Psychosomatik - Unbewusste Körpervorgänge beeinflussen
Stress schlägt nicht selten auf den Magen, verändert die Atmung, lässt das Herz schneller schlagen oder macht schweißnasse Hände – das kennt jeder. Wenn daraus ein Dauerzustand wird, dann werden die Betroffenen krank. Da wäre es gut, wenn man solche Körperfunktionen wie Hauttemperatur und -leitfähigkeit, Atemtiefe und -frequenz, Muskelanspannung oder Herzfrequenz, die doch landläufig als vom Willen nicht beeinflussbar gelten, gezielt steuern könnte. Man kann, sagt Andrea Eisenberg, Oberärztin in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
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„Mit dem Biofeedback haben wir eine Methode an der Hand, nicht nur unbewusste Körperfunktionen bewusst zu machen, sondern auch zu lernen, diese gezielt zu beeinflussen“, erläutert die Oberärztin. Sie bezieht sich auf eine wissenschaftlich fundierte Methode, bei der Herzschlag, Blutdruck, Hauttemperatur oder Atmung in sichtbare Signale umgesetzt werden. Dies geschieht beim Biofeedback mit Hilfe eines Sensors, der auf die Spitze des Ringfingers aufgesetzt wird und z. B. Hautleitfähigkeit oder -temperatur erfasst, mit Elektroden, die die Muskelanspannung z.B. im Schulter-Nacken-Bereich registrieren, und einem Sensor, der Tiefe und Frequenz der Atmung misst. „Der Patient sieht die Signale seines Körpers grafisch dargestellt auf einem Bildschirm und nimmt sie dadurch bewusst wahr“, erläutert Eisenberg. Die erste Sitzung dient in der Regel dem „Aha-Effekt“. |
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Dies geschieht mit einem speziellen Diagnostikprogramm, um zunächst die individuelle Stressreaktion zu ermitteln. Dabei wird unterbrochen von Entspannungsphasen über Kopfrechenaufgaben, Lärm, nervende Geräusche oder die Vorstellung von belastenden Situationen Stress erzeugt. Die entsprechenden körperlichen Veränderungen werden dann am Bildschirm sichtbar gemacht. Je mehr ein Patient auf die Stressoren mit Schweiß, Verspannung, Beschleunigung von Atmung und Puls reagiert, desto größer sind die Ausschläge auf dem Bildschirm.„Das Eis für das Verständnis von Psychosomatik, also des Zusammenwirkens von Seele und Körper, ist damit oft gebrochen“, berichtet Eisenberg die Wirkung beim Patienten. Ist dies geschehen, ist der Weg frei zu lernen, wie solche körperlichen Vorgänge gezielt zu beeinflussen sind. „Man kann sogar lernen“, so die Oberärztin, „ wie man die Kapillaren, also die kleinen Blutgefäße in den Fingerspitzen, erweitern und damit die Hauttemperatur verändern kann.“ Dadurch komme der Patient in eine aktive Rolle. „Er kann etwas verändern, und die Messgeräte machen das sichtbar.“
Solches Lernen ist wichtig, um den Stressfaktoren die Wirkung zu nehmen. „Im Mittelpunkt der Psychosomatik steht das Stressmanagement, also der Umgang mit dem Stress“, erläutert Eisenberg. Wer also vorher bei wichtigen Gesprächen immer unter eiskalten Hände gelitten hatte, kann nach entsprechendem Training die Temperatur in den Händen erhöhen und damit den inneren Stresspegel senken.
In der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie wird Biofeedback in Zusammenhang mit anderen Therapien bei Patienten angewandt, die unter körperlichen Beschwerden leiden wie Verdauungsproblemen, Herz-, Kreislaufbeschwerden, Atemstörungen oder Verspannungen, ohne dass diese sich auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Wer aber gelernt habe, so die Oberärztin, seine Körpervorgänge gezielt zu beeinflussen, habe „bereits einen großen Schritt in Richtung eines veränderten Umgangs mit Stress getan.“Autorin/Autor: Bernd Siegler
