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Geriatrie-Preis - Vitamine gegen Gebrechlichkeit

Von Frailty, in der Regel als Synonym für Gebrechlichkeit verwendet, ist in der Altersmedizin oft die Rede. Es geht dabei um die erhöhte Verletzlichkeit des älteren Menschen gegenüber Erkrankungen, medikamentösen Nebenwirkungen und körperlichen Überlastungen. Einher geht dies oft mit Muskelabbau oder Unterernährung und führt im Endeffekt zum Verlust der Selbstständigkeit und zu einer erhöhten Sterblichkeit.

Doch wie bestimmt man das Vorliegen von Gebrechlichkeit, welche Faktoren tragen zu ihrer Entstehung bei und wie kann man sie verhindern? Prof. Thomas Bertsch, Chefarzt des Instituts für Klinische Chemie, Laboratoriums- und Transfusionsmedizin im Klinikum Nürnberg, hat sich auf die Suche nach solchen Laborwerten gemacht, ist fündig geworden und wurde dafür von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie mit dem Rolf & Hubertine Schiffbauer-Förderpreis ausgezeichnet.

Schon in vorherigen wissenschaftlichen Arbeiten hatte sich Bertsch zusammen mit dem Chefarzt der Geriatrie im Klinikum Nürnberg, und Oberarzt Dr. Jürgen Heppner, Bereichsleiter internistische Intensivmedizin im Klinikum, intensiv mit dem Syndrom der Gebrechlichkeit auseinandergesetzt.
 

In der aktuellen Arbeit, die im Juli 2010 im International Journal of Preventive Medicine erschienen ist, ging es nicht nur darum, im Rahmen der Labordiagnostik Parameter zu bestimmen, die für die Entstehung von Gebrechlichkeit verantwortlich sind. Ziel war es auch, daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten, wie Gebrechlichkeit positiv beeinflusst oder gar vermieden werden kann. „Als wesentlich haben sich dabei die Anämiediagnostik sowie die Bestimmung von Hormonwerten und der Vitaminspiegel herausgestellt“, erläutert Bertsch.

Die Anämie, die Blutarmut, wird über die Hämoglobinkonzentration im Blut bestimmt. „Dass schon leicht reduzierte Werte Aussagen über Gebrechlichkeit zulassen, ist eine neue Erkenntnis“, betont Geriatrie-Chefarzt Sieber. Eine Anämie geht demnach bei älteren Menschen oft mit einer Verschlechterung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und einer Häufung von Stürzen einher. Die wichtige Abgrenzung, ob die Anämie von chronischen Erkrankungen im Alter oder von Eisenmangel verursacht ist, geht dabei über die Bestimmung des für die Eisenspeicherung verantwortlichen Eiweißstoffes Ferritin. Ein Drittel der Anämien im Alter ist ernährungsbedingt, z.B. durch den Mangel des in tierischen Eiweißen enthaltenen Vitamins B12 oder der in Blattgemüse und Getreide vorkommenden Folsäure.

 

Vitamin D3 ist entscheidend

„Eine besonders wichtige Bedeutung für die Vitalität des älteren Menschen kommt dem Vitamin D3 zu“, betont Bertsch. Es wird im Körper chemisch modifiziert und stimuliert dann den Einbau von Kalzium in den Knochen, unterstützt die Zelldifferenzierung und steigert die Muskelkraft. Ein D3-Mangel begünstigt daher die Entstehung einer Osteoporose und erhöht damit nicht nur die Knochenbruchrate, sondern auch über die nachlassende Muskelkraft die Sturzhäufigkeit.

Das Vitamin D3 wird mit Hilfe des Sonnenlichts in der Haut gebildet und es wird ebenfalls aus der Nahrung aufgenommen z.B. aus fetthaltigem Fisch wie Lachs und Hering. „Die Fähigkeit der Haut, mit Hilfe des Sonnenlichts Vitamin D3 zu synthetisieren, nimmt jedoch mit zunehmenden Alter ab“, erläutert Heppner. Er verweist auf Studien, die nachgewiesen haben, dass eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin D die Knochenfrakturrate und auch die Sterblichkeit deutlich gesenkt hat.

Für Geriatrie-Chefarzt Sieber ist dieser Vitaminwert „ein frühzeitiger Marker für Gebrechlichkeit“. Seiner Meinung nach müsste „die Bestimmung des 25-OH-D3 Serumspiegels, als Indikator der Vitamin D3-Versorgung, bei Menschen über 50 Jahren zu jedem regelmäßigen Gesundheitscheck dazugehören“. Das gleiche gilt für Schilddrüsenhormone, und je nach Symptomatik für die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron oder auch verschiedene Entzündungsparameter.

Die Arbeit eröffne, so Sieber, neue Wege in der Diagnose und liefere neue Erkenntnisse, wie und warum Frailty entsteht. Sie betone auch die wichtige Verzahnung wischen Labor- und Altersmedizin. Aus Laborergebnissen könne man nun „auf das Vorliegen von Gebrechlichkeit oder auf eine mögliche Gefährdung schließen und entsprechende Maßnahmen ergreifen”.       

Mehr zum Thema Geriatrie finden Sie auf der Internetseite der Klinik für Geriatrie.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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