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Abfallentsorgung - Müll ist nicht gleich Müll

In der Unterwelt des Klinikums Nord ist jede Menge los. In den langen Gängen verkehren nahezu pausenlos elektrisch angetriebene Transportwägen mit zahlreichen Anhängern. Beladen sind sie mit Essen oder Wäsche und auf dem Rückweg natürlich auch mit Müll. Knapp 4.200 Tonnen Abfall produziert das Klinikum Nürnberg insgesamt im Jahr – und die müssen sachgerecht entsorgt werden.

Der Abfall ist in Plastikboxen und Säcken unterschiedlicher Farbe sortiert und wird im unterirdischen Abfallsammelzentrum angeliefert. Dort werden die Plastikboxen in großen Containern gestapelt, die Säcke landen in entsprechenden Presscontainern, die den Müll verdichten.

Wie von Geisterhand bewegen sich dann diese Riesencontainer lautlos durch die schmucklose unterirdische Betonhalle. Das Zauberwort heißt Luftkissentechnologie. Ein Mann reicht aus, um per Fernsteuerung die im Schnitt sieben bis acht Tonnen schweren und mit Abfällen bis zum Rand gefüllten Container in den überdimensionalen Aufzug zu verfrachten und ans Tageslicht zu befördern.
 

Von dort werden sie von LKWs abgeholt. Woche für Woche verlassen insgesamt 43 Müllfahrzeuge das Klinikum Nürnberg. Wohin die Reise geht, ob zur Müllverbrennung nach Schweinau, zu Recyclingfirmen, zur Verbrennungsanlage für Sondermüll nach Baar-Ebenhausen oder in die zentrale Verbrennungsanlage für Krankenhausmüll nach Augsburg hängt maßgeblich von der fachlichen Bewertung von Wolfgang Ankelmann ab.

 

Fachgerechte Entsorgung

Der 52-Jährige ist Abfall- und Umweltschutzbeauftragter des Klinikums Nürnberg. Ankelmann ist von Haus aus Maschinenbauingenieur und hat in den 80er Jahren bei der AEG den ersten Öko-Lavamat entwickelt. Danach wirkte er als Umweltbeauftragter der Firma, machte sich als Umweltberater selbstständig und ist seit 1993 hauptamtlich im Klinikum für das abfallwirtschaftliche Controlling und die Beratung der Geschäftsführung in Fragen des betrieblichen Umweltschutzes zuständig.

Nur wenige Krankenhäuser in Deutschland leisten sich einen eigenen hauptberuflichen Experten für Abfall- bzw. Umweltschutz. Für Ankelmann ist das unverständlich: „Krankenhausabfall ist ein riesengroßes Thema, quasi eine Wissenschaft für sich.“ Denn die Gesetzeslage ist höchst kompliziert. Die Grundsätze in Deutschland sind im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz geregelt, und der europäische Abfallkatalog (EAK) klassifiziert in der Europäischen Union die Abfälle in Gruppen mit 6-stelligen Schlüsselnummern, Einzelverordnungen regeln dann deren fachgerechte Entsorgung.

Für die medizinischen Abfälle eines Krankenhauses sind für die ersten vier Stellen die Ziffern „1801“ reserviert, denn dies steht für „Abfälle aus der Geburtshilfe, Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten beim Menschen“. Folgt an fünfter und sechster Stelle eine „01“ handelt es sich um nicht infektiöse spitze oder scharfe Gegenstände, folgt eine „08“ sind es zytotoxische und zytostatische Arzneimittel aus der Chemotherapie.

Ankelmann muss über die Entsorgung aller Abfälle – insgesamt sind es über 100 verschiedene Abfallarten – genau Buch führen. Egal ob es sich dabei um Groß- oder Kleinmengen handelt, wie z.B. 1.462 Tonnen krankenhausspezifischer Restmüll, 199 Tonnen spitze und scharfe Gegenstände, 15 Kilogramm Tintenpatronen oder wenige Gramm an quecksilberhaltigen Chemikalien.

 

Zwei speziell qualifizierte Entsorgungsfachkräfte

Um die fachgerechte Trennung dieses Abfalls zu organisieren und zu überwachen, ist er jedoch nicht allein. Ankelmann wird von den beiden Entsorgungsfachkräften Mehmet Korkmaz und Gerhard Uhlmann unterstützt, die zum Transportdienst des Klinikums gehören. „Wir sind dafür zuständig, den Abfall auf den richtigen Weg zu bringen und Fehler zu korrigieren“, erläutert Korkmaz, der nach seinem Volkswirtschaftsstudium in der Türkei in Deutschland eine Ausbildung zum staatlich geprüften Umweltschutztechniker absolviert hat. „Wir können nicht überall sein, sondern kontrollieren stichprobenartig. Aus diesem Grund ist die Mithilfe aller Mitarbeiter wichtig“, sagt der 49-Jährige.

Was Korkmaz im Klinikum Süd macht, erledigt Uhrmann im Norden. Schon bei der Müllverbrennungsanlage der Stadt war er für die Überwachung des angelieferten Abfalls zuständig. Der 56-Jährige weiß also, worauf es ankommt: „Vor 17 Jahren habe ich die Seiten gewechselt und achte jetzt im Klinikum darauf, dass die Abfälle da hinkommen, wo sie nach Recht und Gesetz hinkommen sollen.“

Damit dies auch geschieht ist viel Überzeugungsarbeit notwendig und zwar an der Stelle, wo der Müll entsteht, wo er weggeworfen wird – in erster Linie also bei den Mitarbeitern des Klinikums auf den Stationen, in den Behandlungsräumen, Operationssälen und Labors, aber auch in der Verwaltung. „Müll ist ein unliebsames Thema“, sagt Ankelmann. Dass ihn viele Klinikum-Mitarbeiter lieber von hinten sehen, weiß er, aber das macht ihm nichts aus. Er handelt nach der Devise „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Bezeichnend auch, dass ein Schild mit der Aufschrift „Gib nie auf“ an der Schranktür in seinem Büro prangt.

