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Klinikum betreut Club-Profis - Heimvorteil für den 1. FC Nürnberg

Erstes Heimspiel für den 1. FC Nürnberg. Zweimal wird der Club kalt erwischt und liegt nach 27 Minuten 0:2 gegen Hannover 96 zurück. Nichts geht mehr? Doch. Nach vorne gepeitscht von 37.000 Zuschauern köpft der tschechische Nationalspieler Tomas Pekhart in der 56. Minute den Anschlusstreffer.

Ein Sturmlauf der Kicker von Trainer Dieter Hecking beginnt. Es ist nun ein Spiel auf ein Tor, angetrieben vom unermüdlichen Javier Pinola. „Pino“, der argentinische Publikumsliebling mit der Rückennummer 25, ist kaum mehr zu bremsen. Ein Vorstoß bis tief in die Hälfte des Gegners folgt dem nächsten.

Dann in der 82. Minute die Schrecksekunde. Nach einem Befreiungsschlag, mit dem er den Ball bis zur Mittellinie wegschlägt, langt sich der Verteidiger an den Oberschenkel und kippt am Spielfeldrand um.

Unter Strom: Bei jedem Heimspiel sitzt Oberarzt PD Dr. Matthias Brem (l.) bei den Club-Spielern und dem Trainerstab mit auf der Bank, um im Ernstfall sofort eingreifen zu können
 

Erste Hilfe auf dem Rasen

Es wird still im Stadion. Drei Spieler wurden schon eingewechselt, muss der Club in Unterzahl weiterspielen? Oder kommt Pinola wieder? Schon eilt Privatdozent Dr. Matthias Brem, Mannschaftsarzt des 1. FCN und Oberarzt in der Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie im Klinikum Nürnberg, mit seinem Arztköfferchen zum Ort des Geschehens, dicht gefolgt von Günter Jonczyk, dem Physiotherapeuten des 1. FCN.

Der 28-jährige argentinische Abwehrrecke liegt von Krämpfen geplagt an der Seitenauslinie. Rhythmische „Pi-no-la“-Rufe schallen durch das Stadion. Erste Dehnungen, durchgeführt von Club-Torwart Raphael Schäfer und dem Physiotherapeuten, zeigen keinen Erfolg. Brem signalisiert dem Club-Trainer, dass es für den Argentinier nicht mehr weiter geht. Auf einer Trage wird Pinola begleitet vom Mannschaftsarzt vom Platz getragen.

„Dass ein Spieler wegen einer Verletzung vom Platz muss, ist sehr selten“, weiß Brem aus Erfahrung. Meist reicht die Behandlung auf dem Platz oder am Spielfeldrand. Oft kann der Spieler dank Eisspray, Sprühpflaster und Hautkleber, Augen- und Nasentropfen, Vaseline, Minzöl, Magnesium oder diverser Sport-Tapes auf dem Feld bleiben. All das hat der 35-jährige Arzt zusammen mit Desinfektionsmittel, Kompressen und sogar einem Defibrillator in seinem Köfferchen.

Sportmediziner wollte Brem eigentlich schon immer werden. Dafür studierte der gebürtige Bamberger in Erlangen und in Rennes Medizin, arbeitete eineinhalb Jahre an der Harvard University in Boston, dann im Uniklinikum in Erlangen. In der fünften Saison ist der Privatdozent Teamarzt des 1. FCN und seit 1. Juli im Klinikum Nürnberg Oberarzt in der Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie und Leiter des Fachbereichs Orthopädische Sportmedizin.

