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Neues Projekt - Bessere Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt ist die am häufigsten auftretende Gewaltform. In erster Linie sind Frauen betroffen. Die erste Anlaufstelle von Opfern häuslicher Gewalt ist meist eine medizinische Einrichtung. Ärzte und Pflegepersonal in den Notaufnahmen der Krankenhäuser sind mit den Verletzungen konfrontiert, die durch Gewalteinwirkung entstanden.

Oft kann der Anlass nur vermutet werden, denn anders als bei tätlichen Angriffen durch Fremde, die natürlicherweise zur Anzeige kommen, wird meist geschwiegen, wenn die Gewalt von Angehörigen ausgeht. Deshalb wurde im Klinikum Nürnberg ein Projekt ins Leben gerufen, das sowohl das medizinische Personal sensibilisieren, als auch den betroffenen Frauen Hilfe anbieten will.

„Es sollen beim Klinikpersonal alle Alarmglocken schrillen, wenn Frauen Hämatome und Verletzungen in unterschiedlichen Abheilungsstadien aufweisen.“ Hildegard Koppen, die als Gleichstellungsbeauftragte im Klinikum das Projekt zum Umgang mit häuslicher Gewalt initiiert hat, ist es zunächst wichtig, dass die Opfer von Gewalt erkannt werden.

 

Das Spektrum der Verletzungen, mit denen die Frauen ins Klinikum kommen, ist breit. Offensichtliche Fremdeinwirkungen sind Brandwunden, etwa von Zigaretten, oder Würgemale und Verletzungen im Genitalbereich – aber auch Schnittverletzungen, Platzwunden oder gar Knochenbrüche können die Folge von Gewalt sein. Wenn die Frauen nicht um Hilfe bitten oder Anzeige erstatten, sind den Ärzten die Hände gebunden, selbst wenn sie erkennen, dass nicht der vermeintliche „Sturz von der Treppe“ die Ursache der Verletzungen ist.

Ziel des neuen Projektes ist, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die betroffenen Frauen dennoch zu erreichen und auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. „Hier ist viel Behutsamkeit und Fingerspitzengefühl gefragt“, weiß Ulrike Arndt aus der Abteilung Organisationsentwicklung, die das Projekt koordiniert und sich um die Vernetzung der entsprechenden Stellen kümmert. Ein Leitfaden soll den Mitarbeitern vor allem in der Notaufnahme, der Klinik für Frauenheilkunde und der Kinderklinik helfen, häusliche Gewalt zu erkennen, und sie sensibilisieren die Frauen gezielt darauf anzusprechen.

Da für den besseren Umgang mit den Opfern das Wissen über die besondere Situation nötig ist, starten im Frühjahr 2012 im Klinikum spezielle Schulungen. Sie werden von Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und Beratungsstellen durchgeführt, die die nötige Erfahrung mitbringen. Aus ihrer langen Zusammenarbeit mit dem Frauennotruf weiß Koppen beispielsweise, warum die betroffenen Frauen ihren Peiniger, meist den Partner, schützen: „Es ist die Scham, dass ihnen das passiert ist, aber auch mangelndes Selbstbewusstsein, finanzielle Abhängigkeit, Sorge um die Kinder oder auch Schuldgefühle. Manche glauben sogar, dass sie selbst schuld sind.“

In verschiedenen Aufnahmebereichen des Klinikums liegen bereits Info-Kärtchen mit Anlaufstellen aus, an die sich die Frauen wenden können. Flyer mit Informationen in Türkisch und in anderen Sprachen werden folgen. Als weitere Maßnahme ist geplant, betroffene Frauen in besonderen Fällen kurzfristig stationär aufzunehmen. „So haben wir eine Möglichkeit, die Vermittlung zu Hilfseinrichtungen, wie beispielsweise das Frauenhaus, zu organisieren“, erläutert Arndt.

Auch für den Fall, dass Frauen zunächst keine Anzeige erstatten, dies aber später tun möchten, wird vorgesorgt. So sollen die Verletzungen der Frauen so dokumentiert werden, dass sie vor Gericht verwertbar sind.       

 

Jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt, jede zehnte sogar schwerwiegende und wiederholte Gewalt. Der Täter ist meist der Partner. Dies zeigt eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Betroffen sind Frauen aus allen Altersgruppen, Nationalitäten, sozialen Schichten und Bildungsstufen; neuere Studien zeigen, dass Migrantinnen etwas häufiger betroffen sind. In Deutschland flüchten jährlich etwa 45.000 Frauen mit ihren Kindern in ein Frauenhaus, das ist aber nur ein Bruchteil der Opfer von häuslicher Gewalt. Lange Zeit wurde häusliche Gewalt, in der Öffentlichkeit als „Privatangelegenheit“ angesehen. Durch Aufklärung in den Medien und bessere Hilfsangebote finden Opfer zunehmend den Mut, Anzeige zu erstatten. Im Klinikum Nürnberg werden Mitarbeiter wie Assistenzärztin Teresa Drasseck (r.) und die Krankenschwester Anita Blair (l.) von der Klinik für Frauenheilkunde, Schwerpunkt Gynäkologie, sensibilisiert, häusliche Gewalt zu erkennen und die betroffenen Frauen gezielt darauf anzusprechen.

Autorin/Autor: Justina Mehringer

 
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