Navigation überspringen|
Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2010 >> Ausgabe 2 >> Gefäßchirurgie - Gefährliche Erweiterungen in der Hauptschlagader

Gefäßchirurgie - Gefährliche Erweiterungen in der Hauptschlagader

Der Patient war 70 Jahre alt. Fünf Stunden dauerte die lebensrettende Operation. Der Mann aus Portugal litt an einer sackartigen Gefäßerweiterung der Hauptschlagader, die vom Bauchraum bis in den Brustkorb reicht, einem so genannten thorako-abdominellen Aortenaneurysma. „Eine lebensgefährliche Situation“, sagt Dr. Eric Verhoeven, Chefarzt der Gefäßchirurgie. Denn große Aneurysmen können jederzeit reißen. Dann geht es von einer Sekunde auf die andere um Leben und Tod. Viele Patienten, bei denen ein Aortenaneurysma plötzlich reißt, sterben noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Um diesen plötzlichen Riss zu verhindern, werden Patienten mit einer ausgedehnten Gefäßerweiterung in der Hauptschlagader sicherheitshalber operiert. Bei einem langwierigen Eingriff wird ihnen eine künstliche Stützwand in die Aorta eingesetzt, die die gesamte Gefäßwand im Bereich des Aneurysmas auskleidet. Danach läuft das Blut innerhalb dieser künstlichen Gefäßwand, was einen Riss der Hauptschlagader verhindert. Je ausgedehnter die Erweiterung ist, desto aufwändiger und belastender ist der Eingriff. „Gerade ältere Patienten mit einem Aortenaneurysma in Bauch- und Brustraum können wir oft nicht mehr bei einem offenen Eingriff operieren“, erklärt der Chefarzt.

So war es auch bei dem Mann aus Portugal. Er war schon einmal wegen des Aneurysmas im Bauchraum operiert worden. Doch nun hatte sich die gefährliche Gefäßerweiterung auch noch auf den Brustraum ausgedehnt. Noch dazu schwächte ihn eine schwere Lungenerkrankung. Ein offener Eingriff kam daher nicht in Frage. „Das hätte er nicht überlebt“, ist sich Verhoeven sicher. Ein schwieriger Eingriff stand also an. Daher machte sich der 70-Jährige auf den weiten Weg von Portugal nach Nürnberg. Denn hier arbeitet mit Verhoeven einer der führenden Spezialisten Europas auf dem Gebiet der endovaskulären Gefäßchirurgie.

Gefäßchirurgie
 

Verhoeven leitete lange Jahre das Gefäßchirurgische Zentrum der Uniklinik Groningen in den Niederlanden und entwickelte in den letzten Jahren ein Verfahren, mit dessen Hilfe selbst ausgedehnte Aneurysmen in Bauch- und Brustraum endovaskulär, d.h. mit Hilfe der Schlüssellochchirurgie, operiert werden können.

 

Schonender Eingriff

Bei der meist mehrstündigen, über die Leistenarterie geführten Operation bauen Verhoeven und sein OP-Team Stück für Stück eine künstliche Gefäßwand in der Hauptschlagader auf – vom Bauchraum bis hinauf in den Brustraum. Zusätzlich werden die abgehenden Gefäße durch eigene Seitenäste gestützt, um die Blutversorgung lebenswichtiger Organe wie z.B. der Nieren sicher zu stellen. „Damit können wir nun endlich auch Patienten operieren, für die ein offener Eingriff zu belastend wäre“, betont Verhoeven.

In den letzten fünf Jahren hat der international renommierte Gefäßchirurg über 250 dieser komplexen Eingriffe durchgeführt, davon allein 15 in den letzten drei Monaten hier in Nürnberg. Zudem unterweist er Gefäßchirurgen aus der ganzen Welt in der Handhabung dieses endovaskulären Verfahrens. Dank der Pionierarbeit von Gefäßchirurgen wie Verhoeven haben sich die Überlebenschancen vor allem der älteren Patienten mit ausgedehnten Aortenaneurysmen in den letzten Jahren enorm verbessert. So konnte der 70-jährige Portugiese das Klinikum bereits nach acht Tagen wieder verlassen.

Da Aneurysmen nur selten Beschwerden verursachen, werden sie meistens erst spät oder nur zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Symptome wie Atembeschwerden oder Husten treten, wenn überhaupt, erst spät auf. Die Ursachen für solche Gefäßerweiterungen sind weitgehend unbekannt, es wird jedoch eine genetische Veranlagung vermutet. Wichtige Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Übergewicht und Arterienverkalkung. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, da Aneurysmen über Jahre hinweg immer größer und damit auch gefährlicher werden.    

Weitere Informationen über Gefäßchirurgie erhalten Sie auf der Internet-Seite der Klinik für Gefäßchirurgie

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen

Übersicht

Aktuelles

Unternehmen

Bildung

Partner

Service