Lungentumorzentrum - Leitlinie sichert gute Diagnostik und Therapie
Im Februar 2010 wurde erstmalig eine interdisziplinäre so genannte S3-Leitlinie zum Lungenkarzinom veröffentlicht. Der Veröffentlichung unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft gingen intensive Vorarbeiten voraus, an der knapp 100 Lungenkrebsspezialisten aus ganz Deutschland beteiligt waren. Einer davon war Prof. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie im Klinikum.
"Eine S3-Leitlinie stellt hohe Anforderungen“, erklärt Ficker. So werden alle relevanten Studien zum Lungenkarzinom gesichtet und beurteilt. „Aus dieser Bewertung werden nach und nach konkrete Behandlungsempfehlungen erarbeitet, die über die Fachgrenzen hinaus für alle Ärzte richtungsweisend sind.“ Die Leitlinie umfasst dabei alle Bereiche der Prävention und Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Nachsorge sowie unterstützende Therapieansätze und Palliativmedizin.
Ficker koordinierte dabei den Bereich Prävention und Früherkennung. „Wir haben z.B. alle Verfahren, die die Früherkennung verbessern könnten, auf ihren Nutzen hin überprüft“, erläutert Ficker. So gebe es Fortschritte in der Therapie, aber immer noch werde Lungenkrebs erst spät oder nur zufällig entdeckt. Doch regelmäßige Röntgenuntersuchungen der Lunge zur Früherkennung, so das Fazit der Studiengruppe, sind keine Alternative: Der Nutzen sei gering, die Strahlenbelastung dagegen hoch.
Dr. Markus Horneber, Leiter der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie der Deutschen Krebshilfe an der Klinik für Onkologie im Klinikum, hat die Empfehlungen zur Komplementärmedizin beigetragen. „Viele Krebspatienten fragen gezielt nach ergänzenden oder alternativen Behandlungen und hoffen auf verlässliche Informationen.“ Deshalb sei es wichtig, dass der behandelnde Arzt kompetent mit den Fragen der Patienten umgehe.
Die Empfehlungen geben den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln, Pflanzenextrakten, Entspannungsverfahren, körperlichem Training und ähnlichen Verfahren wieder. Ziel der Empfehlungen ist es, die Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung zu stärken und Schäden durch unerwünschte Nebenwirkungen zu verhindern.
Doch eine Leitlinie nützt den Patienten nur, wenn sie auch umgesetzt wird. „Viele Empfehlungen können nur in großen Tumorzentren umgesetzt werden, wo die Experten aller Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten“, weiß der Chefarzt. So treffen sich im Lungentumorzentrum die Spezialisten des Klinikums Woche für Woche zur Fallbesprechung im Lungentumorboard.Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des Lungentumorzentrums
Autorin/Autor: Doris Srahler