 

Thermische Behandlung von infektiösen Abfällen

Neben dieser komplizierten Gesetzeslage und der geringen Lust der Menschen, sich mit Müll zu beschäftigen, hat Ankelmann immer mit Vorurteilen und Ängsten zu kämpfen. „Müll ist nie keimfrei, aber unser Müll ist nur in seltenen Fällen infektiös“, erläutert er und verweist übertriebene Ängste vor Ansteckungsgefahren ins Reich der Phantasie. Damit kein infektiöser Abfall das Klinikumsgelände verlässt, wird anfallender so genannter „C-Müll“ mit Hilfe eines thermischen Spezialverfahrens sterilisiert. 54 Tonnen im Jahr werden dieser aufwändigen Prozedur unterzogen, um anschließend in grauen Behältern fest verschlossen als normaler Restmüll in die Müllverbrennungsanlage in Schweinau zu wandern.

Grau steht nämlich für Restmüll, rot dagegen für Zytostatika, blau für Papier, orange für Datenschutz, gelb für Verpackungsmaterial, grün für Altbatterien und weiß für Körperteile und Organe, die für ganz Bayern zentral in Augsburg verbrannt werden – auf diese klare Farbkodierung im Klinikum ist Ankelmann stolz. „Wir sind das einzige Krankenhaus, das für Kanülen, Skalpelle und Spritzen keine gelben Behälter verwendet, denn gelb steht für Verpackungsmüll, das kennt jeder vom gelben Sack“, erläutert Ankelmann.

Neben Abfällen, die als Restmüll in die Müllverbrennung transportiert werden müssen, gibt es im Klinikum aber auch viele Abfälle, die verwertet werden können wie z.B. Glas, Elektroschrott oder Altpapier. Doch auch Altpapier ist nicht gleich Altpapier. Es wird in 67 Qualitätsstufen gehandelt, und Ankelmann muss geeignete Abnehmer finden, die das Altpapier abnehmen. Ist die vom Klinikum angelieferte Ware nicht einwandfrei, hat sich z.B. doch eine Plastikflasche oder gar eine Kanüle in den Papierabfall gemogelt, dann gibt es Reklamationen. Ankelmann, Uhrmann und Korkmaz müssen dann recherchieren, wie das passieren konnte.

 

Wo beginnt die Entsorgung?

Neben dem profanen Entsorgungsgeschäft kämpft Ankelmann auch an der Beschaffungsfront. Beim Abfall ist genauestens vorgeschrieben, welche Stoffe wie entsorgt werden müssen, und der Gesetzgeber verpflichtet bereits den Produzenten und Vertreiber sich mit Fragen der zukünftigen Entsorgung seiner Produkte zu beschäftigen. „Leider können aber viele der Lieferanten keine befriedigenden Antworten auf meine gestellten Entsorgungsfragen geben“, beklagt Ankelmann.

So steht er immer wieder vor der Frage, wie Dinge denn wirklich zu entsorgen sind. Was tun mit den schweren Röntgenschutzwesten, die außen aus Kunststoff bestehen und dick mit Blei oder anderen Schwermetallen gefüllt sind? Was tun mit den beliebten mit Gel gefüllten Kühlkompressen? Dann fängt Ankelmann mit der Recherche an, schließlich ist die Zusammensetzung der Produkte entscheidend für die Entsorgung.

„Unsere Arbeit ist eben alles andere als langweilig, wir kennen jeden Winkel des Krankenhauses und wir sprechen mit vielen Mitarbeitern auf den Stationen, vom Transport- und vom Reinigungsdienst sowie mit vielen Lieferanten“, sagt Ankelmann. Auch zu Hause in der Familie ist er „das personifizierte Umweltgewissen“.    

 

Weitere Informationen zum Thema Abfallentsorgung und Umweltschutz bei Wolfgang Ankelmann unter Tel. (0911) 398-2824.

 

Mit rund 100.000 stationären und ebenso vielen ambulanten Patienten im Jahr, mehr als 6.000 Mitarbeitern an zwei Standorten in Nürnberg und mit mehreren Zehntausend Besuchern im Jahr ist das Klinikum Nürnberg eine richtige kleine Stadt. Und wie bei einer kleinen Stadt fällt auch im Klinikum jede Menge Abfall an.

11,4 Tonnen sind es jeden Tag, der Schutt von den kleinen und großen Baustellen ist dabei gar nicht mit eingerechnet. Es sind normaler Hausmüll, Papier, Küchenabfälle, Glas und Plastik, Batterien, Elektroschrott, gebrauchte Spritzen und Verbände, Medikamente, Substanzen aus der Chemotherapie und natürlich auch Körperteile und Organe.

Der Abfall muss konsequent getrennt werden. Entsprechend dem europäischen Abfallschlüsselverzeichnis hat jeder Abfall seine eigene sechsstellige Nummer und muss entsprechend der gesetzlichen Vorschriften entsorgt werden – in die normale Müllverbrennung, zu Abfallverwertungsfirmen oder speziellen Entsorgern.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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