Harnblasenkrebs - Ersatzblase aus Darmanteilen
Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 25.000 Menschen neu an Harnblasenkrebs. Wichtigste Risikofaktoren dafür sind der Tabakkonsum sowie der Kontakt mit bestimmten chemischen Substanzen. Im Verdacht stehen auch einige Haarfärbemittel. Ein erster Hinweis auf einen Blasenkrebs kann Blut im Urin sein. „Deshalb sollte man auch kleinste Blutspuren im Urin sehr ernst nehmen“, erläutert Prof. Christian Bornhof, Chefarzt der Urologie im Klinikum.
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Im Jahr werden dort über 300 Blasenkrebsoperationen durchgeführt und ca. 30 Blasen wegen Blasenkrebs entfernt. „Dies ist der Fall, wenn der Tumor tief in die Blasenmuskulatur eingebrochen ist“, erläutert Bornhof. In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich aber um kleine und oberflächliche Tumore. Sie können häufig mittels eines endoskopischen Eingriffs vollständig entfernt werden, bei dem mit einer elektrischen Schlinge der Tumor Schicht für Schicht abgetragen wird. Dabei setzt die Urologie auf neueste Technik: Zum Einsatz kommt die so genannte bipolare Resektionstechnik, ein Verfahren, das die Blasenwand schont. Sichtbar gemacht werden auch die kleinsten Tumore unter der Fluoreszenz-Zystoskopie, ein Bildgebungsverfahren, das die Urologie nun schon seit zwei Jahren erfolgreich in der Diagnostik einsetzt. |
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Bringt auch ein Nachhobeln nicht das erwünschte Ergebnis, muss die gesamte Blase operativ entfernt werden. Das entfernte Gewebe wird sofort in der Pathologie des Klinikums untersucht. Ob der gesamte Tumor beseitigt wurde, oder sich noch Resttumoren im umgebenden Gewebe befinden, entscheiden die Pathologen noch während der OP. „Je nach Ausbreitung des Tumors und nach Allgemeinzustand bieten wir unseren Patienten mehrere Möglichkeiten an“, berichtet Bornhof. Die mit einer achtstündigen Operation aufwändigste Therapie ist die Bildung einer Ersatzblase, die direkt an die Harnröhre angeschlossen wird. Dafür entnimmt ein OP-Team der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie ein 70 Zentimeter langes Darmstück. Die urologischen Chirurgen konstruieren daraus eine Blase und schließen sie an die Harnröhre an.
Ist auch die Harnröhre vom Tumor betroffen, braucht der Patient einen künstlichen Ausgang. Dazu kann die künstliche Blase aus Darmanteilen, auch Pouch genannt, zum Nabel ausgeleitet werden. „Wir sprechen dann von einem trockenen Stoma, der Patient muss etwa drei- bis viermal am Tag per Katheter den Harn ableiten“, berichtet Bornhof. Ist eine Pouch-Anlage nicht möglich, bleibt nur die so genannte „nasse Harnableitung“. Dabei wird der Harn über einen künstlichen Ausgang zur Haut herausgeleitet und in einem Beutel aufgefangen, der vom Patienten entleert werden muss.
Da Blasentumore dazu neigen, wieder zu kommen, folgt nach dem Eingriff oft eine medikamentöse Therapie. „Als wirksamstes Medikament gegen solche Rezidive hat sich Bacillus Calmette-Guérin herausgestellt, ursprünglich ein Impfstoff gegen TBC“, berichtet der Chefarzt. Unterstützend dazu wirken Cranberry-Saft, eine vitaminreiche Kost und vor allem eine hohe Flüssigkeitszufuhr, um den pH-Wert des Urins abzusenken. „Auf jeden Fall sollte man die regelmäßigen Nachuntersuchungen beim Urologen wahrnehmen“, betont Bornhof. Besteht die Gefahr, dass der Tumor schon gestreut hat, kommen Chemotherapie und Bestrahlung zum Einsatz.
Um sich über Prävention, unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, ein möglichst frühzeitiges Erkennen eines wiederholten Auftretens oder über den Umgang mit einer Ersatzblase bzw. einem künstlichen Ausgang auszutauschen, hat sich eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Blasenkrebs gegründet. Sie trifft sich alle zwei Monate im Klinikum Nürnberg Nord.
Interessierte melden sich bei Moni Hollweck, der Leiterin der Selbsthilfegruppe, unter Telefon: (09101) 997706. Das nächste Treffen im Klinikum findet am 18. Mai um 16.30 Uhr statt.
Autorin/Autor: Bernd Siegler
