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Informationsverarbeitung - Elektronische Patientenakte, vernetztes Krankenhaus

Der vernetzten Medizin gehört die Zukunft. Dies versprechen Computerfirmen, Medizingerätehersteller und Softwarekonzerne weltweit. Nur ein Mausklick – und alle Informationen tauchen wie von Geisterhand auf dem Bildschirm des behandelnden Arztes auf. Was braucht es schon dafür? Leistungsfähige Computer und Notebooks, riesige Serverkapazitäten, Kabel und Drahtlosnetzwerke, Ports und Schnittstellen, Programme und noch mehr Programme, die alle Informationen miteinander koppeln – und am Schluss wird auch noch die Rechnung wie von selbst ausgedruckt?

 

Die Vernetzung: ein aufwändiger Prozess

Dr. Alexander März lacht über diese schöne, aber doch etwas laienhafte Fantasie: „Ja, so ungefähr. Nur der Weg dahin ist weit und mitunter steinig.“ Die rasante Digitalisierung und Vernetzung der Krankenhäuser und der Medizin insgesamt fordern nicht nur Zeit, Geld und Arbeitskraft, sondern auch unendlich viel Geduld. Davon wissen März und seine Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung für Informationsverarbeitung (IV) ein Lied zu singen. Die Zeiten, als man mit einfachen Insellösungen – ein Programm und ein paar Computerarbeitsplätze direkt vor Ort – zufrieden war, sind schon lange vorbei.

Erfolg: Helmut Schlegel (r.) und Dr. Alexander März (l.) sind stolz darauf, wie viel vernetzte Medizin im Klinikum Nürnberg bereits realisiert ist.
 

März, der seine Karriere im Klinikum Nürnberg als Arzt begann, ist für das Sachgebiet „Klinische Anwendungen“ zuständig. Er kennt all die Stolpersteine auf dem Weg zur Vernetzung: Passende Programme müssen gefunden, präzise Anforderungen an die Programmierung definiert, klinische Ablaufe angepasst und unterschiedlichste Nutzerprofile entwickelt werden. „Es ist ein unglaublich aufwändiger Prozess, bis letztendlich alles wie gewünscht läuft“, sagt März. Er wie auch Helmut Schlegel, Leiter der IV-Abteilung, sind daher stolz darauf, wie viel vernetzte Medizin im Klinikum Nürnberg in den letzten zehn Jahren schon verwirklicht werden konnte.

 

SAP: wie die Spinne im Netz

Eines der Kernprobleme auf dem Weg zum vernetzten Krankenhaus verbirgt sich hinter dem so harmlos klingenden Begriff der Schnittstelle. „Es gibt gute und anwenderfreundliche Programme für den Krankenhaussektor, die nur einen Makel haben: Sie kommunizieren nicht mit SAP“, erklärt März. Doch ohne SAP oder zumindest einer SAP-Schnittstelle läuft im Klinikum Nürnberg nichts. Wie die Spinne im Netz thront SAP im Zentrum des internen DV-Netzwerkes. Hier laufen alle zentralen Anwendungen: Patientenverwaltung, Kostenabrechnung, Controlling, Materialwirtschaft, Einkauf, elektronische Patientenakte.

Um SAP herum gruppieren sich – über mehr als 145 Schnittstellen verbunden – 130 verschiedene mehrplatzfähige Anwendungen, z.B. das Bildsystem PACS, Labor-, Mikrobiologie- und Pathologiesysteme oder die Essensbestellung. Die Anwendungen rund um SAP sollen auch zukünftig auf eine überschaubare Zahl beschränkt bleiben, denn jedes Update und jede Neuanschaffung wird zum potenziellen Risiko. Funktioniert die Schnittstelle danach noch einwandfrei? Diese Frage muss schon vor dem Update mit einem Ja beantwortet sein.

 

Problem Schnittstelle: Vorsicht bei Updates und Releasewechsel

Nicht umsonst werden jedes SAP-Update und erst recht jeder Versions- oder Systemumstieg erst einmal simuliert, bevor sie im Echtbestand realisiert werden. So war es auch 2010, als monatelang der SAP-Releasewechsel vorbereitet wurde. Immer wieder wurde das Update simuliert, bis auch der letzte Fehler behoben werden konnte. Mehr als 80 Anpassungen mussten vorgenommen werden. Vor dem „echten“ Umstieg wurde der gesamte Releasewechsel noch ein letztes Mal simuliert. „Es lief fehlerfrei“, erinnert sich Marc-René Schmidt. Trotzdem schlug beim Umstieg im Echtbestand der Puls bei allen Beteiligten höher. Wenn jetzt etwas schief geht? – Es ging nichts schief.

 

Elektronische Patientenakte: Alles Wichtige steht hier

Schmidt, der DV-Organisator, ist mit verantwortlich dafür, dass die elektronische Patientenakte fehlerfrei funktioniert. Routiniert klickt er sich durch die „dicke“ Akte, folgt unzähligen Links zu Befunden, Diagnosen, Röntgen-, Ultraschall- oder CT-Aufnahmen, Arztbriefen, OPS-Codierungen, nach deren Kategorien die Abrechnung erfolgt, oder zu den persönlichen Daten des Patienten. Hier ist alles dokumentiert, was für Diagnostik und Therapie, Leistungsabrechnung und Qualitätssicherung wichtig ist. Auch zu Behandlungen, die vor Monaten oder Jahren stattgefunden haben, kann er zurückblättern.

