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Handchirurgie - Mit Enzymen gegen den Dupuytren

Die Krankheit beginnt mit einem kleinen Knoten in der Handinnenfläche. Im Lauf der Zeit entwickelt sich ein Strang, der schließlich verhindert, dass ein Finger gestreckt werden kann. Schon das Anziehen eines Handschuhes wird zum Problem. Am Ende kann die Hand nicht mehr zur Faust geschlossen werden.

Die Rede ist vom Morbus Dupuytren, einer gutartigen Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche. Rund 1,9 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran.

Chirurgisch ist die Erkrankung nicht heilbar, doch jetzt wurde in den USA eine Methode entwickelt, mit Hilfe von Enzymen den störenden Strang aufzulösen. „Das ist Erfolg versprechend“, betont Privatdozent Dr. Bert Reichert, Chefarzt der Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie im Klinikum Nürnberg Süd. Die Klinik nimmt derzeit an einer groß angelegten europäischen Studie teil, um nachzuweisen, wie lange der Erfolg anhält.

PD Dr. Bert Reichert
 

Über die Ursache für die Erkrankung, die nach dem im 19. Jahrhundert praktizierenden französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren benannt ist, tappt die Medizin heute noch im Dunkeln.

„Plötzlich und unerklärlich bilden sich in der Hand Bindegewebsstränge, die in die Tiefe ausstrahlen, Gefäße und Nerven umwachsen, Muskelzellen infiltrieren und sogar in die Gelenkkapsel vordringen“, schildert Reichert den Verlauf der Erkrankung. Da eine Operation kompliziert und nicht ohne Risiko ist, leben viele Patienten mit der unangenehmen Einschränkung der Beweglichkeit der Finger.Bislang, so Reichert, gab es nur zwei Möglichkeiten, die Finger wieder voll bewegungsfähig zu machen: eine Operation, die die Bindegewebsstränge entfernt, mit anschließender rund vierwöchiger Rehabilitation und eine so genannte Nadelfasziotomie. Dabei wird eine Nadel in den Bindegewebsstrang gestochen, der daraufhin zerreißt.

„Aufgrund des komplizierten Aufbaus der Hand und der feingliedrigen Strukturen sollten beide Eingriffe nur von einem Handchirurgen vorgenommen werden“, betont Reichert. Der Chefarzt verhehlt aber auch den Nachteil beider Methoden nicht: „Der Dupuytren kann immer wiederkehren.“

Gerade deshalb setzt er große Hoffnungen auf die in den USA entwickelte Methode der Einspritzung von Enzymen in den Bindegewebsstrang. „Die Eiweißverbindungen lösen den Strang auf, die Beschwerden verschwinden und der Patient erspart sich einen risikobehafteten Eingriff mit Rehabilitation“, erläutert der Handspezialist.

Bevor jedoch die viel versprechende Methode auch in europäischen Kliniken eingesetzt wird, soll eine große Studie aufzeigen, wie lange die Auflösung des Stranges anhält. Als eine von 25 Kliniken in ganz Europa und eine von sechs Kliniken in Deutschland ist die Plastische Chirurgie im Klinikum Nürnberg Süd mit von der Partie.

Insgesamt sollen 250 Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Dupuytren über zwei Jahre lang an einer so genannten Phase III-Studie, also einer kontrollierten Anwendungserprobung, teilnehmen. „Unter strenger Beobachtung und Standardisierung wird dann geprüft, ob sich die guten Behandlungsergebnisse aus den USA in Europa wiederholen lassen“, erklärt Chefarzt Reichert.

 Weitere Informationen über die Studie und die Voraussetzungen zur Teilnahme sind unter Tel. (0911) 398 -2370 oder per E-Mail unter reichert@klinikum-nuernberg.de erhältlich.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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