Klinikum-Vorstand - "Die Vorteile müssen für den Patienten spürbarer werden"
Auch im Jahr 2009 behandelten Ärzte und Pflegende im Klinikum Nürnberg wieder mehr Patienten als ein Jahr zuvor. In welche Richtung sich das Klinikum als großes kommunales Krankenhaus der maximalen Leistungsstufe weiter entwickeln will, erläutert Dr. Alfred Estelmann, Vorstand des Klinikums Nürnberg.
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Wohin will das Klinikum in den nächsten fünf Jahren? Dr. Alfred Estelmann: Wir wollen erste Adresse für die Bevölkerung sein, wenn es um Gesundheitsprobleme geht, die einer stationären Behandlung bedürfen. Unser Ziel ist es darüber hinaus, dass jede unserer einzelnen Kliniken jeweils zu den ersten drei führenden Kliniken der Metropolregion Nürnberg gehört. Wir wollen erreichen, dass die Patienten in Zukunft nicht nur zu uns kommen, weil sie das aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung und unserer Fachkompetenz als Maximalversorger auf allen medizinischen Gebieten müssen. Wir wollen es schaffen, dass die Patienten zu uns kommen, auch wenn sie aufgrund ihres Krankheitsbildes noch Alternativen in der Region hätten. Wir wollen also, dass sich die Menschen ganz bewusst für das Klinikum Nürnberg entscheiden. Auch bei nicht so schweren Erkrankungen ist es immer gut, die Sicherheit eines Krankenhauses hinter sich zu haben, das alle Fachrichtungen vorhält und aufgrund hoher Patientenzahlen über eine große Erfahrung verfügt. Wie soll dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden? Wir halten schon einige Trümpfe in der Hand. Schon jetzt haben wir einen Vorsprung gegenüber anderen Krankenhäusern, was den Zimmerkomfort betrifft. Bis auf die wenigen Stationen in den Altbauten im Klinikum Nord, die in zwei Jahren zum großen Teil in das Dr. Theo Schöller-Haus umziehen, haben wir auf allen Stationen Ein- und Zweibett-Zimmer mit je einer Nasszelle pro Bett. Patientenumfragen zeigen schon heute, dass wir in Punkto Sauberkeit sehr gut abschneiden. Die Patienten bei uns werden zudem von hoch kompetente Pflegenden betreut. 98,5 Prozent unserer Pflegekräfte haben die dreijährige Ausbildung absolviert. Das bietet kein anderes Plankrankenhaus in der Region. |
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Im Klinikum Nürnberg finden die Patienten die medizinische Kompetenz eines Maximalversorgers, wir haben alle Fachdisziplinen und verfügen über neueste Medizintechnik. Wir müssen jetzt nur Wege finden, dass diese Vorteile für die Patienten deutlich sichtbar und spürbar werden. Dazu zählt auch die Wertschätzung, mit der wir den Patienten entgegentreten.
In den letzten Jahren war es Strategie des Klinikums, Zentren für Krankheitsbilder zu errichten. Geht es in diese Richtung weiter?
Ja, weil es richtig und für die Patienten von Vorteil ist, wenn die ärztliche und pflegerische Kompetenz zum Patienten kommt und nicht umgekehrt. Nur so können wir für den Patienten zügige Abläufe gewährleisten und Informationsverluste vermeiden. Das, was beispielsweise das Perinatalzentrum und das Brustzentrum dem Patienten anbieten, kann sich sehen lassen. Nach diesen Vorbildern formen wir jetzt ein Mutter-Kind-Zentrum. Geburtshilfe, Kinderklinik und Kinderchirurgie sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeiten dort Hand in Hand. Die Wege für Vater, Mutter und Kind werden nochmals kürzer.
Das Herz-Kreislauf-Zentrum, das angesichts der sehr engen Zusammenarbeit von Kardiologie, Herzchirurgie und Gefäßchirurgie schon Realität ist, wird nun auch räumlich im Erweiterungsgebäude vor dem Klinikum Süd als Zentrum sichtbar. Das gleiche gilt für das Zentrum für Altersmedizin, wenn im Jahr 2012 das Dr. Theo Schöller-Haus im Klinikum Nord bezugsfertig ist.
Andere Häuser schaffen ein Onkologisches Zentrum. Wann bündelt das Klinikum seine umfassende Kompetenz in der Behandlung von Krebserkrankungen?
Mit sieben zertifizierten Organzentren und dem Onkologischen Zentrum haben wir jetzt schon die höchste Dichte an zertifizierten Krebseinrichtungen im Großraum. In unserem Krebszentrum arbeiten sieben spezialisierte Tumorboards, also Konferenzen, in denen Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen eine auf den Patienten individuell zugeschnittene Therapie erarbeiten. Im Umfeld dieser Tumorboards werden wir nicht nur die Kompetenzen stärker vernetzen, sondern auch die diagnostischen Möglichkeiten erweitern. Im Frühjahr wird im Klinikum ein neues Positronen-Emissions-Tomografiegerät (PET) mit integriertem Computertomografen (CT) in Betrieb gehen, das mit der geringsten Strahlendosis, die ein solcher Gerätetyp aufweist, arbeitet.
