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Radiologie - Neuer Zwei-Ebenen-Angiograf

Die 61-jährige Patientin war schon bewusstlos, als sie in die Klinik kam. In ihrem Kopf war ein Aneurysma, die Aussackung eines Blutgefäßes, geplatzt. In einem vierstündigen Notfalleingriff verschloss die Chefärztin des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Klinikum Süd, Dr. Ingrid Bär, und ihr Team die Aussackung und verhinderte so eine weitere Blutung. Es war der zweite interventionelle Eingriff wegen eines Gehirnaneurysmas an diesem Tag.

Beide Patienten profitierten dabei von dem neuen Zwei-Ebenen-Angiografen, der seit Januar 2010 im Klinikum Nürnberg Süd im Einsatz ist. Das ca. 1,2 Millionen Euro teure Gerät löste das bisherige, inzwischen 16 Jahre alte Gerät ab. „Aber es ist nicht einfach ein Austausch von Geräten, sondern ein großer Schritt nach vorn“, meint die Chefärztin. Denn der neue Zwei-Ebenen-Angiograf ist mit seinem Vorgänger kaum noch zu vergleichen.

Technisch hat das Gerät enorm aufgerüstet. „Die Bildqualität ist hervorragend“, so Bär. Die durchleuchteten Blutgefäße werden auf dem Bildschirm gestochen scharf und – dank der nun möglichen Rotationsangiografie – dreidimensional wiedergegeben. Das umfassende Software-Paket erlaubt zudem die Überlagerung der Aufnahmen von Computer- und Magnetresonanztomografie sowie Angiografie. Jeder dieser Bausteine erleichtert den Ärzten sowohl die Beurteilung der Gefäßläsion wie auch die minimal-invasive, interventionelle Therapie bei Gefäßerkrankungen. „Die Eingriffe werden damit für den Patienten noch sicherer“, betont die Chefärztin.

Radiologie-Chefärztin Dr. Ingrid Bär am neuen Zwei-Ebenen-Angiograph
 

Vor allem Patienten mit einem Aneurysma im Gehirn oder Gefäßmissbildungen profitieren von dem neuen Gerät. „Gerade für diese Patienten brauchen wir einen Zwei-Ebenen-Angiografen, der uns neben präzisen Bildern auch eine räumliche Vorstellung von den Gefäßen und ihrer Umgebung vermittelt“, so Bär. Denn die hauchdünnen Katheter müssen zielgenau über die Arterie in der Leiste bis hin zum Aneurysma geführt werden, ohne umliegendes Gewebe im Gehirn zu schädigen.

Bis zu 80 Prozent der Patienten mit einem Gehirnaneurysma werden heute minimal-invasiv mittels eines interventionellen Eingriffs behandelt. Doch mit der Verödung der Gefäßaussackung ist die Gefährdung der Patienten noch nicht zu Ende. Das Risiko, anschließend einen Schlaganfall zu erleiden oder doch noch an den Folgen der Blutung zu sterben, ist sehr hoch. „Eine Entwarnung kann erst nach etwa zehn Tagen gegeben werden“, weiß Bär. Daher arbeiten die drei Fachdisziplinen Neuroradiologie, Neurochirurgie und Neurologie bei Diagnose und Therapie eng zusammen.

Im Sommer 2008 war bereits der Ein-Ebenen-Angiograf erneuert worden. Von beiden Angiografen und ihrer exzellenten Bildqualität profitieren alle Patienten mit Gefäßerkrankungen im Klinikum Süd. Zu 60 Prozent werden die zwei Geräte zur Diagnostik von Gefäßerkrankungen eingesetzt, zu 40 Prozent bei interventionellen Eingriffen an den Gefäßen. Dank der „gepulsten“ Durchleuchtung – die Strahlung wird dabei immer wieder für Bruchteile von Sekunden ausgesetzt – sinkt die Strahlenbelastung für die Patienten deutlich.

Radiologie

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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