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Gesundheits- und Kinderkrankenpflege - "Eltern haben das Recht, Angst um ihr Kind zu haben."

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.” Dieser Devise folgt nicht nur die Medizin mit ihren Fachdisziplinen der Kinderheilkunde, der Kinderchirurgie und der Kinderpsychiatrie, sondern auch die Kinderkrankenpflege.

Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Kinderkrankenpflege ein eigenständiger Beruf. Dabei hat sich die Kinderkrankenpflege von den Anfängen als Säuglingspflege weit entfernt. Eine dreijährige Berufsausbildung und hohe Anforderungen an die pflegerische und kommunikative Kompetenz prägen heute den Arbeitsalltag.

Wie dieser Alltag auf den Kinderstationen des Eltern-Kind-Zentrums im Klinikum Nürnberg Süd aussieht und was eine gute Pflege den Kinderkrankenpflegerinnen – die Männer sind hier (immer noch) in der Unterzahl – alles abverlangt, darüber sprechen Judith Peltner, Pflegedienstleiterin des Eltern-Kind-Zentrums, und Franziska Mundt, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in der Ambulanz der Kinderklinik.

Franziska Mundt (li) und Judith Peltner
 

Warum brauchen Kinder eine andere Pflege als Erwachsene?

 

Judith Peltner: In der Theorie überschneidet sich einiges. Der Körper von Kindern ist ja kein anderer als der von Erwachsenen. Der Unterschied liegt in der Praxis. Kinderkrankenschwestern betreuen Kinder in sehr unterschiedlichen Entwicklungsphasen: Früh- und Neugeborene, Kindergarten- und Schulkinder, Kinder in der Trotzphase und in der Pubertät, aber auch Jugendliche, die gerade erwachsen werden.

Mit diesen unterschiedlichen Entwicklungsphasen müssen die Pflegekräfte umgehen können. Erwachsene passen sich dem Krankenhausbetrieb an, sie verstehen, warum sie hier sind und sie wissen auch, dass eine Behandlung mitunter schmerzhaft oder belastend ist. Bei Kindern ist das ganz anders. Sie reagieren je nach Alter und Persönlichkeit ganz unterschiedlich. Manche sind ganz gelassen, andere sind das erste Mal von zuhause weg und haben Heimweh. Die Spannbreite ist einfach riesig.

 

Frau Mundt, Sie arbeiten in der Ambulanz der Kinderklinik. Was ist für Sie das Besondere an der Arbeit mit Kindern?

 

Franziska Mundt: Jedes Kind ist anders. Deshalb muss ich auf jedes Kind sehr individuell eingehen. Das Alter spielt dabei natürlich auch eine große Rolle. Bei einem einjährigen Kind, das schreit, müssen wir erst einmal herausfinden, was es hat. Ein 12-Jähriger dagegen kann schon genau sagen, wo es ihm weh tut. Auch die Beschwerden sind vielfältig. Vom kleinen Husten bis hin zur schweren Verbrennung ist alles dabei.

 

Wie gehen Sie mit den Kindern um? Dem Kind geht es ja nicht gut, es hat Schmerzen, es hat Angst. Haben Sie da bestimmte Tricks auf Lager?

 

Peltner: Kinder reagieren emotional sehr unterschiedlich auf diese Situation. Das hängt vom Alter ab, aber auch vom Kind selbst. Die Kinderkrankenschwestern lernen schon in der Ausbildung, wie man mit Kindern umgeht und wie man sie ablenkt. Sie reden mit dem Kind, erzählen ihm etwas oder versprechen ihm eine kleine Belohnung für seine Tapferkeit. Mit der Zeit entwickelt jede Pflegekraft ihr eigenes Repertoire. Wichtig ist, dass man einen Kontakt zum Kind aufbaut. Wenn es nicht anders geht, muss man ein Kind aber auch mal festhalten. Und manchmal müssen Ärzte und Pflegekräfte einfach sofort handeln.

Mundt: Ich versuche immer, die Eltern einzubinden, denn die Eltern wissen meistens, wie ihr Kind reagiert und wie sie ihm helfen können. Für mich ist es wichtig, auf einer Ebene mit dem Kind zu kommunizieren. Deshalb bücke ich mich, wenn ich mit einem Kind rede. Ich rede nicht von oben herab mit ihm.

Für die Kinder bin ich auch immer die Franzi. Bei kleinen Kindern ist es wichtig, dass man alles ein bisschen spielerisch macht. Das klappt in der Regel gut. Das Wichtigste dabei ist, Ruhe und Sicherheit auszustrahlen. Das spüren die Kinder.

 

Aber eine Spritze tut weh. Das lässt sich ja nicht weg reden.

