem Kind sollten sie sie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und ihm bei der Suche nach einer Lösung helfen.

Doch was tun, wenn sich negative Denkmuster bereits festgesetzt haben? Auch hier bietet die kognitive Verhaltenstherapie einen ganzen Strauß an Vorschlägen. „Als erstes muss ich fragen, ob meine Annahmen überhaupt mit der Realität übereinstimmen“, so Biermann. Hier kann es hilfreich sein, Freunde und Kollegen um ein Feedback zu bitten. So mancher wird erstaunt sein über deren Reaktion, die so gar nicht dem entspricht, was man von sich denkt. Wichtig ist es auch, sich realistische Ziele zu setzen und nicht übertriebenen Ansprüchen genügen zu wollen. Auch der Frage, welchen persönlichen Nutzen man aus seinen Denkmustern zieht, sollte man ehrlich beantworten.

Durchbrechen kann man den Teufelskreis auch durch Experimentieren und das Ausprobieren von Verhaltensänderungen durch „so tun als ob“ oder Mutproben. Neue Erfahrungen verändern uns, sie eröffnen neue Sichtweisen auf das eigene Lebenund Selbstwertgefühl. Dazu zählt auch die Einsicht, dass niemand perfekt ist.

Weiteres zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite der Psychiatrie.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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