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Neuro-Enhancer - Leistungsfähiger dank Gehirndoping?

Schneller, wacher, leistungsfähiger sein – das wollen viele Menschen in einer sich immer schneller drehenden Welt. Oder sie glauben zumindest, es sein zu müssen. Den natürlichen Höhen und Tiefen im Tagesverlauf entgehen und den Anforderungen in Beruf, Freizeit und Familie trotzdem genügen, dieser Wunsch lässt manche zu leistungssteigernden Substanzen greifen.

Der neueste Trend unter den Wachmachern sind die so genannten Neuro-Enhancer. Unter diesen Sammelbegriff fallen Substanzen wie Methylphenidat, Modafinil, Atomoxetin oder Donepezil, die eigentlich als Medikamente für kranke Menschen gedacht sind. Sie alle greifen gezielt in die Vorgänge des Gehirns ein, um Krankheiten wie Demenz, Multiple Sklerose, Parkinson oder die Aufmerksamkeitsstörung ADHS zu bekämpfen.

Bei gesunden Menschen steigern sie die Konzentrationsfähigkeit sowie die Gedächtnisleistung und unterdrücken Müdigkeit und Abgeschlagenheit – und das angeblich ohne größere Nebenwirkungen oder Suchtgefahr. Dies behaupten zumindest die Pharmaunternehmen, die viel Geld in die Erforschung dieser Substanzen investieren.

Auch in der Wissenschaft sind die Neuro-Enhancer ein Thema. „Etwa zehn Prozent aller Wissenschaftler und Studenten in den USA greifen Umfragen zufolge zu den Wachmachern, und das berühmte Wissenschaftsmagazin „Nature“ trat mit der Überschrift „Professor’s little helper“ eine Debatte um die ethische Dimension des Hirndoping los“, berichtet Prof. Frank Erbguth, Chefarzt der Neurologie im Klinikum Nürnberg. Auch in Deutschland taucht das Thema immer wieder in den Schlagzeilen der Medien auf. Belastbare Zahlen darüber, wie verbreitet Gehirndoping wirklich ist, gibt es bisher allerdings weder in den USA noch in Deutschland.

Erbguth warnt jedoch vor der bedenkenlosen Einnahme dieser verschreibungspflichtigen Substanzen durch gesunde Menschen: „Wir können heute noch nicht absehen, zu welchen langfristigen Veränderungen es durch die Beeinflussung von Rezeptoren und Botenstoffen im Gehirn kommen kann.“ Zudem sei die erhoffte Wirkung bei Gesunden nicht bewiesen und das Suchtpotential könne erst in Langzeitstudien beurteilt werden.

Doch dem Chefarzt geht es nicht allein um die Gesundheit des einzelnen Menschen. Er warnt auch vor gesellschaftlichen Entwicklungen durch das Gehirndoping. „Wird Gehirndoping schleichend zu einem Muss in einer Gesellschaft, in der nur noch die Leistung zählt? Wird zukünftig nur derjenige Erfolg haben, der sich die teuren Substanzen leisten kann?“, fragt er. Angesichts der aktuellen Diskussion um den Begriff „Burnout“ hat er zudem Zweifel, dass den Menschen das „immer mehr“ und „immer schneller“ wirklich gut tut. „Ich möchte an manchen Tagen lieber auf die Entschleunigungsbremse treten.“

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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