Klinikum-Kinderakademie - Kraftwerk Muskelkraft
Seltsam – zum Lachen sind ganze 17 Muskeln in Bewegung, zum Runzeln der Stirn dagegen 40. Die insgesamt 90 Mädchen und Jungs zwischen sieben und zwölf Jahren, die zum kliki-Tag der Klinikum-Kinderakademie in den Osterferien ins Klinikum Süd kamen, staunten nicht schlecht über solche Zahlen.
|
„Über 200 Knochen, 100 Gelenke und genau 656 Muskeln sorgen dafür, dass wir uns bewegen können: beim Fußball oder Theater spielen, beim Schlittschuhlaufen oder beim Weitsprung“, erläutert Prof. Helfried Gröbe im Rahmen seiner halbstündigen Vorlesung. Anschaulich unterstützt wurde der ehemalige Chefarzt der Kinderklinik dabei von einem lebensgroßen Skelett. Schon bei der Mini-Vorlesung stellte es sich heraus, dass die Nachwuchsforscher bereits ganz schön viel wissen. Zum Beispiel dass es neben Scharnier- und Kugelgelenken auch noch ein so genanntes Sattelgelenk z.B. beim Daumen gibt. Oder dass der Kaumuskel der stärkste Muskel ist. Oder dass ein Muskelkater auf kleinste Verletzungen in den Muskelfasern zurückgeht. Dass aber die Knochen nur etwa zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts ausmachen und damit der Hinweis auf „schwere Knochen“ nur eine faule Ausrede bei Übergewicht sei, hätten sie dagegen nicht gedacht. |
|
Dermaßen gut vorbereitet auf die Welt der Knochen, Muskeln, Sehnen und Nervenzellen begaben sich die kliki-Teilnehmer nach der Kurzvorlesung zu den vier Stationen, um selbst Hand anzulegen oder Dinge auszuprobieren. Im Gymnastiksaal der Physikalischen Medizin ging es unter Anleitung der Kinderorthopädin Dr. Andrea Riehmer an Geräte, die die Muskelkraft in Armen und Beinen, aber auch die Geschicklichkeit trainieren. Auf dem Laufband merkten die Kinder, dass eine doch sehr langsam klingende Geschwindigkeit wie 18 Kilometer in der Stunde erst einmal gelaufen werden will.
Bei der zweiten Station stand der Knochenbruch im Mittelpunkt. Dabei merkten sie bei Privatdozentin Dr. Stefanie Simon schnell, dass das Gipsen auch seine Tücken hat. Richtig herum müssen die Binden um das Handgelenk gehen und faltenfrei soll es obendrein sein. Spannend wurde es, als die Assistenzärztin Dr. Birgit Hülße zeigte, wie man einen künstlichen, aber sehr echt aussehenden Knochen anbohrt und mittels zweier durch das Knochenmark geschobener Titanschienen stabilisiert. Antonia, Maximilian und Jan-Lucas probierten die Wirkung der Schienen dann gleich am Modellknochen aus.
Rund um die Füße drehte sich die dritte kliki-Station. Bei Orthopädie-Techniker Bernhard Ott vom Sanitätshaus Riedel & Pfeuffer konnten die Kinder vorsichtig in ein kleines Schaumstoffbett in einem Karton steigen und so Abdrücke ihrer Füße machen. „Mann, habe ich große Latschen“, entfuhr es dem einen oder anderen Nachwuchsforscher. Anschließend gab Prof. Gröbe Entwarnung, denn keines der Kinder hatte einen Plattfuß. Danach wurden die Füße eingescannt. Anhand der Bilder kann man deutlich sehen, ob man richtig auf den Füßen steht oder einseitig belastet. Gröbe riet den Kindern, öfters Mal barfuß zu laufen und nur Schuhe zu tragen, die groß genug und bequem sind. Bei zu kleinen oder zu engen Schuhen leiden über kurz oder lang die Zehengelenke.
An der letzten Station ging es um „Ausdauer und Puls“. Kinderkrankenschwester Heike Eiselt-Ruckhaber stellte ein Fahrrad-Ergometer so ein, dass eine Fahrt über unterschiedlich hohe Berge simuliert wurde. Eindrücklich spürten Lisa-Maria, Alise oder Rafael beim Strampeln in der Ebene und im steilen Anstieg, wie eng Muskelkraft und Ausdauer, Kalorienverbrauch und Pulsschlag zusammenhängen. Schnell liefen die Gesichter angesichts der Anstrengung rot an, doch keiner wollte bei einer Steigung kapitulieren.
Zum Abschluss gab es neben Urkunde und Skript einen Aufkleber in das Studienbuch der Nürnberger KinderUNI. Der nächste kli-ki-Tag findet in den Herbstferien statt.
Weitere Informationen unter www.kli-ki.de.
Autorin/Autor: Bernd Siegler