Schmidt ist einer der wenigen Menschen im Klinikum, der Zugang zu allen Informationen der Patientenakte hat. Alle anderen Nutzer haben lediglich Zugriff auf die Informationen, die sie für ihre Arbeit brauchen. Der behandelnde Arzt darf auf alle medizinischen Befunde zugreifen oder den Arztbrief freigeben, die Mitarbeiterin der Leistungsabrechnung hat Zugang zu den OPS-Codierungen, der Mitarbeiter der Patientenaufnahme erfasst die persönlichen Daten des Patienten – sonst nichts.

„Diese Beschränkung auf das eigene Arbeitsfeld vereinfacht die Anwendung für den Nutzer enorm“, erklärt Schmidt. Die Beschränkungen erfüllen zudem die geltenden Datenschutzbestimmungen. Denn der „virtuelle“ Patient darf nicht automatisch auch ein „gläserner“ Patient sein. Im Hintergrund laufen automatisch Prüfprogramme, die systematisch Fehlerprotokolle erstellen. „Bestimmte Fehler“, erklärt Schmidt, „können innerhalb des Systems gar nicht erst gemacht werden, weil sie die Plausibilitätsprüfungen nicht bestehen.“

 

Krankenhausinformationssysteme: komplett vernetzte Medizin

Doch noch sind nicht alle Daten, die im Klinikum erhoben werden, zentral vernetzt. So wünscht sich die Klinik für Kardiologie schon lange ein Informationssystem, mit dessen Hilfe man von allen Rechnern der Klinik auf alle Informationen gleichermaßen zugreifen kann: auf patientenbezogene Daten, OPS-Codierungen, klinische Abläufe sowie Diagnosen und Befunde, darunter die bildgebenden Verfahren ebenso wie die kardiologischen Befunde, z.B. Herzecho, EKG, elektrophysiologische Befunde oder die Ergebnisse aus dem Herzkatheterlabor.

„Acht Jahre lang haben wir nach einem geeigneten Informationssystem gesucht und sogar mehrere Programme erprobt. Leider mit wenig Erfolg“, berichtet Dr. Siegberto Haetinger, Oberarzt in der Kardiologie. Auf dem Markt werden zwar zahlreiche Systeme angeboten, aber keines entspricht den Anforderungen des Klinikums. Und keine der angesprochenen Firmen wollte ihr System für das Klinikum umschreiben. Schlegel zeigt Verständnis dafür: „Der Markt für Krankenhausinformationssysteme ist klein und stark auf den lukrativeren angloamerikanischen Markt ausgerichtet. Da lohnt sich der Programmieraufwand für die Firmen oft nicht.“ Doch jedes Land und jedes Krankenhaus brauche seine eigenen Lösungen.

Noch weniger allerdings lohnt sich die Programmierung im eigenen Haus. Schon jetzt entfallen drei Viertel der Arbeitsleistung der Abteilung auf den laufenden Betrieb – mit steigender Tendenz. Dabei stehen mehrere komplexe klinische Anwendungen in der Warteschleife. Auch sie sollen demnächst realisiert werden.

 

Kardiologisches Informationssystem: Der Wunsch wird endlich Wirklichkeit

Doch für die Kardiologe hat das Warten nun ein Ende: Im Herbst 2011 wird ihr Wunsch nach einem kardiologischen Informationssystem, das komplett mit SAP vernetzt ist, endlich erfüllt. Zuletzt fand sich ein Anbieter, der bereit war, die Schnittstelle seines Systems für SAP zu programmieren. „Bei den Verhandlungen war es sicher von Vorteil, dass wir als großes Krankenhaus ein interessanter Entwicklungspartner für Hersteller sind“, schmunzelt März.

Ab Herbst wird das System in mehreren Phasen in Betrieb genommen. „Dabei wird jeder Schritt mit dem Hersteller einerseits und der Klinik andererseits exakt vorbereitet, damit am Schluss auch alles so funktioniert, wie wir es wollen.“ Eineinhalb Jahre wird dieser Prozess dauern.

Als Arzt erhofft sich Haetinger davon im Klinikalltag zahlreiche Arbeitserleichterungen. „Ich habe dann von jedem Arbeitsplatz aus Zugriff auf alle Daten. Das wird insbesondere die Fallbesprechung mit Kollegen enorm erleichtern.“ Auch die immer komplexer werdenden Anforderungen an Dokumentation, Arztbrief, Prozesssteuerung, OPS-Codierung oder Statistik lassen sich damit sehr viel effizienter handhaben. „Dann“, hofft Haetinger, „bleibt uns wieder mehr Zeit für unsere ärztlichen Kernaufgaben.“    

 

Informationsverarbeitung auf Wachstumskurs

EDV-Lösungen sind auch in den Krankenhäusern auf dem Vormarsch. Im Klinikum Nürnberg sorgen die 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie drei Auszubildende und zwei Studenten der Abteilung für Informationsverarbeitung für den reibungslosen Betrieb. Die Abteilung ist nicht nur für die Hardware vom PC bis zum leistungsfähigen Rechner, für die Beschaffung der Software und für deren Updates zuständig, sondern auch für die Einrichtung und Betreuung komplexer klinischer Anwendungen und das gesamte Berechtigungsmanagement.

Vor allem die mitunter hoch komplexen klinischen Anwendungen stellen hohe Anforderungen an Inbetriebnahme und laufenden Betrieb. 130 mehrplatzfähige Anwendungen sind im Klinikum im Einsatz, darunter SAP als Herz des gesamten Netzwerks. Im Jahr werden rund 1,1 Millionen klinische Daten zentral in SAP gespeichert, es fallen 1,33 Millionen Anforderungen von medizinischen Leistungen an, von denen fünf Prozent ausschließlich über das Datennetzwerk und 57 Prozent mit dessen Unterstützung abgewickelt werden – Tendenz steigend.     

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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