Apotheke - Individuelle Lösungen für Kinder
Frühchen sind empfindlich. In ihren ersten Lebensmonaten müssen sie in ihrer gesunden Entwicklung medizinisch massiv unterstützt werden. Vor allem für die ganz Kleinen unter ihnen, die extremen Frühchen mit einem Geburtsgewicht von 300 Gramm, gibt es keine Standardlösungen. Nicht einmal bei der Ernährung.
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Für sie werden in der klinikumseigenen Apotheke täglich individuelle Ernährungsbeutel hergestellt. Dabei ist die Apotheke ganz nah am Geschehen, da sie eine kleine Zweigstelle direkt in den Räumen der Kinderklinik unterhält. Die Fachapothekerin für klinische Pharmazie, Martina von Stockhausen, und die Pharmazeutisch-technische Assistentin, Hilda Schwarzer, sorgen dafür, dass es den kleinen Schützlingen auf den Stationen der Kinderklinik an nichts fehlt. Die Nähe zur Klinik ist der Apothekerin wichtig: „Der Kontakt mit den Kinderärzten ist sehr eng. Und notfalls kann ich mir auch das kranke Kind ansehen.“
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Jeden Tag, unmittelbar nach der Morgenvisite, gehen die Bestellungen in der Apotheke ein. Denn täglich wird die Zusammenstellung der Ernährungslösungen neu festgelegt: ihr Gehalt an Glukose, Aminosäuren, Elektrolyten, Fett sowie das benötigte Flüssigkeitsvolumen. Doch nicht nur die Frühgeborenen zählen zum „Kundenkreis“ der Zweigstelle. Sie stellt auch individuelle Ernährungsbeutel für Kinder und Jugendliche her, die z.B. an entzündlichen Darmkrankheiten wie Morbus Crohn leiden. Insgesamt werden rund 2.500 Beutel an individuellen Ernährungslösungen im Jahr hergestellt.Daneben produziert die Apotheke noch kindgerechte Standardernährungsbeutel und eine Kochsalzlösung. So sind Kochsalzlösungen für Erwachsene viel zu konzentriert für Frühgeborene. Statt 0,9 Prozent Kochsalz enthält die Lösung für Frühgeborene lediglich 0,45 Prozent. Weil aber Kinder für die großen Pharmafirmen eine zu kleine Zielgruppe sind, wird der Markt von Produkten für Erwachsene beherrscht.
„Die industrielle Herstellung von Produkten für Kinder lohnt sich für sie oft nicht“, erklärt von Stockhausen. Im Klinikum dagegen werden selbst kleine Mengen speziell für Kinder kostengünstig hergestellt. Für die fachgerechte Produktion wurde der Reinraum der Zweigstelle im letzten Jahr entsprechend den EU-Richtlinien für GMP (Good Manufacturing Practice) umgebaut.
Ein ähnliches Problem gibt es bei den Medikamenten, von denen viele mangels wissenschaftlicher Prüfung nicht für Kinder zugelassen sind. In vielen Fällen recherchiert von Stockhausen zusammen mit den Ärzten, ob und in welcher Dosierung ein Medikament bei Kindern eingesetzt werden darf. Dazu werden wissenschaftliche Studien durchgesehen, nach klinischen Erfahrungsberichten gesucht, mögliche Neben- und Wechselwirkungen hinterfragt.Autorin/Autor: Doris Strahler
