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Ethik-Projekt - Eine Beratung in Grenzsituationen

„Ich will nicht an Schläuchen und an Maschinen angeschlossen sein.“ Mit diesem Satz in der Patientenverfügung wollen viele ausschließen, dass im Notfall zu viel Medizin gemacht wird und sie mit Hilfe aufwendiger Medizintechnik endlos am Leben erhalten werden.

Aber was ist unter „Schläuchen und Maschinen“ zu verstehen? Schon die Sonde zur künstlichen Ernährung? Was ist, wenn die behandelnden Ärzte auf Grund ihrer Erfahrung plädieren, die Behandlung fortzusetzen, die Angehörigen aber auf den in der Verfügung ausgedrückten Patientenwillen drängen? Was ist, wenn gar keine Verfügung vorliegt und sich die Ärzte nicht einig sind, ob eine Weiterbehandlung Aussicht auf Erfolg hat?

Um als betroffener Angehöriger, als Patient, als Arzt oder als Pflegekraft mit diesen Fragen nicht allein da zu stehen, gibt es im Klinikum Nürnberg eine Zentrale Mobile Ethikberatung. „Wir bieten individuelle Hilfe in ganz konkreten ethischen Fragen an“, erläutert Adriane Yiannouris.
 

Die 46-Jährige ist stellvertretende Stationsleitung in der Klinik für Kardiologie und eine von insgesamt 18 eigens qualifizierten Ethikberatern im Klinikum. Sie kommen aus Pflege, Medizin, Seelsorge sowie Verwaltung und werden telefonisch in ethisch schwierigen Fragen zu Hilfe gerufen.

Meist geht es dabei um Fragen der Therapiebegrenzung oder des Therapieverzichts, der Interpretation einer Patientenverfügung oder des Feststellens des mutmaßlichen Patientenwillens, wenn keine Verfügung vorliegt, und um Konflikte, die aus solchen Themen entstehen. „Unser Ziel ist eine Entscheidung über das weitere Vorgehen herbeizuführen, die alle Beteiligten gut mittragen können“, betont Yiannouris.

Die Ethikberater agieren immer zu zweit und versuchen zunächst, die Gesamtsituation zu analysieren, wenn erforderlich auch in Einzelgesprächen. Dann

organisieren sie eine Gesprächsrunde mit allen Beteiligten. „Dabei kommt“, so Yiannouris, „ vieles auf den Tisch, denn jeder kommt zu Wort.“ Die Ethikberater moderieren das Gespräch und versuchen, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen.

Ihre Aufgabe ist es nicht, über die Behandlung des Patienten zu urteilen, bestehende Verantwortlichkeiten aufzuheben oder gar Probleme im Team der behandelnden Ärzte und Pflegenden zu lösen. „Wir helfen bei der Suche nach einer ethisch begründeten und für alle Beteiligten nachvollziehbaren Entscheidung“, schildert Yiannouris ihre Rolle 

Seit sieben Jahren gehört die Krankenschwester zum Ethikberatungsteam, seit September ist sie Koordinatorin.  Die Rückmeldungen, die sie dabei erhalten hat, sind überwiegend positiv: „Gerade Angehörige haben oft viel Gesprächsbedarf und sind sehr unsicher. Nach der Beratung fühlen sie sich ernst genommen und sind oft richtig erleichtert.“   

 

Die Zentrale Mobile Ethikberatung ist – auch für Patienten und Angehörige – von Montag bis Donnerstag von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr, Freitag nur bis 15:00 Uhr unter Tel. (0911) 398-3797 erreichbar.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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