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Geburtshilfe - Hilfe, unser erstes Kind kommt!

Das erste Kind ist unterwegs. Von den Eltern – Müttern wie Vätern - wird das Baby mit großen Gefühlen erwartet. Die Vorfreude ist dabei oft genauso groß wie die Unsicherheit: „Schaffe ich das alles?“ Im Kreißsaal der Klinik für Frauenheilkunde, Bereich Geburtshilfe, im Klinikum Nürnberg Süd kommen im Jahr über 2.500 Babies zur Welt.

2011 waren es bis zum Stichtag 4. Oktober 1.931 Kinder bei 1.854 Geburten. Die leitende Hebamme Hannelore Köhler hat in ihrem Leben schon über 3.000 Kindern auf die Welt geholfen. Auch Dr. Wolfgang Köhler, Bereichsleiter der Klinik für Geburtshilfe, war bei weit über 3.000 Geburten dabei.

Ist die Geburt eines Kindes für Sie als professionelle Geburtshelfer nur noch Routine?

Hannelore Köhler: Ich freue mich immer noch, wenn Mutter und Kind nach der Geburt wohlauf sind. Aber mein Puls geht bei einer normalen Geburt schon lange nicht mehr hoch.

Dr. Wolfgang Köhler (45), Bereichsleiter der Klinik für Geburtshilfe, ist seit 1993 als Frauenarzt und Geburtshelfer tätig. Er hat zwei Kinder mit 11 und 12 Jahren.
 

Wolfgang Köhler: Ich bin auch nach so vielen Geburten immer noch erleichtert, wenn alles gut gegangen ist. Das gewöhne ich mir wahrscheinlich nie mehr ab.

 

Die erste Geburt im Leben einer Mutter, eines Vaters ist ein tiefer Einschnitt im Leben der jungen Menschen? Was ist der Unterschied zur zweiten oder gar zur dritten Geburt?

W.K.: Die Freude ist beim ersten Kind größer. Aber auch die Sorge, ob das Kind gesund ist, ist stärker. Deshalb  beschäftigen sich Erstgebärende viel mehr mit möglichen Risiken wie Frühgeburt, Schwangerschaftsvergiftung oder Fehlbildungen. Die Unsicherheit über die Geburt ist auch groß: Wann geht es los? Merke ich das rechtzeitig? Schaffen wir es in den Kreißsaal? Mit jeder weiteren Schwangerschaft werden die Frauen jedoch gelassener.

H.K.: Beim ersten Kind ist alles, aber auch wirklich alles neu. Es krempelt das gesamte Leben der Eltern um. Beim zweiten oder dritten Kind ist das schon anders. Da sind die Eltern schon „Eltern“, sie müssen den Prozess vom Liebespaar hin zur Elternschaft, zur Familie nicht mehr bewältigen. Den Unterschied merken wir im Umgang mit der Schwangerschaft, im Umgang mit der Geburt, aber auch danach auf der Wöchnerinnenstation oder zuhause.

 

Nehmen erstgebärende Eltern das Beratungsangebot stärker wahr?

H.K.: Ja, sowohl hier in der Schwangerenambulanz, wie auch in der Schwangerschaftsvorsorge. Sie melden sich häufiger zu den Geburtsvorbereitungs- und Säuglingspflegekursen an. Auch zur Kreißsaalführung kommen überwiegend Paare, die ihr erstes Kind bekommen. Für Eltern, die schon ein Kind  haben, ist das alles ja nichts Neues mehr. Manche Frauen gönnen sich beim zweiten oder dritten Kind trotzdem den Geburtsvorbereitungskurs. Der Partner kümmert sich dann daheim um die Kinder. Erstgebärende dagegen besuchen die Kurse in der Regel als Paar.

 

Dank unzähliger Ratgeber und Fachbücher sind Eltern heute gut über Schwangerschaft und Geburt informiert.

H.K.: Ja, und sie wissen auch, was sie wollen. Das gefällt mir. Eine Geburtsklinik muss sich auf diese Wünsche einstellen. Deshalb bieten wir ein breites Leistungsspektrum an: von der Wannengeburt über das Familienentbindungszimmer bis zu alternativen Methoden wie Akupunktur oder Homöopathie. Im Hintergrund stehen immer die Sicherheit und das Know-how eines Perinatalzentrums der höchsten Leistungsstufe bereit.

W.K: Eltern wissen heute auch, dass eine Geburt eingeleitet werden kann. Oder sie wünschen sich eine Kaiserschnittgeburt. Vor diesen Wünschen können wir die Augen nicht verschließen. Wir besprechen daher mit den Eltern alle Möglichkeiten der Geburt und klären über sämtliche Vor- und Nachteile auf. Letztendlich entscheiden dann die Eltern. 

 

Wie gehen Sie mit den Ängsten und Unsicherheiten der Erstgebärenden um?