 

Peltner: Einen Satz wie „Es tut nicht weh“ sollte man nie sagen, wenn man weiß, dass es wehtut. Man kann zum Beispiel sagen: „Der Piks tut weh, aber nur ganz kurz. Das geht schnell wieder vorbei.“ Bei einem kleinen Kind muss ich außerdem dafür sorgen, dass die Blutabnahme oder die Spritze so schnell wie möglich über die Bühne geht. Da müssen Arzt und Kinderkrankenschwester ein eingespieltes Team sein. Wenn ein Kind sich allerdings standhaft weigert, dann muss man die Behandlung eben auch einmal abbrechen.

 

Sie brechen Behandlungen ab?

 

Peltner: Ja, klar, wenn sie nicht sofort und unbedingt nötig ist. Wir wollen das Kind ja nicht quälen.

 

Sind die Eltern eigentlich aufgeregter als ihr Kind?

 

Mundt: Das ist ganz oft so. Die Eltern machen sich ja Sorgen um ihr Kind und können am Anfang nicht einschätzen, wie krank es ist. Da ist es völlig verständlich, dass sie aufgeregt sind. Reden ist das A & O, um erst einmal Ruhe in die Situation zu bringen und den Eltern die nötige Sicherheit zu geben. Wir sagen ihnen: „Sie sind jetzt da. Wir kümmern uns um Ihr Kind. Sie müssen keine Angst haben.“ Die Eltern wollen auch genau wissen, was los ist und was gemacht wird. Man ist eigentlich immer am Reden.

 

Gibt es Konflikte mit besorgten und aufgeregten Eltern?

 

Mundt: Das kommt schon vor, ist aber eher selten. Die Eltern sehen ja, dass wir ihrem Kind helfen wollen. Wenn ich merke, dass eine Mutter oder ein Vater richtig sauer ist, dann bitte ich eine Kollegin, das Gespräch zu übernehmen. Es ist besser, wenn das Gespräch dann von einer anderen Person weitergeführt wird.

Peltner: Als Pflegedienstleiterin biete ich an, in Konfliktfällen zu helfen. Meistens klappt das. Ich gehe ja auch mit einer ganz anderen Ruhe ins Gespräch. Für uns hier in der Klinik ist hohes Fieber erst einmal nichts Besonderes. Aber für die Eltern ist es eine Katastrophe. Doch Eltern haben das Recht, Angst um ihr Kind zu haben. Diese Gefühle zu respektieren, das erwarte ich von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Eine Kinderstation unterscheidet sich stark von einer Erwachsenenstation. Das spürt man sofort, wenn man sie betritt.

 

Peltner: Oh ja, bei uns ist immer viel los. Neben den kranken Kindern übernachten meistens noch 40 bis 50 Mütter oder Väter in der Klinik. Dazu noch Besuchszeiten rund um die Uhr. Erwachsene Patienten bleiben ja meistens auf ihren Zimmern. Das ist hier nicht so. Hier stolpert man über ein Bobbycar, Bauklötzchen liegen am Boden herum, Kinder spielen im Gang. Selbst schwerkranke Kinder bleiben nicht gern im Bett liegen. Sie sind trotz ihrer Krankheit unterwegs, wenn es sein muss, ziehen sie ihren Infusionsständer eben hinter sich her.

 

Die Kinderkrankenpflege ist wie die Erwachsenenkrankenpflege ein sehr breites Fachgebiet.

 

Peltner: Die Kinderkrankenpflege umfasst das gesamte Spektrum der Erwachsenenpflege – nur sind die Patienten eben Kinder aller Altersklassen. Deshalb ist es völlig falsch, wenn unser Beruf verniedlicht oder nur auf die Versorgung von Neugeborenen reduziert wird. Gastroenterologie, Asthma, Diabetes, Neuropädiatrie, Kinderchirurgie, Früh- und Neugeborene, Intensivpflege, Verbrennungen und Verbrühungen – diese Breite an Krankheitsbildern verlangt von der Pflege eine hohe Fachkompetenz.

 

Das Kind muss ins Krankenhaus. Wie können Eltern ihr Kind darauf vorbereiten? Und was sollen sie einpacken?

 

Peltner: Eltern sollten ihr Kind grundsätzlich auf Arztbesuche und Krankenhaus vorbereiten, auch ohne aktuellen Anlass. Ohne ihnen dabei Angst zu machen, einfach ab und zu darüber reden oder zusammen ein Buch anschauen. Das Kind spürt die Sorge der Eltern sowieso.

Mundt: Die Eltern sollen einpacken, was dem Kind persönlich wichtig ist. Das Kuscheltier zum Beispiel, das können wir nicht ersetzen.

Peltner: Alles andere haben wir da. Für die Freizeitgestaltung haben wir so viele Dinge hier, da langweilt sich so schnell kein Kind. Deshalb sagen wir den Eltern auch, dass sie beruhigt zwischendurch nach Hause gehen können. Da braucht niemand ein schlechtes Gewissen zu haben. Zuhause haben die Kinder ihre Mama auch nicht 24 Stunden am Stück um sich herum.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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