Auslandseinsatz - Chirurgische Hilfe in Nepal
„Es ist enorm befriedigend zu sehen, wie man mit relativ geringen Mitteln den Patienten sehr effektiv helfen kann.“ Regelmäßig opfert Dr. Reiner Sievers, Oberarzt in der Plastischen Chirurgie im Klinikum Nürnberg Süd, drei Wochen seines Jahresurlaubs, um in Nepal Menschen zu helfen, die dringend medizinische Betreuung brauchen. Fast täglich operierte der Chirurg zuletzt im November letzten Jahres im UMN Missions Krankenhaus in der 15.000 Einwohner zählenden Stadt Tansen, rund zehn Autostunden von der Hauptstadt Kathmandu entfernt.
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Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Jedes fünfte Kind vor dem sechsten Lebensjahr stirbt und viele Menschen müssen tagelang beschwerlich reisen, bis sie ein Krankenhaus erreichen, in dem es dann oft keine Ärzte oder Medikamente zur Behandlung ihrer Krankheit gibt. Sievers kennt diese Situation, schließlich lebte er vier Jahre mit seiner Frau und den zwei Kindern in dem Land am Fuße des Himalayas und arbeitete im Krankenhaus von Tansen. Die Landessprache Nepali spricht er fließend. Einmal pro Jahr hilft er seitdem in dem Hospital aus, das für die ländliche Region als eine der wenigen Verbrennungskliniken eine große Bedeutung hat. Gerade Brandverletzungen sind in Nepal ein großes Problem. Es wird viel an offenen Feuerstellen oder auf brüchigen Kerosinkochern gekocht. Kinder spielen unbeaufsichtigt und fallen ins Feuer, nicht selten fangen die weiten Saris der Frauen Feuer und das oft synthetische Gewebe frisst sich in die Haut ein. „Es gilt, flächige und tiefe Verbrennungen gut zu versorgen, nicht nur um entstellende Narben zu verhindern, sondern auch um schwere Entzündungen zu vermeiden“, erläutert Sievers. |
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Neben der Versorgung von Brandwunden ist der Arzt aus Deutschland auch bei anderen allgemein- und unfallchirurgischen sowie kleineren plastisch chirurgischen Eingriffen gefragt. So rettete er einem 31-jährigen Mann den Oberarm. Der war vom Dach so unglücklich auf den Ellbogen gefallen, dass er normalerweise hätte amputiert werden müssen. Ein Gefäßersatz konnte dies jedoch verhindern. Auch einem neunjährigen Jungen konnte er eine Amputation ersparen. Der hatte mit dem Gewehr seines Vaters gespielt, und sich eine große Schusswunde an der Wade zugezogen. Der Knochen war defekt, eine Bedeckung mit einem Wadenlappen war notwendig. „Es ist glücklicherweise alles gut verlaufen, der Vater hat sich auch rührend um seinen Sohn gekümmert“, freut sich Sievers.
Gerade Amputationen zerstören im Nepal in der Regel die Zukunft der Menschen. Umso wichtiger ist es, sie zu vermeiden. Auf erstklassig ausgestattete Operationssäle und neueste Medizintechnik sowie innovative Medikamente, wie er sie im Klinikum gewohnt ist, muss Sievers dabei verzichten. „Es ist eine Herausforderung, aber es geht“, berichtet er. „Wenn ich dann wieder zurück bin und im Klinikum operiere, bin ich dankbar für die Technik, die man im Alltag eigentlich gar nicht mehr wahrnimmt, und für viele fachkompetente Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich austauschen kann.“
Deshalb würde der Plastische Chirurg jedem Arzt zu einem Einsatz in der so genannten Dritten Welt raten, um diese Erfahrung zu machen. „Allein schon die enorme Dankbarkeit der Menschen zu erleben, ist es Wert, sich darauf einzulassen.“ Um eine kontinuierliche Hilfe für die Menschen in Nepal zu schaffen, hofft Sievers, dass regelmäßig Nürnberger Ärzte und auch Pflegende den Weg in das UMN Missions Hospital in Tansen finden.
Der Fürther Verein Nehemia-Team organisiert die Hilfe für das Krankenhaus in Nepal und bittet um Spenden: Nehemia Team, Sparkasse Fürth (76250000), Kontonummer 38007218, Stichwort Nepal.
Autorin/Autor: Bernd Siegler
