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Gefäßchirurgie - Erste Gefäßtransplantation im Klinikum

Zum ersten Mal haben die Gefäßchirurgen im Klinikum Nürnberg eine Gefäßtransplantation durchgeführt. Dabei wurde dem Patienten Roland Meier*, der an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leidet, eine Bauch- und Beckenarterie eingepflanzt. Von der im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ genannten Erkrankung sind in Deutschland nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie 4,5 Millionen Menschen betroffen, darunter vor allem ältere Frauen und Männer.

Bei der pAVK verengen Ablagerungen, die so genannte Arteriosklerose, die Becken- und Beinarterien und führen so zu Durchblutungsstörungen im Bein. Beim Gehen kommt es zu schmerzhaften Wadenkrämpfen, weshalb die Betroffenen – wie bei einem Schaufensterbummel – immer wieder stehen bleiben. Erst nach einer kurzen Ruhephase kann der Mensch wieder weitergehen.

„Treten diese Schmerzen schon im Ruhezustand auf oder stirbt Gewebe ab, muss sofort gehandelt werden“, warnt Dr. Michael Klein, Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie. Geschieht dies nicht, droht der Verlust des Beines.

 

Mit ca. 2.500 Gefäßoperationen im Jahr ist die Klinik für Gefäßchirurgie das größte gefäßchirurgische Zentrum im Süden Deutschlands. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiologie und Neuroradiologie unter der Leitung von Dr. Ingrid Bär bietet sie das gesamte Leistungsspektrum moderner Gefäßchirurgie an: vom Aufdehnen der Gefäße mit Hilfe der Ballondilatation über das Legen von Bypässen aus Eigengewebe bis hin zum Einsatz künstlicher Gefäßprothesen. Die Entscheidung, welches Therapieverfahren am besten geeignet ist, hängt vom Krankheitsverlauf, von der Lokalisation und dem Ausmaß der Ablagerungen sowie von der vom Patienten angestrebten Mobilität ab.

 

Einsatz einer Prothese

Roland Meier zum Beispiel. „Bei ihm war die Bauch- und Beckenschlagader auf der gesamten Länge von den gefährlichen Ablagerungen stark verengt“, beschreibt Klein. Mit einer Aufweitung des Gefäßes, einer so genannten Ballondilation, war diesem Patienten nicht mehr zu helfen. Deshalb wurde ihm vor einem Jahr eine künstliche Y-Prothese als Ersatz für die Bauch- und Beckenschlagader eingesetzt. „Ein gutes Verfahren“, sagt Klein. Allerdings darf im Anschluss an den Eingriff keine Infektion auftreten. Doch genau das passierte bei Meier.

 

Schutz vor Infektionen

„Bei einem halben bis einem Prozent der Patienten kommt es zu Infektionen", berichtet Prof. Dr. Eric Verhoeven, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. Wird die Prothese – wie bei Roland Meier – in der Leistengegend eingesetzt, steigt das Infektionsrisiko auf drei bis fünf Prozent. Für den Patienten mit einer künstlichen Prothese ist eine Infektion lebensbedrohlich. „Die Kunststoffprothese bietet den Keimen einen idealen Nährboden. Neben der hochdosierten Antibiotika-Therapie muss daher die infizierte Kunststoffprothese vollständig entfernt werden.

Die Ärzte versprachen sich vom Einsatz einer weiteren künstlichen Prothese bei Roland Meier nicht den erhofften Erfolg. Das Risiko einer erneuten Infektion wäre viel zu hoch gewesen. Daher wurde bei einem zweiten Eingriff zusammen mit dem infizierten Gewebe auch die gesamte Prothese entfernt und stattdessen eine menschliche Bauch- und Beckenschlagader eingepflanzt. „Menschliches Gewebe ist weniger infektionsanfällig als künstliche Prothesen“, begründet Verhoeven die innovative, zugleich aber auch teure Therapieentscheidung.

Es wird aber nicht die letzte Transplantation der Gefäßchirurgen im Klinikum Süd gewesen sein. Die Vorteile dieses Verfahrens sind zu groß. Dabei geht es nicht nur um den besseren Schutz vor Infektionen. Für viele Gefäße sind künstliche Prothesen nicht die ideale Lösung, z.B. für Gefäße unterhalb des Kniegelenks. Wenn möglich greifen die Gefäßchirurgen hier auf Eigengewebe zurück. „Doch nicht immer steht eigenes Gewebe zur Verfügung, z.B. weil damit schon ein Gefäß- oder Herzbypass gelegt wurde“, so Klein.

 

Eigene Gewebebank geplant

Verhoeven und Klein sind sich sicher, dass die Gefäßtransplantation zukünftig eine viel größere Rolle in der Gefäßchirurgie spielen wird als bisher. „Das Gewebe kann dank neuer Konservierungsverfahren gut für eine Transplantation vorbereitet werden“, so Klein. Billig sind diese Transplantate allerdings nicht. Deshalb planen die beiden Gefäßchirurgen schon den nächsten Schritt: den Aufbau einer eigenen Gewebebank.     

Mehr zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite der Klinik für Gefäßchirurgie.

*Name von der Redaktion verändert.

 

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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