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Klinische Studie - Eine Impfung gegen Alzheimer?

In Deutschland leben gegenwärtig etwa 1,2 Millionen Demenzkranke, zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Diese hirnorganische Krankheit ist gekennzeichnet durch einen langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten .

Die Folgen sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Verhaltensauffälligkeiten. Die bisher verfügbaren Medikamente setzen an den Symptomen an und können den kognitiven Zustand der Patienten lediglich stabilisieren – im Durchschnitt bis zu zwei Jahre lang. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg ist nun an einer internationalen klinischen Studie beteiligt, die einen Impfstoff gegen Alzheimer testet.

„Das ist einer der wenigen Hoffnungsschimmer in der Alzheimer-Forschung“, betonen Oberarzt Dr. Reinhold Waimer, Leiter der Gerontopsychiatrie, und Dr. Hartmut Lehfeld, Leitender Psychologe der Klinik und Leiter der viel frequentierten Gedächtnissprechstunde im Klinikum Nürnberg Nord. Die streng kontrollierte Studie läuft noch bis Dezember 2012 und beide Experten versprechen sich viel von dem Ansatz einer so genannten aktiven Impfung. „Mit dem Impfstoff wird der Körper angeregt, Antikörper gegen freie, ungebundene als auch gebundene Eiweißköper so genannte Beta-Amyloide zu bilden, die für die schädliche Plaquebildung, also die so genannten Eiweißmüllplätze, im Gehirn der Alzheimer-Patienten verantwortlich gemacht werden“, erläutert Waimer. Diese Plaques schädigen die Nervenzellen, so dass die Signalübertragung gestört sei. Während gesunde Menschen weniger Beta-Amyloide produzieren, ist bei Alzheimer-Patienten der Stoffwechsel gestört, so dass bei ihnen die Produktion erhöht ist.

Insgesamt werden an der Studie 420 Patienten aus Deutschland, Frankreich, Kroatien, Österreich, Slowakei, Spanien und Tschechien teilnehmen. „Die Einschlusskriterien sind sehr eng“, betont Lehfeld. „Die Patienten dürfen nur an einer leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz erkrankt sein und keine weiteren Krankheiten wie zum Beispiel Gefäßerkrankungen oder Depressionen haben.“ Die Impfung erfolgt fünf Mal im Jahr, alle sechs Wochen werden die Studienteilnehmer akribisch untersucht. Eine Kontrollgruppe erhält eine Placebo-Impfung. Das Besondere an der Studie ist, dass alle Teilnehmer ihr Alzheimer-Medikament weiternehmen dürfen. Das sind in der Regel so genannte Cholinesterase-Hemmer, also Substanzen, die im Gehirn den enzymatischen Abbau des Überträgerstoffs Acetylcholin verhindern.

Wenn der Impfstoff die jetzt laufende Studie der so genannten Phase II erfolgreich absolviert hat, erfolgen weitere, noch aufwändigere Studien. Am Ende könnte dann ein Impfstoff stehen, der einen lebenslangen Schutz vor der gefährlichen Plaquebildung im Gehirn böte. „Wenn alles optimal verläuft, dauert es aber bis zur Zulassung noch mindestens fünf bis sieben Jahre“, schätzt Waimer.            

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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