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Schönheitschirurgie - Der machbare Frauenkörper?

Schönheitschirurgische Eingriffe sind ein Wachstumsmarkt, der selbst vor der Intimchirurgie nicht mehr haltmacht. Beckenbodenstraffung, Schamlippenkorrektur, Vaginalverengung, Venushügelkorrektur und G-Punkt-Intensivierung sind die neuen Trends auf dem Schönheitsmarkt. Die Anbieter versprechen mehr Lust beim Sex, mehr Glück im Leben. Doch was sind die Versprechen wert?

Dr. Barbara Stein betreut als Psychologin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Frauen, die nach einer Brustamputation einen Brustaufbau wünschen. „Ein sinnvoller Eingriff“, meint Stein, „denn die Frauen fühlen sich in ihrer körperlichen Identität als Frau beschädigt. Das kann eine große psychische Belastung sein.“ Nicht umsonst übernehmen dafür die Krankenkassen die Kosten. Doch man sollte nicht „jedem Modetrend unkritisch folgen“, meint Stein. Man wisse noch viel zu wenig über Nutzen und Risiken der Intimchirurgie.

„Risikoeinschätzungen und Komplikationsraten bei allen kosmetischen Operationen am weiblichen Genital fehlen“, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Nicht jedes Versprechen wird auch wirklich eingelöst, und ob dem Eingriff auch der versprochene Mehrwert oder Lustgewinn folgt, ist (noch) nicht bewiesen. Doch der Druck vor allem auf junge Frauen wächst. „Früher mussten wir mit unserem Körper leben lernen, heute gilt er als veränderbares Produkt“, meint Stein. Der machbare Frauenkörper eben.

Da die Kleider immer enger, kürzer und durchsichtiger werden, wird auch der Körper in seiner Schönheit und eben auch in all seinen Besonderheiten immer mehr zur Schau getragen. Der aktuelle Trend zur Ganzkörperenthaarung bei jungen Frauen wie Männern gibt noch dazu den Blick auf das Genital frei. Damit unterliegen auch Schamlippen, Klitoris & Co strengen Schönheitsidealen. Gerade bei jungen Frauen ist die Verunsicherung groß. Schon 16-Jährige wünschen sich einen chirurgischen Eingriff im Intimbereich.

 

Der weibliche Torso stammt von Miro Pozar. Im Juni hatte er eine Ausstellung in Nürnberg im Lokal "Provenza".
 

Doch nicht immer muss es gleich ein intimchirurgischer Eingriff sein. „Den Wunsch nach einer Korrektur im Intimbereich muss man ernstnehmen“, so Stein. Der Leidensdruck sei oft sehr groß. Doch leider werde zu wenig geprüft, ob nicht eine Psychotherapie die bessere Therapiewahl wäre. Gerade in der Adoleszenz sei die Verunsicherung über die eigene Körperlichkeit groß. Oft reiche es, wenn die jungen Frauen über ihre Probleme reden könnten und Akzeptanz für ihr Aussehen erfahren. Zudem müsse geprüft werden, ob nicht eine Körperbildstörung vorliege.

Auch wenn der intimchirurgische Eingriff in Deutschland längst (noch) nicht zur Norm gehört, so steigen doch die Zahlen stetig an. Exakte Daten liegen keine vor, der Druck auf die Frauen aber steigt. Parallel dazu wächst die Akzeptanz für schönheitschirurgische Eingriffe. Dies zieht höchstwahrscheinlich eine steigende Zahl von Eingriffen nach sich. So zeigen Studien, dass Frauen den gewünschten Eingriff eher durchführen lassen, wenn in ihrem sozialen Umfeld eine hohe Akzeptanz dafür besteht.

An den Männern geht der Trend zum machbaren Körper nicht vorbei. Auch ihr Körperbild wird mehr und mehr von den Hochglanzbroschüren der Schönheitsindustrie beeinflusst. Nicht nur der Waschbrettbauch muss es bei ihnen sein.    

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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