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Katastrophenhilfe - Mobiles Krankenhaus am Fußballplatz

Am 12. Januar bebte in Haiti die Erde. Am 13. Januar klingelte das Telefon von Ann-Christine Schulz. Am 15. Januar war sie am Flughafen in Berlin. Am 16. Januar landete das Flugzeug im Nachbarland, der Dominikanischen Republik.

Nach einer achtstündigen Busfahrt traf sie zusammen mit ihren Kollegen als erstes Helferteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Inselhauptstadt Port au Prince ein. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet die 30-Jährige, die in ihrem normalen Leben als Krankenpflegerin in der Klinik für Onkologie, Station für Knochenmarktransplantation, arbeitet.

„Als wir ankamen gab es nichts mehr, keine Polizei, keine Regierung, keine Krankenhäuser, in die Verletzte gebracht werden konnten, nichts zu essen. Es gab kein Räumgerät, um nach Verschütteten zu suchen oder Trümmer wegzuräumen. Nicht einmal die Toten in den Straßen wurden weggebracht“, erinnert sie sich an den Beginn ihres sechswöchigen Aufenthalts. War Haiti schon vor dem Beben eines der ärmsten Länder der Welt mit hoher Kriminalitätsrate und unzureichender Infrastruktur, ist die Not der Menschen durch das Beben noch größer geworden.

Ann-Christine Schulz (re),  Krankenpflegerin in der Onkologie des Klinikums, bei ihrem Einsatz in Haiti
 

Schon am Tag nach der Ankunft begann – in Zusammenarbeit mit dem haitianischen Roten Kreuz und Rot-Kreuz-Teams aus aller Welt – der Aufbau einer Gesundheits-Basisstation zur ambulanten Versorgung. Doch schnell war klar, dass eine Basisstation nicht ausreicht. Ein komplettes Krankenhaus musste her. Für das DRK kein Problem, lagert doch am Flughafen Schönefeld in Berlin ein komplettes Kreiskrankenhaus verpackt in unzählige Kisten und Container, die nur noch verladen werden müssen.

Rund vier Wochen dauert der Aufbau des kompletten Krankenhauses für 150 Patienten, das über ein OP-Zelt mit Sterilisation, eine Intensivstation, eine Mutter-Kind-Station, ein Labor und sogar ein Röntgengerät verfügt. Eine Wasseraufbereitungsanlage liefert täglich 50.000 Liter Trinkwasser, und auch ein eigener Stromgenerator ist vorhanden. Platz fand das mobile Krankenhaus auf dem Fußballfeld von Carrefour, einem Ort ganz in der Nähe der Hauptstadt.

„Angesichts der Not um uns herum konnten wir allerdings nicht warten, bis das letzte Zelt stand“, berichtet Schulz. In der Regel werden immer zuerst die beiden Ambulanzen sowie die Administration zur Patientenregistrierung aufgebaut, damit so schnell wie möglich die ersten Patienten behandelt werden können.

Doch diesmal kam es anders - notgedrungen. „Auf der Fahrt zum Markt in Port au Prince stieß ich auf einen Mann, der blutüberströmt, von mehreren Kugel getroffen am Boden lag. Niemand kümmerte sich um ihn“, erinnert sich Schulz. Noch während sie und der Fahrer den Verletzten ins Auto stemmten, brachten aufgeregte Haitianer einen zweiten Mann mit Schussverletzungen.

Unterdessen bereitete man sich im mobilen Krankenhaus in Carrefour auf die beiden überraschenden Notfallpatienten vor. Nur 20 Minuten blieben den Helfern zum Aufbau des Operationssaales. Die deutschen Fernseh-Zuschauer konnten ihnen bei der Arbeit zusehen, war doch zur gleichen Zeit ein Kamerateam des ZDF vor Ort.

So spektakulär ist der Einsatz jedoch nicht immer. Schulz kümmert sich zumeist um die Administration. Sie zahlt Löhne aus, erstellt Arbeitsverträge, kauft das Essen für das gesamte Helferteam ein, kümmert sich um die Organisation der Patientenregistrierung sowie die gesamte Buchführung, hält den Kontakt zu Behörden und anderen Katastrophenteams vor Ort. „Wir stellen von Anfang an einheimische Helfer an: Krankenschwestern und Ärzte, Fahrer und Dolmetscher, Elektriker und Menschen, die bei den schweren Arbeiten zupacken. Denn das Krankenhaus soll so schnell wie möglich von einheimischen Einrichtungen übernommen werden.“

Für Schulz war Haiti nicht der erste DRK-Einsatz in einem Katastrophengebiet. 2006 war sie nach einem schweren Erdbeben in Pakistan, 2007 nach dem Tsunami in Sri Lanka und 2008 in China, wieder nach einem Erdbeben. Und sie zählt deutschlandweit zu den Helfern, die sofort aufbrechen können. „Dafür bin ich dem Klinikum Nürnberg und meinen Kolleginnen sehr dankbar“, sagt Schulz. Schließlich springen die Kolleginnen ein, wenn Schulz in anderen Ländern Menschen in Not hilft.

Die Helfer verlassen das Land irgendwann wieder. Das mobile Krankenhaus bleibt, und auch die Schäden am Fußballfeld werden wieder ausgebessert. Zur Finanzierung des neuen Rasens nach dem Abbau des Krankenhauses trug ein Trikot-Tausch bei: Rot-Kreuz-Shirts gegen die Trikots der örtlichen Fußballmannschaft. Die haitianischen Trikots wurden in Deutschland versteigert. Nach der Regenzeit kann der Ball in Carrefour wieder rollen.        

 

Weitere Informationen zur Haiti-Hilfe des DRK im Internet unter www.drk.de

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen

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