Rechtzeitig zur neuen Bundesliga-Saison besiegelten der 1. FCN und das Klinikum Nürnberg ihre enge Zusammenarbeit bei der sportmedizinischen Betreuung der Lizenzspielerabteilung des Clubs für die nächsten drei Jahre. Für Club-Sportvorstand Martin Bader ist nicht nur die räumliche Nähe des Stadions und des Club-Trainingsgeländes zum Klinikum Nürnberg Süd ein entscheidender Vorteil. „Für uns zählt die medizinische Kompetenz und die Präsenz des Arztes.“ Es könne in der Bundesliga, so Bader, „ein großer Wettbewerbsvorteil sein, wenn man über die ganze Saison auf den größten Teil seiner Top-Leistungsträger zurückgreifen kann.“

Dafür sorgt nun Brem, der sich als Teamplayer versteht. In enger Abstimmung mit der Klinik sowie den Physiotherapeuten und dem Fitness-Trainer des 1. FCN betreut er die Profis. Mit den Spielern ist er per „Du“, die Profis nennen ihn wiederum vertrauensvoll „Doc“ oder fränkisch „Doggy“. „Ich bin Teil der Mannschaft und muss als Arzt in kürzester Zeit entscheiden, ob ein Spieler weitermachen kann“, betont Brem.

Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist bei jedem Heim- und bei jedem Auswärtsspiel dabei. Beim Training beobachtet und behandelt er die angeschlagenen Spieler. Er bespricht mit seinem Physiotherapeuten Günter Jonczyk, welche Spieler eine Stützung von Muskeln und Gelenken mit entsprechenden Tapes brauchen. Und Brem signalisiert zwei Tage vor dem Spiel dem Trainer, welcher Profi einsatzbereit ist. „Fit gespritzt wird bei uns niemand.“

Wenn es ernst wird, am Spieltag, ist der Mannschaftsarzt in der Kabine bei der Mannschaftsbesprechung unmittelbar vor dem Anpfiff und bei der Halbzeitansprache des Trainers dabei - auch bei der Dopingkontrolle nach dem Spiel. „Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß“, sagt er. „Sie ist spannend und abwechslungsreich.“

 

Immer auf dem Sprung

Außerdem liebt Brem den Sport. Fußballerisch hat er zwar in der C-Jugend aufgehört, sich dann aber der Leichtathletik verschrieben. In der Altersklasse M 30 wurde er 2007 Deutscher Meister in der 4 x 100-Meter-Staffel, seine Spezialität waren aber die 200 und die 400 Meter. Seine Bestzeit über 200 Meter, das ist einmal von der einen Torauslinie eines Fußballplatzes zur anderen und wieder zurück, steht bei sehr flotten 22,42 Sekunden.

„Als Mannschaftsarzt stehe ich bei jedem Spiel extrem unter Strom“, verrät Brem. Er ist immer auf dem Sprung, um. „Die häufigsten Verletzungen beim Fußball, die wir behandeln, sind Sprunggelenksverletzungen, Bänderdehnungen, Knieprobleme und Quetschungen, Prellungen und Zerrungen.“ Wenn Leistungsträger – wie in der letzten Saison Albert Bunjaku mit schwerem Knorpelschaden im Knie oder Mike Frantz mit Zehenverletzung – teilweise wochenlang ausfallen, ist nun Brem mit dem Team der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie des Klinikums zur Stelle.

Als Torwart Raphael Schäfer zum Beispiel bei einer Trainingseinheit mit dem rechten Fuß im Rasen hängengeblieben war, versuchte Brem zunächst, die schmerzhafte Blessur am Sprunggelenk konservativ zu behandeln. Um langfristige Schäden zu vermeiden, plädierte er aber nach einer Spezialuntersuchung für eine Operation. „Damit die geschädigte Sehne in Ruhe ausheilen kann, mussten wir Schien- und Wadenbein mit zwei Schrauben fixieren“, erläutert Brem.

Der Eingriff erfolgt in der Unfallchirurgie im Klinikum Nürnberg Süd. Die Sportmedizin zählt schon seit Jahrzehnten zu den Schwerpunkten der Klinik. „Wir bieten alle modernen und arthroskopischen Verfahren an, darunter auch  innovative Verfahren wie die Transplantation von Knorpelzellen oder die Implantation eines künstlichen Meniskus“, berichtet Privatdozent Dr. Hermann Josef Bail, der Chefarzt der Klinik. Diese sportmedizinische Kompetenz gelte nicht nur exklusiv für die Spieler des 1. FCN, sondern für alle Menschen mit Sportverletzungen.

