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Neurochirurgie - Optimierung der Tumorentfernung

Anhaltende, starke Kopfschmerzen stehen am Anfang, dann folgen Konzentrationsstörungen, Einschränkungen des Denkvermögens, manchmal auch Anfälle oder Lähmungen. Die Rede ist von bösartigen, besonders aggressiven Hirntumoren, den so genannten Glioblastomen.

Diese treten eher selten auf, pro Jahr sind unter 100.000 Menschen etwas mehr als drei Personen davon betroffen. Wen es jedoch betrifft, denn trifft es hart, denn unbehandelt ist ein Leben nur noch wenige Wochen möglich.

„Nicht selten sind es jüngere Menschen, die gerade den Einstieg in den Beruf gefunden oder eine Familie gegründet haben“, berichtet Prof. Hans Herbert Steiner, Chefarzt der Neurochirurgie im Klinikum Nürnberg, aus Erfahrung. Er weiß, dass auch heute mit einer Kombination von Operation, Bestrahlung und Chemotherapie eine Heilung die absolute Ausnahme ist, aber ein Drittel der Patienten hat dank moderner Therapien noch ein Leben von mehr als einem Jahr, manchmal auch von mehreren Jahren vor sich.

 

Dass dies ohne größere funktionale Einschränkungen des Gehirns abgehen kannn, also ohne Beeinträchtigung beim Sprechen, bei Denken und Gedächtnis, ohne  Schwindel oder Gangunsicherheiten oder Veränderungen der Persönlichkeit, liegt an modernsten operativen Verfahren insbesondere der Verwendung digitalisierter Bilddaten. Mit deren Hilfe kann der Tumor möglichst vollständig und exakt, also bei größtmöglicher Schonung nicht betroffener Gehirnbereiche, entfernt werden. „Resektionsoptimierung“ nennen dies neurochirurgische Experten wie Steiner.

 

Mikroskopische Präzision

Wurden in den 1960er Jahren noch große Teile des Gehirns und auch ganze Hirnhälften mit schwerwiegenden Folgen für den Betroffenen entnommen,  sind die Operationsmethoden heute dank Mikrochirurgie und Neuronavigation deutlich exakter. So setzt die Neurochirurgie auf die intraoperative Bildgebung, also eine Magnetresonanztomografie vor dem Eingriff und die Kontrolle per Ultraschall während der Operation. Zusätzlich wird der Tumor mit floureszierenden Farbstoffen eingefärbt, um ihn mittels einer spezieller Mikroskoptechnologie intraoperativ aufzuspüren und möglichst präzise entfernen zu können.

„Das A und O ist und bleibt, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dass Gehirnfunktionen betroffen werden“, betont Steiner. Zwar bilden sich bei Glioblastomen auch dann mit hoher Wahrscheinlichkeit Rezidive, aber das geschieht in geringerem Umfang und erst nach längerer Zeit, als wenn winzige Reste des Tumors im Gehirn verbleiben.

„Die Operation ist der erste und wichtigste Baustein der Therapie, aber bei weitem nicht der einzige“, erläutert der Chefarzt. Bestrahlung und spezielle Chemotherapien helfen nach dem Eingriff, Tumorzellen zu zerstören und hemmen die Bildung von Rezidiven. Angiogenesehemmer erschweren die Blutversorgung des Tumors. Jüngst nahmen die Neuroonkologen des Klinikums an einer internationalen Multi-Center-Therapiestudie teil. Im Mittelpunkt stand dabei, das Wachstum des Glioblastoms und die Ausbreitung von Tumorzellen dadurch zu unterbinden, dass die Bildung und das Wachstum von tumoreigenen Blutgefäßen gestoppt wird. In der Folge wird die Blutzufuhr abgeschnitten, und der Tumor „verhungert“ dadurch regelrecht.

Andere Verfahren wie die tumorzellbasierte Vaccinierung („Impfung“) stoppen die Teilung der Tumorzellen. Bei der Gentherapie werden Tumorzellen mit so genannten Zielgenen „geimpft“, beim so genannten „Convection-enhanced-Delivery“ werden Tumor-zerstörende Substanzen mittels spezieller Botenmoleküle, wie etwa Kontrastmittel, an die Krebszelle im Gehirn verbracht. Dies bewirkt, dass die Tumorzellen sich nicht mehr unkontrolliert teilen oder sich sogar selbst zerstören. „Wissenschaftliche Ansätze zur Behandlung gibt es viele und aus ganz unterschiedlichen Ansätzen heraus, ein durchschlagender

Erfolg hat sich bis jetzt aber noch nicht eingestellt“, dämpft Steiner allzu hohe und vor allen Dingen verfrühte Erwartungen.

 

Hochspezialisiertes Team

Der Chefarzt der Neurochirurgie des Klinikums ist froh, dass er ein Team aus spezialisierten Chirurgen, Onkologen, Radiologen, Pathologen und Neuropathologen um sich weiß. „Nur so ist die für die Behandlung der Patienten wichtige Beteiligung an internationalen Studien der Nürnberger Neuroonkologie wissenschaftlich ausreichend begleitet und überhaupt erst möglich. Und nur in einem gut eingespielten Expertenteam lassen sich alle Therapieoptionen individuell für den Patienten sinnvoll bündeln und umsetzen.“

Mehr zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite der Neurochirurgie.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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