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Klinik für Kinder und Jugendliche - Wenn die kindliche Seele Schaden erlitten hat

Die neunjährige Lisa ist vom Fahrrad gestürzt, direkt auf den Kopf. Körperlich gesehen fehlt ihr nichts. Doch seitdem klagt sie über chronische Kopfschmerzen und in die Schule will sie auch nicht mehr gehen. So wie Lisa geht es vielen Kindern und Jugendlichen. Physisch betrachtet sind sie gesund, doch seelisch leiden sie weiter.

Hilfe finden sie nun in einer neuen psychosomatischen Station im Klinikum Nürnberg Süd, die von der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Klinik für Kinder und Jugendliche gemeinsam betreut wird. Dort unterstützt sie ein Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Erziehern und Ergotherapeuten, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Psychologische Betreuung und Beratung gab es in der Kinderklinik schon immer, doch auf der neuen Station mit elf Betten können nun Kinder, die psychisch oder psychosomatisch unter Unfällen, schweren Brandverletzungen oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes leiden, intensiver betreut werden. Und nicht nur die Kinder und Jugendlichen. „Wir beziehen die Geschwister und die Eltern mit ein“, betont Dr. Viktor Herlitz, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Nürnberg.

Neue Station: Vorstand Dr. Alfred Estelmann und die Chefärzte Dr. Viktor Herlitz sowie Prof. Jan-Holger Schiffmann
 

Herlitz kennt viele Fälle, wo Kinder und Jugendliche beispielsweise nach einem Unfall physisch betrachtet wieder vollkommen gesund sind, aber mit Depressionen, Angstzuständen, Zwangserkrankungen, Schulphobie oder chronischen Schmerzzuständen reagieren. Eine depressive Reaktion kann sich dabei bei Kindern ganz unterschiedlich äußern. „Sie ziehen sich zurück, sind antriebsarm und kommen nicht mehr in die Gänge, sind traurig und weinen viel, klagen über Bauch- oder Kopfschmerzen, können sich nicht mehr konzentrieren und fallen in ihren schulischen Leistungen ab oder nässen wieder ein“, zählt Herlitz auf.

Am Anfang der Therapie steht das Verstehen der Erkrankung. „Die Betroffenen und ihre Familien müssen“, so der Chefarzt, „die Erkrankung annehmen, dann müssen sie eine Perspektive bekommen und wieder handlungsfähig werden.“ Ein langwieriger Prozess: Durchschnittlich werden die kleinen Patienten 40 Tage auf der neuen Station verbringen.

„Bisher hatten wir für solche Kinder kein stationäres Angebot und mussten sie nach Hause entlassen“, freut sich Prof. Jan-Holger Schiffmann, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche, über das neue Angebot. Er spricht von einer „deutlichen Erweiterung des Behandlungsspektrums“. Ein großer Vorteil sei zudem der „niedrigschwellige Einstieg“ in eine notwendige psychotherapeutische Behandlung. Werden die Kinder bereits im Klinikum in der Kinderklinik behandelt, falle es ihnen und ihren Eltern leichter, sich in der vertrauten Umgebung weiter behandeln zu lassen.

Mit der neuen Station schließt das Klinikum, so Klinikum-Vorstand Dr. Alfred Estelmann, eine „Versorgungslücke vor allem für Kinder aus dem Südosten Nürnbergs und dem angrenzenden Landkreis“, zumal die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Nord stets ausgebucht sei. Da heute etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen als psychisch auffällig gelten, hofft Estelmann in Kürze im Klinikum Süd eine Ambulanz und eine Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnen zu können.          

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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