Plastische Chirurgie - Einsatz von EPO bei Verbrennungen?
Die Radfahrer Erik Zabel, Iban Mayo oder Bjarne Riis haben es bei der Tour de France genommen, wahrscheinlich auch Lance Armstrong und Jan Ullrich, aber auch bei Leichtathleten, Wintersportlern, Gewichthebern oder Boxern wurde es schon nachgewiesen – Erythroprotein oder kurz EPO genannt. Dass dieses körpereigene Hormon nicht nur im Doping eine große Rolle spielt, sonderrn auch sehr positive Auswirkungen im menschlichen Organismus haben kann, ist nur den Wenigsten bekannt.
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Derzeit ist die Klinik für Plastische Chirurgie im Klinikum Nürnberg an einer groß angelegten Studie beteiligt, um die positiven Auswirkungen von EPO auf die Hautregeneration von Schwerbrandverletzten zu untersuchen. Eigentlich ist EPO ein biotechnologisch hergestelltes Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen fördert. Lange Jahre kam EPO fast ausschließlich bei der Behandlung von Blutarmut bei Dialysepatienten zum Einsatz, bei denen die Blutbildung infolge eines Nierenversagens gestört ist. Doch dann entdeckte man die leistungssteigernde Wirkung von EPO, da es die Sauerstoffaufnahme des Blutes erhöht. Seit 1990 steht die Substanz auf der Dopingliste der Internationalen Anti-Doping-Organisation |
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Seit einigen Jahren weiß man aber auch, dass EPO die Reaktionen des Körpers auf akute und chronische Gewebeschädigungen beeinflusst. „Es wirkt entzündungshemmend und unterstützt die Hautneubildung nach Verbrennungen“, berichtet Dr. Reiner Sievers, Oberarzt in der Plastischen Chirurgie. In der Klinik koordiniert er eine groß angelegte Studie, an der sechs deutsche Zentren für Schwerbrandverletzte teilnehmen, weitere sechs werden sich noch anschließen.In der Klinik koordiniert er eine groß angelegte Studie, an der sechs deutsche Zentren für Schwerbrandverletzte teilnehmen, weitere sechs werden sich noch anschließen. Die Untersuchung ist eine der größten Arzneimittelstudien in der Chirurgie und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Sie soll nun die Frage klären, ob EPO wirklich geeignet ist, Schwerbrandverletzten zu helfen. Die Erfahrung aus den hohen Fallzahlen des Zentrums für Schwerbrandverletzte der Plastischen Chirurgie des Klinikums, das zu den größten deutschen Zentren zur Behandlung von Verbrennungsopfern zählt, soll in die aktuelle Studie einfließen.
„Um schwerste Infektionen zu vermeiden, die bis zur Blutvergiftung und damit auch bis zum Tod führen können, transplantieren wir bei tiefen Brandwunden so genannte Spalthaut auf die betroffenen Areale, nachdem die hochgradig verbrannte Haut entfernt wurde“, erläutert Sievers. Diese etwa 0,2 bis 0,3 Millimeter dünne Hautschicht wird in der Regel vom Oberschenkel des Patienten entnommen und transplantiert.
Genau diese Entnahmestellen liegen im Fokus der Studie, denn sie stellen quasi eine standardisierte Verbrennungswunde dar. „Wir beobachten nun genau, ob die Gabe von EPO die Hautregeneration an der Entnahmestelle beschleunigt“, schildert Sievers das Hauptziel der Studie.
24 Tage lang erheben dann Dr. Martina Kaiser, Dr. Katrin Merz und Dr. Daniel Fuge täglich Laborwerte und entnehmen in größeren Intervallen Hautproben. Dies wird in regelmäßigen Abständen bis zu einem Jahr nach der Entlassung wiederholt. Die Patienten werden dabei genauestens untersucht und beobachtet. „Dabei wollen wir natürlich kein Risiko für unsere Patienten eingehen und hoffen auf einen Fortschritt in der Behandlung von Verbrennungspatienten in der Zukunft“, betont Sievers.
Obwohl die Studie erst 2012 abgeschlossen sein wird, rechnet der Oberarzt schon jetzt mit einem Nachweis der positiven Wirkung von EPO auf die Hautregeneration. Trotzdem bleibt es für ihn spannend: „Es ist schon eine besondere Herausforderung, neben dem klinischen Alltag an einer besseren medizinischen Versorgung in der Zukunft mitarbeiten zu können.“Autorin/Autor: Bernd Siegler
