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Physikalische Medizin - "Vorwärts in den Alltag"

Aus dem einstigen „Badehaus“ aus dem Jahre 1897 ist eine hochmoderne Klinik für Physikalische und Rehabilitative Medizin geworden.

Und statt den früher oft abschätzig „Muskelmäuschen“ genannten Krankengymnasten arbeiten dort längst hoch qualifizierte Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Masseure und spezialisierte Pflegekräfte Hand in Hand mit Fachärzten. Das Ziel der vielfältigen Angebote ist klar: „Wir wollen den Patienten helfen, trotz oder nach ihrer Erkrankung rasch wieder den gewohnten Alltag bewältigen zu können“, erläutert der Chefarzt der Klinik für Physikalische und Rehabilitative Medizin.

Als 1961 der für damalige Verhältnisse hochmoderne Neubau „Y“ im Klinikum Nürnberg Nord eingeweiht wurde, war vom Verwaltungsrat des Klinikums vorausschauend auch eine neue „Bade- Abteilung“, jetzt unter der moderneren Bezeichnung „Physikalische Therapie“, gewünscht und eingerichtet worden.
Frühstart: Ob Intensiv- oder Normalstation, die Mobilisierung beginnt vom ersten Tag an, hier Physiotherapeutin Silke Walch
 

Diese Abteilung war damals deutschlandweit einzigartig, vor allem, weil man sie unter eine ärztliche Leitung stellte und mit einer Bettenstation versah.

Heute, 50 Jahre später, ist die Klinik mit rund 100 Mitarbeitern und sieben Ärzten eine der ganz großen Kliniken Deutschlands, die das gesamte akutstationäre Programm der begleitenden therapeutischen und ärztlichen Leistungen inklusive einer eigenen Station mit 30 Betten bietet. Neben den Patienten der Ambulanz behandelt die Klinik über 20.000 stationäre Patienten des Klinikums im Jahr. Dazu kommen mehr als 2.000 Konsile. Schließlich arbeitet die Klinik mit allen Zentren und Tageskliniken des Klinikums eng zusammen.

„Der Fortschritt in der Medizin und neue Erkenntnisse in der Therapieforschung haben in den letzten Jahrzehnten unser Fach revolutioniert“ berichtet Oberärztin Dr. Annegret Korte. Sie zählt neue Operationstechniken auf wie z.B. die Schlüssellochoperationen und innovative Gelenkersatzverfahren sowie eine verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeit bei schwersten Erkrankungen z.B. durch eine lange Intensivbehandlung. „All dies stellt erhöhte Anforderungen an die Rehabilitation.“ Wurden früher zum Beispiel Schädel-Hirnverletzte nach einem Schlaganfall oder Unfall weitgehend aufgegeben, kämen heute Ergebnisse der aktuellen Hirnforschung im Rahmen von physio-, ergo- und sprachtherapeutischen und pflegerischen Konzepten mit teilweise verblüffenden Ergebnissen zur Anwendung.

Die Therapieforschung, die seit den 1990er Jahren eine Blüte erlebt, hat neben Kraft, Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht die Teilhabe am Leben, das Wiedererreichen von Alltagsfähigkeiten und die Sprache in den Fokus gerückt. „Vorwärts in den Alltag lautet heute die Devise“, betont Korte.

Standen bei ambulanten Verordnungen früher passive Maßnahmen wie Massagen oder Bäder im Vordergrund, sind es heute in erster Linie aktive Maßnahmen wie manuelle Therapie oder Wahrnehmungsschulung. Die früher bei starken Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfällen verordnete tagelange Stufenbettlagerung ist heute beispielsweise genau so passé, wie das rein mechanische Durchbewegen des Patienten auf der Intensivstation. Bei Rückenschmerzen ist heute z.B. das Training der Haltemuskulatur auf instabilen Untergründen wie Weichmatte, Schaumkissen, Trampolin oder Wackelbrettern weit verbreitetet.

Neben der Veränderung der medizinischen und therapeutischen Möglichkeiten haben sich aber auch die Patienten verändert. „Die Ansprüche, unbeschadet aus einem langen Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause zu kommen, sind deutlich gewachsen“, weiß der Chefarzt aus Erfahrung. Das alles stelle an die Mitarbeiter des Teams der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin erhöhte Anforderungen. Um dem gerecht zu werden, verfügen sie über ganz spezielle Weiterbildungen wie Bobath-Therapie, Handtherapie, Perfetti, Rehabilitationspflege oder Lymphdrainage. Neben zwei Fachärzten der Physikalischen Medizin arbeiten in der Klinik zwei Fachärzte für Orthopädie und eine Internistin.

Das Einsatzgebiet ist weit. Schließlich geht es auf der Intensivstation vom ersten Tag an darum, mit entsprechenden Übungen Lungenkomplikationen oder Thrombosen zu verhindern. Auf der Bettenstation der Klinik liegen dagegen schwerstkranke Patienten, die mit speziellen frührehabilitativen Maßnahmen fit für die eigentliche Reha gemacht werden oder die eine Schmerzbehandlung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates erhalten. Dabei handelt es sich um Patienten mit großen Wunden, Lähmungen, nach Langzeitbeatmung oder Schlaganfällen. Und in die Ambulanz kommen Patienten mit speziellen Beschwerden, die sie im Alltag beeinträchtigen.

„Die Physikalische Medizin ist eines der wenigen Querschnittsfächer, die es in der Medizin noch gibt, das macht es so ungemein spannend“, meint der Chefarzt. Für Oberärztin Korte ist die Physikalische Medizin im Krankenhaus wie „die Spinne im Netz“, überall hin seien die Fäden gespannt, überall würden sie gebraucht. Ihr gefällt es, bei den Patienten die kleinen Erfolge, die Freude über die Zuwendung, den unmittelbaren direkten Kontakt und das angenehme Ambiente zu sehen. „Denn Wohlfühlen ist bei uns ausdrücklich erlaubt und erwünscht.“  

Weiteres dazu finden sie auf der Internetseite der Physikalischen Medizin

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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