W.K.: Wir nehmen ihre Ängste und Sorgen Ernst, wollen aber die Eltern auch vor unnötigen Sorgen bewahren. Nicht alles, was theoretisch passieren kann, wird auch passieren. Die natürliche Geburt ohne Komplikation ist – Gott sei Dank – immer noch die häufigste Geburt. Auch die Sorgen der Frauen, sie könnten etwas falsch machen, sind unnötig. Sie können während der Geburt nicht falsch atmen oder falsch pressen.

H.K.: Die Geburt ist ein natürlicher Vorgang, und die Frauen spüren selbst sehr genau, was richtig für sie ist. Dieses Vertrauen in die eigene Wahrnehmung wollen wir stärken.

 

Haben auch die Männer Angst vor der ersten Geburt?

W.K.: Ja, natürlich. Sie kommen ja nicht in den Kreißsaal, nur um zu schauen. Sie wollen die Geburt ihres Kindes miterleben und ihre Frauen gut betreuen. Aber viele wissen gar nicht, wie wichtig diese Betreuung ist und wie sie es machen sollen. Sie haben ihre Frau ja noch nie in einer solchen Ausnahmesituation erlebt.

H.K.: Oft fürchten die Männer, dass noch etwas Schlimmeres passiert. Dabei haben sie nicht nur Angst um das Kind, sondern auch um ihre Frau. Aber mit jeder Geburt werden auch die Männer gelassener.

 

Woher rühren die Ängste? In einer Geburtsklinik sind Eltern und Kind doch in sicheren Händen.

H.K.: Bei der Geburt werden Urängste angesprochen. Das habe ich selbst so erlebt. Man weiß vorher nicht, was auf einen zukommt und wie man reagieren wird. Ich hatte mir z.B. vorgenommen, so leise wie nur möglich zu sein. Aber das geht ja gar nicht. Und außerdem weiß man nie, wie es ausgeht. Auch beim sechsten Kind nicht.

W.K.: Es ist die Ungewissheit. Wir wissen nicht, wann die Geburt anfängt, wie lange sie dauern wird und wie sie verlaufen wird. Natürlich verfügen wir über sehr viel Erfahrung. Aber wie es dann wirklich sein wird, das wissen wir vorher nicht. Aber  zum Glück passiert ja – hochgerechnet auf alle Geburten – nur wenig.

 

Kommen Erstgebärende früher in den Kreißsaal als die „erfahrenen“ Eltern?

H.K.: Ja, sie wollen unbedingt unter einem sicheren Dach sein, wenn es losgeht. Deshalb schicken wir sie auch nicht heim, wenn sie nicht wollen. Wir schlagen ihnen vor, nach Hause zu gehen, weil das Warten dort angenehmer ist. Wenn sie hier bleiben wollen, dann können sie hier bleiben.

W.K.: Schicke niemals eine Frau heim, die nicht heim will, das ist meine Erfahrung.

 

Kommen Erstgebärende auch mal zu spät in die Klinik?

H.K.: Nein, das sind eher die Mütter, die schon ein Kind haben. Ab dem zweiten Kind geht die Geburt schneller. Dann kann das Kind schon mal im Auto oder hier vor der Klinik zur Welt kommen. Aber das ist selten.

 

Was raten Sie Erstgebärenden bei der Auswahl der Klinik?

H.K.: Das ist gar nicht so einfach. Wir können bei der Kreißsaalführung unsere Erfahrung und Kompetenz ja nicht vollständig sichtbar machen. Ich rate den Paaren deshalb immer, ihrem Gefühl zu vertrauen. Ja, hier will ich mein Kind zur Welt bringen. Außerdem sollten sie darauf achten, ob sie freundlich empfangen werden, ob die Mitarbeiter noch lächeln können, auch wenn es mal stressig wird, und ob der Ton untereinander stimmt.

W.K.: Sie sollten unbedingt ihre Geburtswünsche direkt ansprechen und schauen, ob die Klinik darauf eingeht. So lehnen manche Frauen den Einlauf vor der Geburt ab. Das ist in Ordnung für uns, auch wenn der Einlauf wehenfördernd ist und das Kind mehr Platz im kleinen Becken hat. Für den Venenzugang gilt das Gleiche. Wenn eine Frau keinen Venenzugang will, dann bekommt sie auch keinen.

 

Sie haben beide selbst Kinder? Erinnern Sie sich noch an die erste Geburt?

H.K.: Oh, ja. Ich erinnere mich an alles. Und ich muss zugeben, dass ich den Wehenschmerz total unterschätzt hatte. Obwohl ich damals schon in der Ausbildung war.

W.K.: Jede Sekunde hat sich in meine Erinnerung eingebrannt. Ich hatte Dienst an jenem Abend, und meine Frau wollte unbedingt mit in die Klinik – sicherheitshalber. Als es los ging, war ich völlig aufgeregt. Die Erinnerungen an die Geburt unseres zweiten Kindes sind schon undeutlicher. Da weiß man schon, was einen erwartet.  

 

Weiteres zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite der Geburtshilfe.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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