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Chemotherapie - Von der Erhaltung der Lebensqualität bis zur Heilung

Aus der modernen Krebstherapie ist die Chemotherapie nicht mehr weg zu denken. Sie gehört neben der Operation, der Bestrahlung und der Immuntherapie zu den klassischen Säulen der Behandlung von bösartigen Tumorerkrankungen.

„Weil wir heute über eine ganze Palette von Medikamenten verfügen, die nicht nur die klassischen Zytostatika sondern auch Stoffwechselhemmer und Immuntherapeutika beinhalten, können wir Krebserkrankungen sehr differenziert behandeln“, betont Prof. Dr. Martin Wilhelm, Chefarzt der Onkologie im Klinikum Nürnberg. Das ist auch notwendig, denn jeder Patient und jede Krebsart – es gibt über 300 verschiedene Arten – bedarf einer sehr individuellen Therapie.

Ziel einer Chemotherapie ist es, die Tumorzellen am unkontrollierten Teilen zu hindern. Doch es gibt verschiedene Wege, dieses Ziel zu erreichen. „Wir haben Substanzen, die die Erbinformation der Tumorzellen zerstören, andere behindern die Verdopplung der Erbsubstanz und damit die Zellteilung, wieder andere greifen direkt in den Stoffwechsel der Tumorzelle ein und beeinträchtigen so deren Wachstum“, erläutert der Chefarzt.

Wirkungsvoll: Auch im Ambulanten BehandlungsCentrums (ABC) im Klinikum Nord werden in der Onkologie/Hämatologie Chemotherapien verabreicht, hier Nina Hochstädter, medizinische Fachangestellte im ABC.
 

„Es gibt jedoch keine Wirkung ohne Nebenwirkung“, fügt Wilhelm hinzu. Was Tumorzellen schädigt, greift auch andere Zellen an, vor allem solche, die sich ähnlich schnell teilen wie Tumorzellen. Dazu gehören die Schleimhautzellen im Verdauungstrakt, die Haarwurzelzellen oder die Blutzellen.

Deshalb gehören auch Haarausfall, Durchfälle oder eine Verschlechterung der Blutwerte zu den gängigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. „Meist bekommen wir die Nebenwirkungen aber gut in den Griff. So ist z. B. die gefürchtete Übelkeit nur noch bei sehr wenigen Patienten ein größeres Problem“, betont Wilhelm. „Die große Erfahrung aufgrund der hohen Patientenzahlen im Klinikum Nord ist da ein enormer Vorteil.“

Entscheidend ist für den Chefarzt, vor jeder Behandlung zusammen mit dem Patienten das Ziel festzulegen. Verfolgt die Therapie einen heilenden Ansatz, dann kann es notwendig sein, für kurze Zeit auch mehr Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Bei einem palliativen Ansatz steht jedoch die Erhaltung der Lebensqualität im Vordergrund. „Wir suchen immer nach der Therapie, die für den einzelnen Patienten in seiner aktuellen Situation am besten ist“, betont Wilhelm und verweist auf das wöchentliche Tumorboard im Klinikum Nord. Dort diskutieren Ärzte der unterschiedlichsten Fachdisziplinen das weitere Vorgehen hinsichtlich Diagnostik und Therapie.

Längst geht es bei der Krebstherapie nicht mehr um Chemotherapie oder Operation oder um Chemotherapie oder Bestrahlung. „Meist erzielt eine Kombination unterschiedlicher Methoden die besten Ergebnisse“ erläutert Wilhelm. Bei Metastasen in der Leber helfen Zytostatika als Vorbereitung einer Operation, bei Enddarmkarzinomen können sie dagegen die Wirkung der Strahlentherapie verstärken.

Große Erfolge hat die Chemotherapie bei Erkrankungen wie z. B. Lymphdrüsen-, Blut- oder Hodenkrebs auch in fortgeschrittenen Stadien. Die Heilungsraten liegen bei diesen Krebsarten heute je nach individueller Situation zwischen 30 und 90 Prozent. Bei vielen Organtumoren wie z.B. bei Dickdarm- oder Brustkrebs kann, auch wenn schon Metastasen aufgetreten sind, durch den Einsatz der Chemotherapie das Tumorwachstum gestoppt oder deutlich verlangsamt werden und dadurch die Lebensqualität lange erhalten bleiben.

Angesichts der vielen Erfolge der Chemotherapie, die der erfahrene Onkologe in seiner Klinik beobachten kann, bringen ihn so manche Presseartikel in Rage, die die Chemotherapie als „Giftcocktail“ oder „chemische Keule“ in Misskredit bringen. Wilhelm ärgert sich schon allein über die Verwendung des Begriffs „Chemie“ in diesem Zusammenhang: „Die stärksten Gifte bringt nämlich die Natur hervor und die Hälfte aller Zytostatika sind Naturprodukte.“

Diese werden gewonnen beispielsweise aus der Rinde der Eibe, aus Seescheiden, das sind im Meer lebende wirbellose Manteltiere, aus Pilzen oder aus Zimmerpflanzen wie der Vinca Rosea, die man unter dem Namen Madagaskar-Immergrün kennt.

Wilhelm findet solche Presseberichte unverantwortlich: „Sie machen unnötig Angst, denn alles in allem stehen die Chancen bei Krebs heute besser, als viele glauben.

Mehr zum Thema finden Sie auf der Internetseite der Klinik für Onkologie.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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