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Sportmedizin - Der eigenen Fitness auf der Spur

Sport ist gesund? Sport ist Mord? Immer mehr Menschen bewegen sich regelmäßig oder treiben Sport. Was ist aber eine richtige Belastung, was falsches Training? Wo fängt Überlastung an und wann wird es gefährlich?

Da vor allem bei sportlichen Neu- und Wiedereinsteigern sowie älteren Personen bei Sport ein erhöhtes Risiko im Bereich Herz, Kreislauf und Bewegungsapparat besteht, rät die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention zu einer Vorsorgeuntersuchung. Sie soll „ gesundheitliche Risiken mindern oder vermeiden helfen und eine optimale Ausübung von sportlichen und körperlichen Aktivitäten ermöglichen“.

In Nürnberg empfiehlt die Gesellschaft für eine solche Untersuchung Dr. Bernd Langenstein (im Bild), den ärztlichen Leiter des Instituts für Sportmedizin im Klinikum Nürnberg Süd.
 

Langenstein rät allen, die sich intensiver bewegen wollen, zu einer genauen Diagnose von Fitness und Leistungsfähigkeit. „Ziel unserer Leistungsdiagnostik ist es, gesundheitliche Risiken zu minimieren, den gesundheitlichen Nutzen sportlicher Aktivitäten zu maximieren und den Trainingserfolg zu optimieren.“ Es gelte, Belastungen, Intensitäten und Regenerationsphasen individuell aufeinander abzustimmen, um Überlastungen zu vermeiden und die Ausdauerfähigkeit kontinuierlich zu verbessern.

Genau darauf kommt es der 47-jährigen Kinderkrankenschwester Jutta Neumann* an. Seit rund 20 Jahren joggt sie zwei- bis dreimal die Woche zwischen 60 und 75 Minuten. Noch nie hat sie einen Wettkampf absolviert, jetzt will sie es aber wissen und hat sich für einen Halbmarathon im Juni angemeldet. Als nächstes soll ein richtiger Marathon folgen.

Bevor Neumann im Institut für Sportmedizin im Klinikum Süd ihre Fitness auf dem Laufband testet, muss sie Fragen zu Vorerkrankungen, Allergien, sportspezifischen Beschwerden oder Medikamenten beantworten. „Das ist wichtig für die Gesamteinschätzung des Gesundheitszustandes und des Leistungsvermögens“, betont Langenstein.

Bevor es auf das Laufband geht, macht der Sportmediziner noch ein Ruhe-EKG und überprüft die Lungenfunktion der marathonwilligen Kinderkrankenschwester. Bedarfsweise erfolgen auch Herzultraschall oder Laboruntersuchung. Ihr Ruhepuls von 40 deutet schon auf ein gutes Ausdauertraining hin. Dass Neumann 3,5 Liter Luft einatmen und davon mehr als 80 Prozent innerhalb einer Sekunde wieder ausatmen kann, ist auch nicht schlecht. Am Ohrläppchen wird ihr ein Tropfen Blut entnommen, um den Laktatwert ohne Belastung zu bestimmen. Laktat ist das Salz der Milchsäure, die beim Stoffwechsel unter Belastung entsteht.

Die weiteren für die Leistungsdiagnostik benötigten Werte und Parameter erhält der Sportmediziner, wenn die 47-Jährige auf dem Laufband oder dem Fahrradergometer bei ansteigender Belastung läuft bzw. fährt. Keine Überraschung – als geübte Joggerin entscheidet sie sich für das Laufband.

Für das EKG wird sie nun verkabelt, parallel dazu erhält sie einen Pulsgurt und eine Atemmaske, mit der Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe gemessen werden. „Entscheidend ist im Ausdauersport, wie viel Sauerstoff der Muskulatur für die Energiegewinnung zur Verfügung gestellt wird“, erläutert der Sportmediziner.

Alle drei Minuten wird mit kurzen Pausen zur Laktatbestimmung die Geschwindigkeit vom Gehtempo bei 4 Kilometer pro Stunde (km/h) jeweils in zwei Stundenkilometer-Schritten gesteigert. Bei 14 km/h muss Jutta Neumann nach 90 Sekunden passen, ihre Belastungsgrenze ist erreicht. Noch ein letzter Laktattest, dann braucht sie unbedingt etwas zu trinken und geht unter die Dusche.

Derweil wertet Langenstein alle gemessenen Parameter aus, setzt sie ins Verhältnis zueinander und analysiert den Verlauf ihres Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels. So kann er letztendlich eine auf Neumann individuell zugeschnittene Aussage über ihren Energiestoffwechsel treffen.

In einem ausführlichen Gespräch erklärt er der Kinderkrankenschwester, was es mit der maximalen Sauerstoffaufnahme pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht auf sich hat. „Das ist ein globaler Fitnesswert“, erläutert Langenstein. Gemessen wird dies in Milliliter Sauerstoff pro Minute und pro Kilogramm Körpergewicht. Untrainierte oder kranke Menschen liegen bei bis zu 30, Athleten in der Weltspitze liegen bei über 80 und die 46 von Jutta Neumann sind, so Langenstein „gemessen für ihr Alter ein sehr guter Wert“.

Aus dem gemessenen Laktatanstieg unter Belastung ergeben sich besondere Schwellenwerte, die für das weitere Training von Bedeutung sind. Die so genannte aerobe Schwelle ist die geringste Belastungsintensität, bei der erstmals ein Anstieg des Laktat-Werts gegenüber dem Ruhewert zu messen ist. Die anaerobe Schwelle gibt die Belastung an, bei der ein starker Laktatanstieg zu verzeichnen und bereits nach kurzer Zeit eine erhebliche Leistungseinbuße zu erwarten ist.

Bei Jutta Neumann liegt die aerobe Schwelle bei einem Puls zwischen 120 und 130 und einer Geschwindigkeit zwischen 8 und 8,5 Stundenkilometer. Die anaerobe Schwelle liegt dagegen bei einem Plus von 170 und einer Geschwindigkeit von 10,3 km/h oder 5:48 Minuten pro Kilometer. „Um die Grundausdauer zu trainieren, sollten Sie viel im Bereich knapp über der aeroben Schwelle trainieren und nur ab und zu die anaerobe Schwelle erreichen“, rät Langenstein.

Der Sportarzt überrascht Neumann mit einer Prognose. Aus allen Werten errechnet das Programm ihre wahrscheinlichen Endzeiten für einen Marathon (4 Stunden und 19 Minuten), für einen Halbmarathon (2:02) und einen 10.000 Meterlauf (0:51). Damit hätte die Kinderkrankenschwester nicht gerechnet. Sie ist zufrieden: „Jetzt weiß ich nicht nur über meine Fitness Bescheid, sondern habe auch noch konkrete Anhaltspunkte für das weitere Training.“       

*Name von der Redaktion geändert

 

Weitere Informationen beim Institut für Sportmedizin hinter dem Klinikum Nürnberg Süd, Rosenberger Straße 11, 90471 Nürnberg, Tel. (0911) 398-5630 oder per E-Mail: is@klinikum-nuernberg.de.

 

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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