„Bei der Betreuung der Spieler geht es aber nicht nur um Verletzungen, im Sport ist die Prophylaxe das Wichtigste“, erläutert Brem. „Hier kann das Klinikum viel leisten. Bei Vorsorgeuntersuchungen stellen wir mögliche Schwächen der Spieler bereits vorab fest.“ Dazu zählen z.B. kardiologische und internistische Untersuchungen, Augenuntersuchungen, Tauglichkeitsuntersuchungen für Spieler, die neu verpflichtet werden sollen, oder die von der Deutschen Fußball-Liga vorgeschriebenen regelmäßigen allgemeinen Untersuchungen.

 

Modernste Diagnostik

Auf dem Platz leistet der Mannschaftsarzt nur erste Hilfe. „Ich prüfe, ob der angeschlagene Kicker nach meiner kurzen Behandlung weiterspielen kann, die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Abpfiff.“ Mit dem gesamten medizinischen Versorgungsteams des Vereins entscheidet er dann, wie der Spieler weiter behandelt wird. „Dabei ist es gut, die gesamte Diagnostik des Klinikums hinter sich zu wissen“, betont Brem und zählt als Beispiele die neuesten bildgebenden Verfahren in der Radiologie, die moderne Diagnostik in der Augenklinik oder die ausgefeilte Leistungsdiagnostik im Institut für Sportmedizin des Klinikums Nürnberg auf.

Auf dem Platz ist Brem nicht nur Mannschaftsarzt, sondern auch Club-Fan. Er fiebert richtig mit. Fällt ein Tor für den Club, entlädt sich bei ihm die Spannung und er springt vor Freude genauso hoch wie die neben ihm sitzenden Ersatzspieler oder die Trainercrew.

Nach Pinolas Abgang verpasst Brem aber in den letzten zehn Minuten der Partie gegen Hannover 96 nicht mehr viel. Der Club drängt in Unterzahl vehement auf den Ausgleich, kann aber den Heimvorteil nicht nutzen. Das erste Heimspiel geht mit 1:2 verloren. Zumindest für den in Buenos Aires geborenen Abwehrspieler gibt es aber schnell Entwarnung. Nach einer halben Stunde steht er schon wieder. Brems Akuttherapie hat gewirkt: „Viel Flüssigkeit, Magnesium und Dehnung der Muskulatur.“ 

 

Weitere Informationen: Sportorthopädische/-traumatologische Sprechstunde PD Dr. Brem, Tel. (0911) 398-2600. Spezialsprechstunde für Sportverletzungen und Gelenkerkrankungen, Tel. (0911) 398-2727 oder -2728 (Mo und Do ab 13:00 Uhr). Institut für Sportmedizin, Tel. (0911) 398 -5630.

 

Sportmedizin im Klinikum

Die Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie mit 91 Betten im Klinikum Nürnberg Süd deckt das gesamte Spektrum der Traumatologie, der Sportorthopädie/Sporttraumatologie, der Wirbelsäulen- und Fußchirurgie sowie der Endoprothetik ab. Als überregionales Traumazentrum für Schwerverletzte in der Region Mittelfranken ist die Klinik von zentraler Bedeutung und für Rettungsdienste erste Anlaufstelle.

Dank des Schwerpunkts Sporttraumatologie und -orthopädie der Klinik ist das Klinikum Nürnberg „Offizielles Medizinisches Zentrum des Olympiastützpunktes Bayern“ und die nächsten drei Jahre lang Partner des 1. FCN in der sportmedizinischen Betreuung der Club-Profis.

Beim Institut für Sportmedizin im Klinikum Nürnberg Süd stehen Gesundheitspflege, Prävention und Rehabilitation im Vordergrund. Es bietet u.a. Leistungsdiagnostik, Tauchtauglichkeitsuntersuchungen, sportwissenschaftliche Beratung und Reisemedizin an.

Weiteres zu diesem Thema finfen Sie auf der Internetseite des Instituts für Sportmedizin.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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