Schmerztherapie - Zweimal täglich Schmerzvisite
Wer fürchtet sich nicht vor den Schmerzen nach einem chirurgischen Eingriff – egal, ob es sich dabei um einen kleinen handchirurgischen Eingriff handelt oder um eine große Bauchoperation? Irgendwann, mag sich der Patient denken, lässt das Narkosemittel nach, und die Schmerzen sind da.
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„Natürlich treten nach einer Operation Schmerzen auf“, das weiß auch Dr. Dirk Risack, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, und ausgewiesener Schmerzexperte. Doch fürchten muss sich im Klinikum Nürnberg kein Patient vor dem postoperativen Schmerz. Dafür sorgt ein ausgeklügeltes Schmerzmanagement. „Wir können die Schmerzen zwar nicht immer völlig beseitigen, aber wir können dafür sorgen, dass sie erträglich sind und der Patient nicht allzu sehr darunter leidet“, betont Risack. Für ihn ist ein gutes postoperatives Schmerzmanagement keine Frage der Dosierung, sondern zu allererst eine organisatorische Aufgabe. Dafür werden die Patienten ständig gezielt überwacht. Bei Bedarf erhalten sie rasch die richtigen Schmerzmedikamente in ausreichender Menge. |
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Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelte die Anästhesie gemeinsam mit den chirurgischen Fächern ein Konzept, das jeden Patienten nach der OP erreicht. Damit erhält jeder Patient im Klinikum eine individuell auf ihn abgestimmte postoperative Schmerzbehandlung. So übernehmen z.B. nach kleineren Eingriffen an der Schilddrüse, nach Kniespiegelungen oder bei Knochenbrüchen die Ärzte und Pflegekräfte der Station die Schmerzmittelgabe nach vereinbarten Behandlungsstandards. Erweist sich diese Schmerzbehandlung als unzureichend, dann greifen die Schmerzexperten der Anästhesiologie an den beiden Standorten Nord und Süd ein.
In der Regel jedoch kommen diese erst bei größeren und großen Eingriffen ins Spiel, beispielsweise nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks oder nach einer großen Bauch-OP. Da bei diesen Eingriffen mit starken Schmerzen gerechnet werden muss, wird schon vorab nichts dem Zufall überlassen. Narkose und postoperative Schmerztherapie sind von Anfang an eng miteinander verknüpft. So werden heute vor größeren Eingriffen im Bauchraum meistens so genannte Periduralkatheter gelegt, über die während wie auch nach der Operation die vom Rückenmark abgehenden Nerven des Bauchraums betäubt werden können.
Die in der postoperativen Schmerztherapie eingesetzten Geräte und Medikamente variieren dabei je nach Eingriff und Schmerzen. So können Katheter, über die kontinuierlich Schmerzmittel gegeben werden, von einer Schmerzpumpe ergänzt werden. Über die Pumpe kann der Patient sich bei Bedarf eine zusätzliche Dosis an Schmerzmitteln geben. „Eine Überdosierung ist dabei nicht möglich, da die Gesamtdosis begrenzt ist“, erläutert Risack.
Seit Herbst 2009 wird die ärztliche Schmerzvisite am Nachmittag von der Morgenvisite der Pain Nurse, einer auf Schmerztherapie spezialisierten Pflegekraft, ergänzt. Damit kann die Schmerztherapie engmaschig an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Die Patienten wissen es zu schätzen. „Sie sind erleichtert, wenn ich sie schon am Morgen frage, wie ihre Nacht war“, berichtet Brigitte Dollinger. Die Anästhesiefachpflegekraft und Pain Nurse nimmt sich immer Zeit für ein kurzes Gespräch. Sie weiß: „Angst verstärkt die Schmerzen nur.“
Schmerzen könne man nicht nur mit einer höheren Dosis an Schmerzmittel begegnen. Deshalb ist es ihr auch wichtig zu wissen, ob die Patienten ängstlich oder aufgewühlt sind. „Wenn die Patienten die schmerzverstärkende Wirkung der Angst begreifen, verliert der Schmerz an Bedeutung und nimmt häufig deutlich ab.“, erklärt Dollinger. Und noch eine Beobachtung macht sie: Mit jedem noch so kleinem Stück an Selbstständigkeit, das sich die Patienten nach der OP zurückerobern, werden die Schmerzen weniger.Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Autorin/Autor: Doris Strahler
