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Kontinenzzentrum - Wenn Blase oder Darm schwächeln

Häufiger Harndrang und unwillkürlicher Verlust von Urin oder Stuhl sind Leiden, die viele Menschen betreffen. Auch die unvollständige Entleerung von Blase oder Darm und immer wiederkehrende Infekte schränken die Lebensqualität in der Regel deutlich ein.

„Viele Menschen, die beim Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Klinikums Nürnberg anrufen, haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich und sind froh und erleichtert, Hilfe zu bekommen“, weiß Isolde Söll aus Erfahrung.

Seit drei Jahren betreut die erfahrene Krankenschwester die Hotline des von der Deutschen Kontinenzgesellschaft anerkannten und mehrfachen zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Und das Telefon steht selten still. In dem Zentrum arbeiten die Kliniken für Allgemeinchirurgie, Frauenheilkunde, Urologie, Geriatrie, Neurologie und die Klinik und das Institut für Physikalische und Rehabilitative Medizin eng zusammen, um alle Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie anbieten zu können.

Isolde Söll
 

Denn Inkontinenz ist nicht Inkontinenz. Geht beim Lachen, Husten, Treppensteigen oder Niesen unkontrolliert Urin ab, liegt eine so genannte Belastungsinkontinenz vor. Sie ist die bei Frauen häufigste Form der Inkontinenz. Bei der Dranginkontinenz oder der Reizblase, die häufiger bei Männern auftritt, zieht sich die Blasenmuskulatur spontan zusammen und presst Urin aus der Harnröhre. Der Blasenmuskel ist also überaktiv. Andere Formen sind die Überlaufinkontinenz und die extraurethrale Inkontinenz. Viele Formen kommen als Mischformen vor. Und es gibt auch eine Stuhlinkontinenz.

„Die Beschwerden können daher sehr vielfältig sein“, betont Söll. Neben der klassischen Inkontinenz und Entleerungsstörung zählt sie chronische Unterbauch- und Beckenschmerzen und Beckenbodenfunktionsstörungen aber auch Fistelbildungen zwischen den Beckenorganen und häufige Blasenentzündungen auf.

Zur genauen Abklärung der Beschwerden stehen dem Kontinenzzentrum umfangreiche Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung sowie ein breites therapeutisches Angebot. Diese reichen von gezieltem Blasen- und Beckenbodentraining, Biofeedback und Elektrostimulation über sämtliche medikamentöse Therapieformen bis zu minimal-invasiven und offenen, operativen Verfahren.

Dazu gehört bei der Belastungsinkontinenz z.B. das Tension-free Vaginal Tape (TVT). Dabei wird in einer 30-minütigen Operation ein etwa ein Zentimeter breites Band um die Harnröhre gelegt und mit beiden Enden unter die Bauchdecke geführt. Die Aufhängung der Harnröhre wird so wieder hergestellt, und der Harn läuft nicht mehr unwillkürlich ab. 80 bis 85 Prozent der Patienten verspüren danach eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden.

Ist die Inkontinenz dagegen Folge einer erheblichen Absenkung des Beckenbodens der Frau, werden Gebärmutter und Scheide sowie Blase und Darm in einer etwa dreistündigen aufwändigen Operation wieder so befestigt, dass die geschwächten Bandstrukturen durch das Einfügen von Kunststoffnetzen wieder hergestellt werden.

„Bei Inkontinenz ist in vielen Fällen erfolgreich Hilfe möglich“, erläutert Söll. „Wichtig ist, dass die Betroffenen sich nicht zurückziehen, sondern aktiv werden, sich beraten lassen und Unterstützung suchen.“        

 

Weitere Informationen beim Kontinenz- und Beckenbodenzentrum im Klinikum Nürnberg unter Tel. (0911) 398-7574 (Montag bis Freitag, 11.00 bis 15.00 Uhr) oder per E-Mail an kontinenzzentrum@klinikum-nuernberg.de.

 

Mindestens fünf Millionen Menschen leiden, so schätzt man, in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Harn- oder Stuhlinkontinenz. Ältere Menschen häufiger als jüngere, Frauen weitaus häufiger als Männer. Die Dunkelziffer ist hoch. Aus Schamgefühl sprechen viele Betroffene nicht darüber, sie sagen es auch nicht ihrem Arzt. Sie versuchen, ihr Problem selbst zu lösen und ziehen sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurück.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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