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Interdisziplinäres Tumorboard - Hinter jedem Arzt steht das Team

Diagnose Brustkrebs. Dr. Thorsten Koch, leitender Oberarzt des Brustzentrums im Klinikum Nürnberg, kennt die Ängste und Sorgen der Frauen. Daher legt er großen Wert auf eine gute Diagnostik, eine gute Therapie und eine gute Beratung. Für das Gespräch mit der Patientin nimmt er sich Zeit. Geduldig und gewissenhaft erklärt er ihr die einzelnen Schritte der empfohlenen Therapie.

Eigentlich ist er bei dem Gespräch mit der Frau gar nicht allein. Hinter ihm sitzen – quasi virtuell - die Kolleginnen und Kollegen aus dem interdisziplinären Tumorboard des Brustzentrums und stehen ihm mit ihrem Fachwissen zur Seite: Sie erheben Einwände, ergänzen den Befund, stellen Fragen und machen Vorschläge. Jeder von ihnen ist ein ausgewiesener Experte für Brustkrebs, ein jeder auf seinem Fachgebiet.

Von all diesen Diskussionen, diesem Hin und Her an Meinungen und Einschätzungen, die in einer gemeinsam getragenen Therapieempfehlung münden, sieht und hört die Patientin jedoch nichts.
Interdisziplinäre Diskussion
 

Es sind die Ärzte des vierköpfigen Ärzteteams des Brustzentrums, die all diese Informationen bündeln und das Gespräch mit ihr führen. „Wir erklären den Patientinnen und den seltenen männlichen Patienten alle Therapieoptionen und stellen unsere gemeinsame Therapieempfehlung vor“, so Koch. Welche Maßnahmen dann durchgeführt werden, darüber entscheidet letztendlich die Patientin. Sie könne die empfohlene Therapie oder Teile davon auch ablehnen.

Der fachübergreifende Expertenrat wird einmal wöchentlich im Tumorboard erarbeitet. Hier treffen sich die Brustkrebsspezialisten aus der Gynäkologie, der Radiologie, der Strahlentherapie, der Pathologie, der Onkologie und der Plastischen Chirurgie, um die Befunde zu besprechen und eine Therapieempfehlung auszusprechen. Dabei trägt jede Fachdisziplin ihr besonderes Wissen bei.

„Mir als Arzt gibt diese enge Zusammenarbeit die Sicherheit, dass wir gemeinsam die beste Behandlungsstrategie erarbeiten, die sowohl dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht als auch der persönlichen Situation der Patientin angepasst ist“, betont Koch. Die Patientin wiederum kann sich sicher sein, dass sie die für sie bestmögliche Therapie erhält.

Im zertifizierten Brustzentrum des Klinikums Nürnberg wird die Behandlung aller Patientinnen im Tumorboard geplant. „Die Behandlung von Krebserkrankungen ist heute sehr komplex“, so Koch. „Da können die einzelnen Fachdisziplinen nicht mehr nebeneinander arbeiten. Wir müssen eng kooperieren.“ In der Regel wird erstmals postoperativ, also nach der chirurgischen Entfernung des Tumors, die weitere Behandlung gemeinsam geplant.

Bei 15 bis 20 Prozent der Patientinnen erfolgt eine Besprechung im Tumorboard allerdings schon im Vorfeld. Dies geschieht z.B. bei sehr großen Tumoren, die vor der Entfernung mittels Chemotherapie behandelt werden. Sie schrumpfen dadurch und erleichtern damit die anschließende Operation. Patientinnen mit einem Rezidiv werden grundsätzlich im Tumorboard vorgestellt. Ist eine simultane Brustrekonstruktion, d.h. eine Brustrekonstruktion unmittelbar nach der Entfernung des Tumors sinnvoll, wird der Patientin ein Vorgespräch mit dem Plastischen Chirurgen empfohlen.

Die Erhaltung der Brust bzw. die Möglichkeiten einer Brustrekonstruktion stehen von Anfang im Fokus der Ärzte. So enthält die Therapieempfehlung grundsätzlich auch Empfehlungen hierzu. „Die Frau muss sich nicht erst nach erfolgter Behandlung selbst darum kümmern“, betont Koch.

Schon seit vielen Jahren ist der Gynäkologe auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert. Kann er als „alter Hase“ vom interdisziplinären Austausch im Tumorboard überhaupt noch etwas lernen? „Aber sicher“, sagt er. „Die Kollegen bringen immer wieder neues Wissen aus ihren Fachdisziplinen von Kongressen und von Fortbildungen mit. Ich lerne immer wieder dazu.“

Und auch der ärztliche Nachwuchs profitiert. Für die jungen Ärztinnen und Ärzte ist die Teilnahme am Tumorboard geradezu eine Fortbildungsstunde. Hier lernen sie den kompetenten Umgang mit der Krankheit. Jahr für Jahr fährt ein Kollege zur deutschlandweiten Vorstellung der neuen Behandlungsleitlinien für Brustkrebs und berichtet den Kollegen anschließend darüber. So finden im Klinikum Nürnberg neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Krebstherapie schnell den Weg in die klinische Behandlung.         

 

Zweitmeinung inklusive

Für die Patienten bedeutet die Fallbesprechung in den interdisziplinären Tumorboards die Bündelung der Expertise unterschiedlicher Fachdisziplinen – und damit die Zweit- oder Drittmeinung inklusive. Das Tumorboard des Brustzentrums ist nicht das einzige im Klinikum Nürnberg. Insgesamt sind es acht dieser interdisziplinären Arbeitskreise. Neben dem allgemeinen Tumorboard gibt es je ein Tumorboard des Brust-, Darm, Hauttumor-, Lungentumor-, Kopf-Hals-Tumor- und Prostatazentrums sowie das Tumorboard Neuroonkologie für Hirntumoren. Niedergelassene Fach- und Hausärzte sind ebenfalls eingeladen und können auf Wunsch ihre Patienten vorstellen. Die Teilnahme an den Tumorboards des Klinikums ist als ärztliche Fortbildung anerkannt.

Weiteres zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite des Brustzentrums.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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