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Krebsdiagnostik in der Pathologie - Konzentrierte Routine und Spürsinn

Die Diagnose Krebs ist für den Betroffenen und sein persönliches Umfeld oft ein Schock. Sie verändert das Leben schlagartig. Nichts ist mehr so, wie es vorher war, und nicht selten werden massive existenzielle Ängste und Verzweiflung zum lähmenden Begleiter.

Deshalb sollte die Diagnose, wenn sie gestellt wird, hundertprozentig stimmen. Zumal die Typisierung des Tumors, also die Identifizierung der Krebsart, letztlich maßgebend für die spätere Therapie ist. Dieser Verantwortung ist sich Prof. Thomas Papadopoulos, Chefarzt des Instituts für Pathologie im Klinikum Nürnberg, sehr bewusst: „Jeder Tumor hat ein bestimmtes Gesicht und das müssen wir erkennen.“

Jahr für Jahr nimmt die Pathologie des Klinikums 55.000 Gewebeproben unter die Lupe. Sie werden meist bei einer Biopsie, aber auch während einer Operation entnommen. „Diese große Zahl von analysierten Proben bedeutet einen erheblichen Erfahrungsvorsprung, um häufige, aber auch seltene und schwierige Fälle mit größter Sicherheit diagnostizieren zu können.“

 

In den meisten Fällen genügt Papadopoulos und seinem Team aus Fachärzten und Assistenten ein Blick durch das Mikroskop. „Bösartige Zellen sehen böse aus“, erläutert der Chefarzt. Bei 400-facher Vergrößerung erkennt er die Zelle eines bösartigen Tumors an ihrem vergrößerten Zellkern, ihrer vergröberten Kernstruktur und oft auch an der erhöhten Zahl von so genannten Zellteilungsfiguren. Von gesunden Zellen unterscheiden sich Zellen bösartiger Tumoren, dass diese sich ungebremst vermehren und gesundes Gewebe verdrängen bzw. zerstören. Auch dieses Verhalten der Zellen im Gewebe sieht der Pathologe im Mikroskop.

 

Grad der Aggressivität

Je nach Aggressivität der Tumoren und je nachdem, wie viele gewebetypische Eigenschaften sie verloren haben, stuft der Pathologe die bösartigen Geschwulste in eine Skala von G1 bis G4 „besonders bösartig“ ein. Darüber hinaus kann er die Erfolgsaussichten einer Behandlung abschätzen. Mit Hilfe der so genannten molekularen Pathologie identifiziert er genetische Veränderungen in den Tumorzellen, die für das Ansprechen des Tumors z. B. auf Antikörper-Therapien ausschlaggebend sind.

Entscheidend für die Erstellung des Befundes ist die Qualität der Gewebeschnitte, die durch das Mikroskop betrachtet werden. Um einzelne Zellstrukturen überhaupt erkennen zu können, dürfen sie nicht dicker als fünf Tausendstel Millimeter sein. Um solch dünne Schnitte fertigen zu können, muss das Material entsprechend hart sein. Dazu wird die Gewebeprobe, die bei einer Biopsie mit einer speziellen Stanznadel oder einer Biopsiezange entnommen wird, entwässert und mit Paraffin getränkt bzw. gehärtet.

Wenn es schnell gehen muss, wenn also der Chirurg noch während der Tumoroperation wissen will, ob er auch das ganze Krebsgewebe entfernt hat, kommt das so genannte Schnellschnitt-Verfahren zum Zuge. Dann wird die per Rohrpost in die Pathologie geschickte Probe bei minus 22 Grad Celsius schockgefroren, geschnitten und unter dem Mikroskop begutachtet. Ob noch Tumorzellen im Gewebe vorhanden sind, erfährt der Operateur nach wenigen Minuten und kann seinen Eingriff je nach Befund fortsetzen oder beenden.

„Im Gegensatz zum Paraffinschnitt weist der Schnellschnitt jedoch eine schlechtere Qualität auf, deshalb kann der Befund auch nicht so präzise sein“, erläutert Chefarzt Papadopoulos. In 80 Prozent der Fälle genügt dem Pathologen für den Befund der Blick durch das Mikroskop. Wenn nicht, dann sind weitere Analyseverfahren nötig.

Bei vielen Tumoren ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich um einen am Entnahmeort entstandenen so genannten Primärtumor oder um ein Tochtergeschwulst, also Metastasen, handelt. Während Zellen von Nieren- oder Darmkrebs sehr charakteristisch aussehen, sehen sich Zellen von Magen-, Galle- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs zum Verwechseln ähnlich.

 

Exakte Einordnung

Zur Zuordnung zu einer bestimmten Krebsart kommt dann die so genannte Immunhistochemie zum Einsatz. „Es gibt mehrere Hundert eigener Tumorentitäten, in den meisten Fällen können wir sie klar bestimmen, aber“, so Papadopoulos, „ein bis zwei Prozent sind Tumoren von unklarer Herkunft.“ Für diese unklaren Krebsarten gibt es entsprechende ganz spezielle Behandlungskonzepte.

„Konzentrierte Routine“ nennt der Chefarzt den Regelfall bei der Krebsbefundung in der Pathologie. Detektivischer Spürsinn sei dagegen nur bei seltenen, schwierigen Fällen gefragt.

„In einem so großen Krankenhaus wie dem Klinikum Nürnberg haben wir jeden Tag schwierige Fälle“, betont Chefarzt Papadopoulos. Nicht selten ist dann für eine eindeutige Diagnose auch eine Falldiskussion im Institut notwendig.  

 

Weiteres zu diesem Thema finden Sie auf der Internetseite der Pathologie.      

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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