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Krankenhausfinanzierung - "Dauerhafte Sicherung der Qualität"

Im internationalen Vergleich schneiden die deutschen Krankenhäuser in punkto Effizienz und Produktivität sehr gut ab. Während ein deutscher Krankenhausarzt im Jahr 146 Patienten aus der stationären Behandlung nach Hause oder in eine Rehabilitation verabschiedet, kommen seine Schweizer Kollegen nur auf 69 und der englische Krankenhausarzt auf 120 Patienten.

Auch bei den Kosten punkten deutsche Kliniken. So werden in den USA je Einwohner 1.847 Dollar für stationäre Leistungen aufgewendet, in Österreich sind es noch 1.589 und in Deutschland nur 1.275 Dollar. Bei der Produktivität der Beschäftigten in Krankenhäusern liegt Deutschland daher im internationalen Vergleich weit vor den USA, Dänemark und Frankreich.

„Die Krankenhäuser in Deutschland sind viel besser als ihr Ruf, wir dürfen das nicht kaputtreden lassen“, betont Dr. Alfred Estelmann. Der Vorstand des Klinikums Nürnberg fordert die Politik auf, „diese Qualität durch eine angemessene Finanzierung auf Dauer zu sichern“.

Alle in einem Boot: Dr. Andreas Becke, Dr. Alfred Estelmann, Peter Schuh und Dr. Dr. Günter Niklewski (v.l.n.r.).
 

Estelmann sieht die Qualität in erster Linie in Gefahr, weil der Gesetzgeber den Krankenhäusern eine vollständige Refinanzierung von Kostensteigerungen verwehrt: „Jedes Unternehmen legt zum Beispiel steigende Löhne auf die Preise um, wir Krankenhäuser dürfen das nicht.“ So sind seit 1994 die Gehälter der Beschäftigten in den Kliniken um 64 Prozent gestiegen, die gesetzlich festgezurrte Steigerung der Klinikerlöse betrug jedoch nur 24 Prozent. Diese Schere zwischen Kosten und Einnahmen öffnet sich immer weiter.

Die letzten Tarifrunden mit ver.di für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und mit dem Marburger Bund für die Ärzte bedeuten allein für das Klinikum Nürnberg in diesem Jahr Mehrkosten in Höhe von 9,3 Millionen Euro. Der staatliche Ausgleich beträgt aber nur 5,2 Millionen Euro. Unter dem Strich bleibt daher dem Klinikum ein Minus von 4,1 Millionen Euro, das ausgeglichen werden muss. „Wir haben in den letzten Jahren unsere Prozesse optimiert, und unsere Ärzte und Pflegekräfte arbeiten schon jetzt am Anschlag“, betont Estelmann und erteilt einer weiteren Arbeitsverdichtung eine klare Absage.

Deshalb hat er sich auch mit ver.di zusammengetan, um auf das Finanzierungsproblem der Kliniken aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Peter Schmitt-Moritz vom Fachbereich Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen von ver.di-Mittelfranken verteidigt Estelmann den letzten Tarifabschluss: „Wir brauchen attraktive Löhne, um genügend Fachkräftenachwuchs zu bekommen.“ Für den Klinikchef und den Gewerkschafter ist klar, dass eine weitere Arbeitsverdichtung nur mehr auf dem Rücken der Patienten möglich sei. „Was jetzt fehlt, ist ein vollständiger Ausgleich der Personalmehrkosten“, betonen beide.

Für Estelmann ist es zudem „höchste Zeit, dass wir Krankenhäuser auf uns aufmerksam machen“. Ihn ärgert, dass die deutschen Kliniken in den letzten Monaten immer wieder mit schweren Vorwürfen konfrontiert wurden. „Jede zweite Krankenhausabrechnung falsch“ oder „Viele Operationen sind unnötig“ lauteten die Schlagzeilen.

„Es geht nicht um systematische Falschabrechnungen der Krankenhäuser, es geht um unterschiedliche Interpretationen ärztlicher Entscheidungen“, widerspricht Estelmann. Er berichtet, dass die meisten Auseinandersetzungen um die Verweildauer geführt werden. Auch die Frage, ob eine Operation nicht ambulant hätte durchgeführt werden können, ist ein häufiger Streitpunkt mit dem Medizinischen Dienst der Kassen, der die Abrechnungen überprüft.

„Die Beanstandungen treffen oft die Schwächsten unserer Patienten“, betont Estelmann. Dies will er nicht einfach hinnehmen. Deshalb wehrt sich das Klinikum Nürnberg gegen Beanstandungen, die in seinen Augen nicht gerechtfertigt sind. Derzeit sind insgesamt rund 2.000 Widersprüche des Klinikums anhängig.

Bei all diesen Vorwürfen gehen für Estelmann die Qualität der deutschen Krankenhäuser und der Stellenwert der kommunalen Krankenhäuser für die so genannte Daseinsvorsorge völlig unter. „Das Klinikum Nürnberg versorgt mit über 6.000 Beschäftigten knapp 100.000 stationäre Patienten im Jahr und gehört mit einem jährlichen Umsatz von 430 Millionen Euro zu den größten kommunalen Krankenhäusern in Europa“, betont Estelmann.

Den in der Öffentlichkeit oft vermittelten Eindruck, kommunale Krankenhäuser wären in der deutschen Krankenhauslandschaft ein Auslaufmodell, will der Klinikumvorstand so nicht stehen lassen. Knapp die Hälfte der deutschen Krankenhausbetten werde in öffentlichen Kliniken vorgehalten und nur 16,6 Prozent in privaten Kliniken. Während private Träger meist schnelle Gewinne erzielen müssen, um für ihre Aktionäre Dividenden ausschütten zu können, arbeiten öffentliche Kliniken, so Estelmann, „langfristig und nachhaltig gemeinwohlorientiert“.

Dies beinhaltet auch Leistungen, mit denen ein Krankenhaus unter dem Strich kein Geld verdienen kann, wie z.B. eine umfangreiche Notfallversorgung mit zahlreichen Ärzten aus den verschiedenen Fachgebieten rund um die Uhr oder die teure Weiterbildung zu Fachärzten. Gerade deshalb mahnt Estelmann zusammen mit anderen großen Krankenhäusern in Deutschland neben der vollen Übernahme der Personalkostensteigerungen eine adäquate Vergütung für die Leistungen der kommunalen Kliniken an.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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