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Transfusionsmedizin - Keine Angst vor Blutkonserven

Nach einem Autounfall wird eine 30-jährige Frau nachts mit schweren inneren Blutungen ins Klinikum Nürnberg Süd gebracht. Eine Notoperation steht an, jede Menge Blutkonserven werden gebraucht. Kein Problem, schließlich ist die Transfusionsmedizin des Zentrallaboratoriums des Klinikums an beiden Standorten im Norden und Süden der Stadt an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt.

Mit der Ausgabe von 25.000 Blutkonserven, genauer gesagt Konzentraten roter Blutkörperchen, rund 12.000 Plasmakonserven und über 3.000 Thrombozyten-Konzentraten ist es eines der größten Institute Deutschlands.

„Ohne uns könnte hier keiner das Skalpell setzen“, sagt Dr. Hermann Jochem nicht ohne Stolz. Der Oberarzt und Bereichsleiter der Transfusionsmedizin des Instituts für Klinische Chemie, Laboratoriums- und Transfusionsmedizin weiß, dass ohne Blutkonserven der moderne Krankenhausbetrieb zum Erliegen kommen würde. „Schwerverletzte, bei denen wir bis zu 150 Blutkomponenten benötigen, sind keine Seltenheit“, berichtet er. Gut gekühlt lagern daher im Blutdepot des Klinikums Nord 630 und im Süden weitere 370 Konzentrate á 220 Milliliter voller roter Blutkörperchen.

Großes Depot
 

Kommt es aufgrund der Häufung von Schwerverletzten zu Engpässen, hilft die Blutbank des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BSD/BRK) aus. „Wir haben die einzigartige Situation“, so Jochem, „dass wir mit dem im Klinikum Nord benachbarten Blutspendedienst des BRK direkt zusammenarbeiten und die transfusionsmedizinischen Dienste mit gemeinsamen Personal bestreiten. Diese enge Zusammenarbeit und räumliche Nähe sichert die Versorgung bei Engpässen, da das BSD/BRK- Institut Nürnberg auch auf die Konservendepots der Schwesterinstitute in ganz Bayern zugreifen kann.“ Per Taxi oder mit Blaulichtfahrzeugen des BRK werden die dringend benötigten Blutkonserven dann angeliefert.

Die weit verbreitete Angst vor dem roten „Saft“, der Leben retten kann, versteht Jochem nicht. Das Risiko sich durch eine Blutkonserve mit HIV oder Hepatitis zu infizieren, liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Deutschland unter 1:4,5 Millionen. Gerade zu Zeiten der HIV-Hysterie, galten Blutkonserven als riskant, viele Menschen ließen sich daher vor Operationen eigenes Blut abnehmen. „Das Blut wird heute so gut getestet, dass die Angst vor einer Infektion mit HIV-1 oder Hepatitis C fast irrational ist“, betont Jochem. „Die Wahrscheinlichkeit auf dem Weg zur Eigenblutspende einen tödlichen Unfall zu erleiden, ist weit höher, als sich durch eine Bluttransfusion zu infizieren“, schildert Jochem plastisch.

Bevor jedoch eine Blutkonserve zum Einsatz kommt, muss ihre Verträglichkeit getestet werden. Dies geschieht mit einer Kreuzprobe, deren Ergebnis nach 45 Minuten vorliegt. „Oft eine quälend lange Zeit“, weiß Gisa Silz, die seit 31 Jahren in der Transfusionsmedizin als Medizinisch-Technische-Laborassistentin arbeitet. Schließlich kommt es gerade bei Notfällen auf jede Minute an. Ist keine Zeit für eine solche Testung, transfundieren die Ärzte zunächst Erythrozytenkonzentrate der Blutgruppe Null und dem Rhesusfaktor Negativ und verzichten notfalls auf die vorherige Testung. Kreuzprobe und der so genannte Antikörpersuchtest werden dann nachgeholt, und das Ergebnis dem OP telefonisch mitgeteilt.

Fällt die Kreuzprobe negativ aus, liegen also keine so genannten irregulären Antikörper vor, dann wird die Konserve zur Transfusion freigegeben. Ist sie positiv, müssen die Antikörper identifiziert und die Konserven ausgetestet werden. Dies kann im Einzelfall bei mehreren Antikörpern bis zu fünf Stunden dauern, bis verträgliche Erythrozytenkonzentrate gefunden werden. Eine aufwändige Prozedur also, für die Gesundheit des Patienten jedoch unerlässlich. Schlimmstenfalls kann es bei einer Fehltransfusion zum tödlichen Nierenversagen kommen. Jährlich werden in der Transfusionsmedizin des Klinikums 75.000 Kreuzproben durchgeführt, in 2.500 Fällen muss nach Antikörpern geforscht werden. „Das ist richtige Detektivarbeit im Ausschlussverfahren“, weiß Silz aus langjähriger Erfahrung.

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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