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Onkologie - Krebs als Erkrankung des hohen Alters

Die Deutsche Krebshilfe prognostiziert, dass der Anteil alter Menschen bei Krebspatienten in den kommenden drei Jahrzehnten um 50 Prozent ansteigen wird. Bei über 65-jährigen treten Krebsleiden zehnmal häufiger auf als bei jüngeren Menschen. Ist Krebs eine Erkrankung des hohen Alters? Und ist die Medizin darauf vorbereitet?

„Ein erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung ist quasi der Preis, den man für das Älterwerden bezahlt“, bestätigt Prof. Martin Wilhelm. Für den Chefarzt der Klinik für Onkologie und Hämatologie im Klinikum Nürnberg gibt es dafür zwei Ursachen: Wer älter ist, ist längere Zeit und damit auch mehr Auslösern von Krebserkrankungen wie Tabakrauch, ultravioletten Strahlen der Sonne, radioaktiver Strahlung, chemischen Giftstoffen, Virusinfektionen oder karzinogenen Stoffen in Nahrungsmitteln wie z.B. bestimmten Schimmelpilzen ausgesetzt, darüber hinaus nimmt die Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Zellteilung zu.

 

„Bei der Zellteilung kommt es beim Kopieren der genetischen Information immer wieder zu Fehlern“, erläutert Wilhelm. Diese Fehler werden weitergegeben. Stirbt die Zelle ab oder teilt sie sich nicht mehr, bleibt der Fehler ohne Folgen. Sind die Veränderungen aber nicht so schwerwiegend, entgeht die Zelle den körpereigenen Kontrollmechanismen und kann sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. Dann gibt diese Zelle ihre neuen Eigenschaften an ihre Tochterzellen weiter, die sich selbst wieder vervielfältigen.

Das Alter spielt insoweit eine wichtige Rolle, weil, so Wilhelm „die Reparaturfähigkeit des menschlichen Organismus im Alter ab- und damit die Summe vieler kleiner Schäden zunimmt“. Je länger ein Mensch lebt, desto größer ist also die Wahrscheinlichkeit für solche Kopierfehler oder auch andere Schädigungen der Erbsubstanz. „Die Summe von Fehlern in einer Zelle sind für die Entstehung von Krebs entscheidend.“

Für den Onkologie-Chefarzt bedeutet das immer höhere Alter der Patienten mit einer Krebserkrankung eine große Herausforderung. „Die Anforderungen an das therapeutische Team steigen überproportional an, denn es gibt wenige  70- oder 80-Jährige, die nicht irgendeine Begleiterkrankung wie z. B. Bluthochdruck, Herzerkrankung oder  Diabetes mellitus haben oder sei es auch nur, dass die Organfunktionen natürlich nicht mehr die eines 30-Jährigen sind.“ Diese Begleiterkrankungen spielten für die Verträglichkeit und Dosierung der möglichen Therapien jedoch eine entscheidende Rolle.

Wilhelm bezeichnet es als „ein Dilemma, dass die Studien für neue Medikamente nur jüngere, ansonsten gesunde Menschen einschließen“. Bei der Medikamentenzulassung konzentriere man sich in erster Linie auf die Wirkung in dieser Patientengruppe und nicht auf die potenziellen Nebenwirkungen bei älteren Patienten, Patienten mit Begleiterkrankungen oder eingeschränkten Organfunktionen.

Mit zunehmendem Alter steigt aber das Risiko vor allem für schwerwiegende Nebenwirkungen. Zudem werden aufgrund der nachlassenden Funktion von Leber und Niere die Zytostatika nicht mehr so gut abgebaut und ausgeschieden wie bei jüngeren Patienten. „Die Möglichkeit auch einen älteren Menschen qualifiziert zu behandeln, hängt damit sehr stark von der persönlichen Expertise und der Möglichkeit, sich mit anderen Spezialisten abstimmen zu können, ab“, erläutert Wilhelm.

Mit ihren hohen Behandlungszahlen im stationären und ambulanten Bereich verfügt die Onkologie im Klinikum über hohe Erfahrungswerte auch bei seltenen Krebserkrankungen und Nebenwirkungen. Die Spezialisten sind zudem im Interdisziplinären Onkologischen Zentrum (IOZ) und in zahlreichen Organzentren vernetzt.

„Bei älteren Menschen geht es oftmals nicht um Lebensverlängerung um jeden Preis, sondern um eine möglichst hohe Lebensqualität“, weiß Wilhelm aus Erfahrung. Jüngere Patienten haben in der Regel eine positivere Einstellung zu intensiveren Therapieoptionen als ältere. Das Alter ist aber für den Chefarzt nicht das alleinige ausschlaggebende Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie: „Viel wichtigerer als das Geburtsjahr ist das „biologische Alter“, sowie weitere Parameter wie z. B. der Grad der Selbstständigkeit, der Ernährungszustand, das soziale Umfeld, das Vorliegen einer Demenz oder anderer Begleiterkrankungen und ganz wesentlich die Wertvorstellungen des Betroffenen.“          

 

Krebs steht für eine große Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, die eines gemein haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Gewebes oder Organs, aus der ein Tumor entsteht. Krebszellen entstehen aus gesunden Zellen. Ausgangspunkt ist die Veränderung der Erbinformation. Während bei gesunden Zellen die Anzahl der Zellteilungen begrenzt ist, funktioniert dieser Mechanismus bei Krebszellen nicht mehr. Bei bösartigen Tumoren vermehren sich die veränderten Zellen ungebremst, sie sind der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Während gesunde Zellen fähig sind, abzusterben, wenn sie Schäden aufweisen, reagieren Krebszellen nicht mehr auf die Signale, die diesen programmierten Zelltod, die so genannte Apoptose, einleiten sollen.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Onkologie.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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