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Substitutionsambulanz - Ein stabiles Leben mit Hilfe von Methadon

Der 45-jährige Mark R. blickt auf eine lange Drogenkarriere zurück. Als 20-Jähriger griff er erstmals zu harten Drogen, weil sie seine Angst- und Panikstörungen lindern halfen. Dann folgte, was folgen musste: Er verlor den Arbeitsplatz, die Freundin, die Wohnung.

Zuletzt lebte er auf der Straße, immer auf der Jagd nach Geld und Drogen. Ein Gefängnisaufenthalt und zwei Entzugsversuche blieben wirkungslos. Heute er ist er vom langjährigen Heroinkonsum krank, seine Venen sind so zerstochen, dass er sich keine Spritze mehr setzen kann.

Doch Mark hatte Glück im Unglück. Über eine Beratungsstelle kam er zur Substitutionsambulanz ins Klinikum Nürnberg Nord. Hier bekommen Drogenabhängige, die neben ihrer Sucht zusätzlich an einer psychischen Erkrankung leiden, die Chance, mit Hilfe von Methadon oder anderen Ersatzstoffen wie Polamidon und Buprenorphin wieder in ein halbwegs normales Leben zurückzukehren. Birgit Kern, die als Krankenschwester seit den Anfängen der Ambulanz dabei ist, erinnert sich noch gut an ihren ersten Eindruck von Mark: „Er war am Ende.“

Einzige Chance: Birgit Kern und Oberarzt Dr. Wolf Dietrich Braunwarth von der Substitutionsambulanz helfen Drogenabhängigen, Lebensperspektiven zu entwickeln.
 

Seit fünf Jahren kommt Mark nun schon regelmäßig in die Substitutionsambulanz, um sein Medikament einzunehmen und an den Gruppen teilzunehmen. Die Beschaffungskriminalität hat er hinter sich gelassen. Vorsichtig hat er wieder Kontakt zu seiner Familie aufgenommen, er jobbt gelegentlich und träumt inzwischen sogar von einer eigenen Wohnung – alles mit der tatkräftigen Unterstützung der Mitarbeiter der Substitutionsambulanz. Der Weg dahin war holprig. In Krisenzeiten griff er immer wieder zu Drogen – doch er kehrte jedes Mal in die Ambulanz zurück. Er wollte dem Kreislauf von Rausch und Beschaffungsdruck entfliehen. Eine andere Chance, das wusste er, hatte er nicht mehr.

„Es ist wichtig, dass die Drogenabhängigen wieder Perspektiven für ihr eigenes Leben entwickeln können“, erklärt Kern. Dabei kann ihnen die Substitution mit Stoffen wie Methadon helfen. Die Substitutionsambulanz des Klinikums, die im Herbst 2010 ihr zehnjähriges Bestehen feierte, bietet dafür 85 Plätze an. Die Plätze sind für Menschen mit so genannten Doppeldiagnosen reserviert, d.h. sie müssen neben dem intravenösen Drogenkonsum auch an einer psychischen Erkrankung leiden. Dazu zählen z.B. Schizophrenie, Depressionen, Psychosen oder Angst- und Panikstörungen.

Zudem muss die Möglichkeit, dass ein kompletter Drogenentzug erfolgreich sein könnte, ausgeschlossen sein. „Nur 20 Prozent der Heroinabhängigen erreichen eine langfristige Abstinenz“, berichtet Oberarzt Dr. Wolf Dietrich Braunwarth, Leiter der Substitutionsambulanz. „Für die anderen ist eine Substitution oft die wichtigste Behandlung, um aus der Beschaffungskriminalität und dem damit verbundenen Elend aussteigen zu können.“

Die Abgabe der Medikamente an Süchtige unterliegt strengen gesetzlichen Regelungen und Kontrollen. „Die Auflagen sind so streng, dass immer weniger niedergelassene Ärzte am Methadon-Programm teilnehmen“, betont Braunwarth. Bei etwa 2.000 Drogenabhängigen in der Region drohe eine Unterversorgung. „Dabei sind die Erfahrungen mit der Substitution bundesweit sehr gut.“ 

 

Anmeldung zur Suchtambulanz unter Tel. (0911) 398-3717.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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