Kleinere Krankenhäuser schneiden, was die Zufriedenheit der Patienten angeht, immer besser ab als größere. Warum eigentlich?
Das ist einfach nachzuvollziehen, solange es um planbare medizinische Behandlungen geht. Patienten schätzen das Überschaubare, das Planbare und das Persönlichere. Kleinere Häuser kommen aber sehr schnell in Schwierigkeiten, wenn es um Notfälle geht, bei denen mehrere Fachdisziplinen beteiligt sein müssen. Da sind große Häuser wie das Klinikum im Vorteil. Das wird oft aber nur dann vom Patienten positiv erlebt und honoriert, wenn diese Zusammenarbeit ohne Wartezeitung und Reibungsverluste vonstattengeht.
Wie aussagekräftig sind denn Rangfolgen von Kliniken auf der Basis von Patientenbefragungen?
Eine vom Patienten subjektiv wahrgenommene Betreuungsqualität ist immer aussagekräftig. Dabei darf aber die medizinische Ergebnisqualität nicht vergessen werden. Das betrifft die Frage, ob man das, was medizinisch erreichbar ist und was man erreichen wollte, auch tatsächlich erreicht hat. Gerade die Ergebnisqualität ist aber angesichts der kurzen Verweildauer der Patienten nur schwer messbar. Da diese Qualität in den Rangfolgen keine Rolle spielt, ist die Aussagekraft eines solchen Rankings begrenzt.
Das betrifft übrigens auch die Frage der Notfallmedizin. In Häusern, die keine Notfallversorgung rund um die Uhr anbieten, gibt es ganz einfach keine Patienten, die man dazu befragen kann. Also bleibt dort der wichtige Bereich der nächtlichen Notfallversorgung bei solchen Erhebungen außen vor.
Sollten hohe oder gar steigende Patientenzahlen bei diesen Rangfolgen eine Rolle spielen?
Hohe Patientenzahlen sind auf jeden Fall ein Vertrauensbeweis, ein Vertrauensbeweis der einweisenden Ärzte, der Rettungsdienste aber auch jedes einzelnen Patienten. Hohe Fallzahlen sprechen zudem für eine medizinische Erfahrung, die dem Patienten zugutekommt – im Sinne einer großen Sicherheit und einer Behandlung auf dem aktuellen Wissensstand.
So wie es aussieht, haben wir 2009 rund vier Prozent mehr Patienten behandelt als im Jahr zuvor. Solche Zuwächse sind eine Herausforderung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch eine wirtschaftliche Belastung, weil wir diese Mehrleistungen nur zum Teil vergütet bekommen.
2008 startete das Klinikum Nürnberg zusammen mit zehn anderen kommunalen Krankenhäusern eine Kampagne für eine leistungsgerechte Vergütung der Krankenhausleistungen. Hat diese Kampagne etwas erreicht?
Das Bewusstsein für die Probleme vor allem der großen Krankenhäuser wurde auf jeden Fall geschärft. Die Bundesregierung legte daraufhin ein Pflegesonderprogramm auf, um zusätzliche Pflegestellen zu finanzieren. Leider war dieses Programm so ausgelegt, dass davon überwiegend Häuser profitieren, die in den letzten Jahren massiv in der Pflege abgebaut haben. Krankenhäuser, die wie das Klinikum Nürnberg entgegen dem Trend bei der Pflege nicht abgebaut oder gar aufgestockt haben, wurden nicht belohnt.
Auch bei den Kostenausreißern, also den komplizierten Fällen, bei deren Behandlung erbrachte Leistungen in fünf- oder sechsstelliger Größenordnung nicht erstattet werden, hat man eine Verbesserung versucht. Dabei stieß man aber sehr schnell an die Grenzen eines Systems, das mit Pauschalen arbeitet. Völlig offen ist nachwievor die adäquate Finanzierung einer umfassenden Notfallversorgung rund um die Uhr und der Facharztausbildung.
Per Volksentscheid verhinderten die Bürger im Landkreis Rottal-Inn den Verkauf von drei kommunalen Krankenhäusern an einen privaten Betreiber. Ist das ein Zeichen dafür, dass dem Bürger bewusst ist, was er an einer Daseinsvorsorge in öffentlicher Hand hat?
Ich bin mir sicher, dass dies der Bürger schon immer weiß, er wird nur zu selten gefragt. In Rottal-Inn hatte sich der Kreisrat zuvor mit deutlicher Mehrheit für einen Verkauf an die Rhön-Klinikum AG ausgesprochen. Die mit 54 Prozent sehr hohe Beteiligung am Volksentscheid zeigt, dass die Menschen die Brisanz des Themas erkannt haben. Dass 89 Prozent gegen den Verkauf an einen privaten Krankenhausträger gestimmt haben, spricht eine deutliche Sprache.
Als das Klinikum Nürnberg die drei Krankenhäuser im Nürnberger Land übernommen hat und damit eine Weiterführung in kommunaler Trägerschaft gesichert wurde, gab es auch eine sehr positive Resonanz. Die Bürger wissen also genau, was sie an einer kommunalen Gesundheitsversorgung haben. Das Votum in Rottal-Inn freut uns. Das deutliche Signal der Bürger ist für uns Ansporn für die Zukunft.Autorin/Autor: Bernd Siegler

