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Neue Medikamente gegen Hautkrebs - Sommer, Sonne, Strand - ein unbeschwerter Genuss?

Für viele Menschen ist der Dreiklang aus Sommer, Sonne und Strand noch immer der Inbegriff für Entspannung und Erholung. Doch es kommt auf die Dosis an. Zu viel Sonne kann die Haut dauerhaft schädigen.

„Die vermeintliche Schönheit der braunen Haut wird mit vorzeitiger Hautalterung und manchmal auch mit Hautkrebs bezahlt“, warnt Prof. Erwin Schultz, Chefarzt der Hautklinik im Klinikum Nürnberg.

Die Erklärung dafür ist einfach: Insbesondere die UVA-Strahlung der Sonne dringt tief in die Haut ein und schädigt dort unter anderem die elastischen Fasern. Die Elastizität der Haut nimmt ab, sie wird schlaff, und es bilden sich Falten. Vermehrte UV-Bestrahlung geht auch mit einer Vermehrung von Pigmentmalen wie Altersflecken, aber auch Muttermalen einher.

Die Haut vergisst nichts

Weitaus gefährlicher sind jedoch die Mutationen in den Hautzellen, die eine zu hohe Dosis von UV-Strahlen verursachen kann. Die UVB-Strahlung kann die Erbsubstanz in den Kernen der Hautzellen schädigen, solche Schäden werden normalerweise durch spezielle Enzyme repariert.
 

Mit zunehmendem Alter nimmt nun die Reparaturfähigkeit der Zellen ab, so dass sich bleibende Fehler in die Erbsubstanz einschleichen können. „Dies kann am Ende zur Entartung der Zelle und damit zur Entstehung von Hautkrebs führen“, erläutert Schultz. Wobei zwischen dem harmloseren weißen Hautkrebs und dem potenziell lebensbedrohlichen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) unterschieden werden muss.

Zu bedenken gibt der Professor, dass sich Hautschäden über Jahre und Jahrzehnte aufsummieren. Der Zusammenhang zwischen häufigen Sonnenbränden in der Jugend und der Erkrankung am Melanom im Alter ist, so Schultz, mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen: „Die Haut vergisst nichts.“

Vernünftiger Umgang mit der Sonne

Doch der Chefarzt hat alles andere im Sinn, als die Sonne zu verteufeln: „Sonnenlicht fördert das Wohlbefinden und die Lebenslust, sorgt für gute Laune und aktiviert die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D in der Haut. Aber nichts ist leichter, als sich vor übermäßigem Sonnenlicht und den Folgen zu schützen.“ Oberstes Gebot ist für Schultz der vernünftige Umgang mit der Sonne. Dazu zählt er, die Zeit in der Sonne zu begrenzen, die Mittagssonne zu meiden und sich mit Kleidung, Kopfbedeckung sowie wirksamen Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor zu schützen.

Zur ebenso wichtigen Sekundärprävention gehört die regelmäßige Selbstkontrolle der eigenen Haut oder am besten ein regelmäßiges Screening beim Hautarzt. Der erkennt, wenn sich neue Pigmentmale bilden oder bestehende sich verändern. „Sind sie asymmetrisch, haben verwaschene und unscharfe Ränder, weisen mehrere Farbtöne auf oder sind sie mehr als fünf Millimeter groß, dann sollten sie auf jeden Fall vom Arzt gesehen werden“, rät der Chefarzt.

Die Früherkennung ist entscheidend für die Prognose des malignen Melanoms. Wird der schwarze Hautkrebs in einem Frühstadium entdeckt, sind die Überlebensraten sehr gut. Sie sinken aber deutlich, wenn der Tumor schon in die Tiefe der Haut einwachsen konnte. Deshalb ist es wichtig, Muttermale genau zu beobachten und sie regelmäßig vom Hautarzt untersuchen zu lassen.

Neue Medikamente ein Durchbruch?

In Deutschland erkranken laut Robert-Koch-Institut jährlich rund 16.000 Menschen neu an einem malignen Melanom, darunter etwas mehr Frauen als Männer und zunehmend jüngere Menschen. Das sind dreimal so viele Fälle wie noch in den 1980er Jahren. Gab es über 30 Jahre lang einen Stillstand in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms, sind nun nach dem Abschluss von weltweiten klinischen Studien seit einigen Monaten zwei neue Medikamente zugelassen. Beide kommen im Hauttumorzentrum im Klinikum Nürnberg bereits zum Einsatz.

Das erste Medikament, Ipilimumab, stimuliert das körpereigene Immunsystem und bewirkt eine verstärkte Aktivität von speziellen Lymphozyten, die die Krebszellen angreifen. Die Aktivierung des Immunsystems nimmt allerdings einige Zeit in Anspruch, so dass das Ansprechen auf die Therapie eher langsam vonstatten geht.

Das zweite Arzneimittel, Vemurafenib, hemmt gezielt eine spezielle Genmutation, die bei ca. der Hälfte der Patienten im Tumorgewebe nachweisbar ist. Durch diese Hemmung wird das ungebremste Tumorwachstum unterbrochen, was zu einer deutlichen Rückbildung von Tumorabsiedelungen schon nach wenigen Wochen führen kann, freut sich Schultz. „Das bedeutet keine Heilung, aber eine Verzögerung und damit eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität für die Patienten. Den Forschern ist endlich ein Durchbruch gelungen.“        

 

Die Melanomsprechstunde im Hauttumorzentrum im Klinikum Nürnberg ist von Montag bis Freitag von 12:00 bis 13:00 Uhr unter (0911) 398 -2486 zu erreichen, weitere Informationen unter www.htz-nuernberg.de.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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