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Interdisziplinäres Onkologisches Zentrum - Systematisch und lückenlos Hand in Hand

In Nürnberg erkranken Jahr für Jahr 3.000 Menschen neu an Krebs. Gab es früher nur die Alternative zu operieren, zu bestrahlen oder eine Chemotherapie einzuleiten, kommen heute modernste kombinierte Krebstherapien zum Einsatz.

Um allen Patienten mit Krebsdiagnose eine solche individuelle, nach wissenschaftlich anerkannten, dem jeweiligen Stand der medizinischen Entwicklung entsprechende Diagnostik und Behandlung zukommen zu lassen, vernetzt das Interdisziplinäre Onkologische Zentrum (IOZ) die onkologische Kompetenz im Klinikum Nürnberg.

Die Diagnose Krebs ist für die Betroffenen und ihr Umfeld immer ein Schock. Doch dank des Fortschritts in der Medizin können viele Krebserkrankungen geheilt oder zumindest weitaus erfolgreicher behandelt werden als noch vor Jahren. Damit jeder Krebspatient aber die für ihn beste Therapie bekommt, müssen die einzelnen an Diagnose und Behandlung beteiligten Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten.

Pflegedienstleitung Hannelore Erb, Onkologie-Chefarzt Prof. Martin Wilhelm, Oberärztin Dr. Kerstin Schäfer-Eckart und der Leitende Oberarzt PD Dr. Josef Birkmann (v.l.n.r.).
 

Als erstes Zentrum seiner Art in Nordbayern wurde das IOZ des Klinikums nun von den medizinischen Fachverbänden erfolgreich zertifiziert. Externe Gutachter prüften dazu akribisch medizinische und pflegerische Angebote und Leistungen, Struktur und Abläufe sowie die Qualitätssicherung. „Das Zertifikat ist kein Papiertiger, sondern ein Gütesiegel für die gelebte Zusammenarbeit“, betont Dr. Dr. Niklewski, in der Klinikumsleitung zuständig für Strukturentwicklung und Medizin.

 

Behandlung der kurzen Wege

Die einzelnen Fachdisziplinen arbeiten innerhalb des Klinikums bei der Behandlung von Patienten mit onkologischen Erkrankungen systematisch Hand in Hand und schaffen damit für den Patienten eine Behandlung der kurzen Wege. „Wir bieten Medizin auf dem neuesten Stand und das sieben Tage die Woche und 24 Stunden rund um die Uhr“, erläutert Prof. Martin Wilhelm, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Hämatologie.

Zentraler Bestandteil der interdisziplinären Zusammenarbeit bei onkologischen Erkrankungen sind die wöchentlichen Tumorkonferenzen. Insgesamt gibt es acht so genannte Tumorboards im Klinikum. Neben dem allgemeinen Tumorboard sind das die Tumorkonferenzen der Organzentren für häufige Krebserkrankungen wie Brust-, Darm-, Haut-, Kopf-Hals-, Lungen- oder Prostatatumoren. Die Tumorboards stehen auch zuweisenden Kliniken und Ärzten offen. Das für jeden Patienten dort erarbeitete weitere Vorgehen in Diagnose und Therapie ist für alle Beteiligten handlungsleitend.

Entscheidend für die Therapie ist die Typisierung des Tumors. Jahr für Jahr werden in der Pathologie des Klinikums rund 55.000 Gewebeproben analysiert. „Damit haben wir die Expertise, häufige aber auch ganz seltene Krebsarten mit größter Sicherheit zu diagnostizieren“, berichtet Prof. Thomas Papadopoulos, Chefarzt der Pathologie.

Neueste dreidimensionale Bildgebungsverfahren sind im Einsatz – nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der Kontrolle des Verlaufs einer Therapie und bei der Therapie selbst. Prof. Reinhard Loose, Chefarzt des Instituts für Radiologie Nord, führt beispielhaft Bayerns ersten PET-CT an, der im Klinikum steht: „Dieser Positronenemissions-Computertomograf kombiniert das CT mit der biologischen Aktivität des Tumors, damit lassen sich auch sehr kleine Metastasen aufspüren, die bislang den Ärzten verborgen geblieben wären.“

 

Kombination unterschiedlichster Verfahren

Bei der Therapie selbst geht es um die Kombination unterschiedlichster Verfahren. Dr. Clemens Albrecht, Chefarzt der Radioonkologie und Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie, setzt auf die so genannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Sie ermöglicht eine zielgerichtete Bestrahlung, schont das den Tumor umliegende Gewebe und verringert damit die Nebenwirkungen.

Schonend für die Patienten sind auch die so genannten „Schlüsselloch-Operationen“. Für Prof. Hubert Stein, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie sind solche minimal-invasiven Verfahren „wenn möglich erste Wahl“. Stein ist auch Chefarzt des Darmkrebszentrums, in dem pro Jahr rund 400 Patienten mit Dickdarmkrebs behandelt werden.

Teil dieses großen Netzwerks ist auch eine gemeinsame interdisziplinäre Ambulanz für Systemtherapie (Chemotherapie). Im Ambulanten BehandlungsCentrum im Klinikum Nord werden im Bereich Onkologie und Hämatologie Jahr für Jahr rund 12.000 Chemotherapie-Applikationen verabreicht. „Mit dieser ambulanten Chemotherapie ermöglichen wir den Patienten eine Behandlung und damit ein Leben mit der Erkrankung in der gewohnten häuslichen Umgebung ohne allzu große Einschränkungen des gewohnten Alltags“, betont Dr. Christiane Falge, Oberärztin im ABC.

 

Begleitung während der Krankheit

Das interdisziplinäre Behandlungskonzept für jeden einzelnen Patienten betrifft jedoch nicht nur die ambulante und stationäre Krebstherapie, sondern auch die psycho-onkologische Begleitung, die onkologische Pflege sowie Maßnahmen der Rehabilitation und der Nachsorge.

„Wir haben 30 Prozent speziell onkologisch ausgebildete Pflegekräfte“, berichtet Hannelore Erb, Pflegedienstleitung der Klinik für Onkologie und Hämatologie. Die emotionale Zuwendung sowie die intensive Beratung unter Einbeziehung der Angehörigen haben gerade bei der Pflege von Krebspatienten einen hohen Stellenwert.

Vorbildlich gelöst ist die im Klinikum seit Jahrzehnten bestehende und immer weiter ausgebaute psycho-onkologische Betreuung. Deshalb hat dieser Konsiliar- und Liaisondienst auch als „Nürnberger Modell“ Eingang in die Fachliteratur gefunden.

Für Prof. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ist die Psychoonkologie ein wesentlicher Bestandteil in der Therapie: „Wir haben immer ausgefeiltere Methoden, um Krebserkrankungen zu behandeln, aber wir behandeln nicht nur den Krebs, sondern auch den Menschen, der an Krebs erkrankt ist – und nicht nur den Menschen, sondern auch seine Angehörigen und sein Umfeld.“

Seine Klinik bietet für Patienten Einzeltherapie, Paar- und Familiengespräche sowie Entspannungstraining und Imaginationsverfahren an. Für Ärzte und Pflegende, die tagtäglich mit der Angst, Verzweiflung und Einsamkeit vieler Krebspatienten umgehen müssen, bietet die Klinik Teamsupervisionen und Fortbildungen in Gesprächsführung an.

Weiteres zum Thema IOZ.  

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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