Intensiv- und Anästhesiepflege - 40 Jahre Qualifizierung
Vor über 1.000 Jahren war es ein spezieller Schlaftrunk, dann kamen Äther und Lachgas, um bei medizinischen Eingriffen das Schmerzempfinden auszuschalten. Heute stehen bei Operationen unterschiedlichste Narkose- und Überwachungstechniken zur Verfügung.
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Dieser medizinische Fortschritt veränderte auch das Aufgabengebiet der Pflege in Intensivmedizin und Anästhesie. Um dem Rechnung zu tragen, gibt es im Klinikum Nürnberg seit über 40 Jahren die Weiterbildung für Krankenschwestern und – pfleger in der Intensivpflege und Anästhesie. „Neben dem Universitätsklinikum Mainz war 1969 das Klinikum Nürnberg das erste Krankenhaus im deutschsprachigen Raum mit einer solchen Qualifizierungsmaßnahme“, berichtet Hedwig Kranabetter, die die Weiterbildung im Centrum für Kommunikation, Information und Bildung (cekib) zusammen mit Gudrun Kotschenreuther betreut. Aus einer chirurgischen Wachstation mit 25 Betten von damals sind im Lauf der Jahre sieben Intensivstationen geworden, aus einer wurden zwei hoch spezialisierte Anäthesieabteilungen.
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Annähernd 1.200 Mitarbeiter des Klinikums durchliefen bis heute die Weiterbildung „Intensivpflege und Anästhesie“. Anfangs dauerte sie nur ein Jahr, umfasste nur 140 Stunden, und im Mittelpunkt standen die Vermittlung von technischen Fertigkeiten sowie die Bedienung von Überwachungsgeräten. Heute umfasst die Qualifizierungsmaßnahme 800 Stunden, dauert zwei Jahre, und das Ziel wurde im Einklang mit der deutschen Krankenhausgesellschaft erweitert: „Der Mensch in lebensbedrohlichen Situationen soll gesehen und auch bei zunehmender Technisierung individuell betreut werden“, erläutert Kotschenreuther.Zum Arbeitsgebiet der Pflegenden in diesem Bereich gehört demnach neben technischem Know-how auch die Fähigkeit, komplexe Problemstellungen zu bewältigen. „Schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen erwarten zudem von den Pflegenden Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein“, ergänzt Kranabetter. Sie hatte 1979 die Weiterbildung abgeschlossen – zusammen mit Max Gegenfurtner, der seit 30 Jahren im Klinikum auf der toxikologischen Intensivstation als Krankenpfleger arbeitet.
Der 58-Jährige erlebte die Veränderungen in seinem Arbeitsbereich hautnah: „War es früher eine Frage des persönlichen Engagements, ob und wie man mit Bewusstlosen kommunizierte, lernt man dies heute.“ Auch der Umgang mit Angehörigen habe einen sehr viel höheren Stellenwert: „Damals dauerte die Besuchszeit maximal zehn Minuten, heute ist sie durchgehend von 15 bis 19 Uhr.“
Britta Gehring hat die Weiterbildung soeben im März abgeschlossen. Die 28-jährige erlebt die Intensivstation als „immer wieder spannend“. Gerade angesichts der sich ständig weiter entwickelnden Technik lerne man nie aus, und der Vorteil der Weiterbildung sei „die absolute Praxisnähe“.
„Die Technik und die Übernahme ärztlicher Aufgaben waren und sind der Motor dieser Qualifizierung“, betont Kranabetter, „im Mittelpunkt bleibt aber immer der Mensch.“ So fließen neue Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft kontinuierlich in die Lehrpläne ein. Auch Veränderungen in der Praxis wie beispielsweise die Einrichtung von Intermediate Care-Stationen (IMC) als Bindeglied zwischen Intensiv- und Normalstation wirken sich auf den Kurs aus. Im nächsten Lehrgang, der im Oktober 2010 beginnt, wird die Qualifizierung zur Tätigkeit auf einer IMC-Station erstmals in Kombination mit der Weiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege angeboten.
Mehr Informationen zur Weiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege unter www.cekib.de, bei Hedwig Kranabetter unter Tel. (0911) 398-3348 und Gudrun Kotschenreuther unter Tel. (0911) 398-3794.
Autorin/Autor: Bernd Siegler
