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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2010 >> Ausgabe 1 >> Zentrale Sterilgutversorgung - OP-Set "Knieprothese" - sauber und steril

Zentrale Sterilgutversorgung - OP-Set "Knieprothese" - sauber und steril

Sie stapeln sich in den verschiedenen Sieben: unzählige Zangen, Klemmen, Scheren und Haken, Skalpell- und Lampengriffe, Kabel, Bohrer, Sägen mit verschiedenen Sägeblättern, Schablonen, Hammer und Meißel, Feilen, Prothesen und Schalen. Darunter metallisch glänzende Container. Nazifa Bergold wirft einen prüfenden Blick auf das scheinbare Durcheinander. „Gut vorsortiert“, bemerkt sie sofort fachmännisch und schiebt den Wagen geschwind zum Waschbecken hinüber. Heute ist die Technische Sterilisationsassistentin im „unreinen“ Bereich der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) eingesetzt.

 

Nahezu 200 Instrumente für eine Knieprothese

Hier landen alle Medizinprodukte aus den Operations- und Eingriffsräumen, den Funktionsbereichen und Stationen des Klinikums Süd, die nach ihrer Verwendung wieder aufbereitet werden. Wie dieser Fallwagen, der noch vor 30 Minuten im Zentral-OP stand. Die Chirurgen der Unfall- und Orthopädischen Chirurgie setzten dort einem 57-jährigen Mann eine Knieprothese ein. Eine aufwändige Operation, die viele verschiedene Instrumente braucht, und jedes Instrument muss absolut steril sein.

Der Fallwagen für diesen Eingriff samt seiner verschiedenen OP-Sets umfasst neun Container mit nahezu 200 Instrumenten. „Für jedes Instrument – ob einfache Zange oder umfassendes OP-Set für einen minimal-invasiven Eingriff – gibt es genaue gesetzliche Vorschriften und Richtlinien des Herstellers, wie es zu säubern, zu desinfizieren und zu sterilisieren ist“, erklärt Rolf Haag, Leiter der ZSVA im Klinikum
Unrein: Nazifa Bergold sortiert die Instrumente aus Operations- und Eingriffsräumen, den Funktionsbereichen und den Stationen des Klinikums vor, bevor sie gereinigt werden.
 

Ein enormer Arbeits- und Dokumentationsaufwand also, den seine Mitarbeiter Tag für Tag mit großer Instrumenten- und Materialkenntnis gewissenhaft bewältigen. Erst nach zwei Jahren Einarbeitungszeit und einem Fachkundelehrgang sind die Mitarbeiter voll einsetzbar. „Von heute auf morgen ist keiner unserer Mitarbeiter zu ersetzen“, betont Haag.

Über 10.000 Medizinprodukte sind in der ZSVA inzwischen registriert. Und jedes Jahr werden es mehr. Dazu kommen noch Leihinstrumente, die für besondere Eingriffe bestellt werden. „Fast täglich durchlaufen Leihinstrumente den gesamten Prozess der Aufbereitung“, berichtet Haag. Er lässt kein Leihinstrument in den Operationssaal, das nicht in seiner Abteilung gereinigt, auf seine Funktion hin überprüft und sterilisiert wurde.

Bergold kennt diese Regeln. Daher schaut sie sich die Instrumente, die vor ihr liegen, ganz genau an. Die Scheren liegen vorschriftsmäßig im 90-Grad-Winkel geöffnet, die leuchtend blauen Schalen weisen mit der Öffnung nach unten, keines der Siebe ist überfüllt. Das meiste kann so, wie es ist, in die Reinigungsmaschine.

 

Gewaschen, erhitzt und getrocknet

Das Meiste, aber nicht alles. „Vorher müssen noch alle Instrumente mit Hohlräumen von Hand vorgereinigt werden“, erklärt Bergold. Instrumente, die für die maschinelle Reinigung und Desinfektion nicht zugelassen sind, müssen vollständig von Hand gereinigt und desinfiziert werden.

Ist alles nach Vorschrift sortiert und vorgereinigt, wandern die gefüllten Siebe und leeren Container in die Reinigungsmaschine. Eine Stunde und zehn Minuten werden sie gewaschen, auf über 90 Grad erhitzt und getrocknet. Von sechs Uhr früh bis 22 Uhr abends, an den Wochenenden bis 15 Uhr laufen die Maschinen nahezu ununterbrochen. Nach dem Wasch- und Desinfektionsgang nimmt Mihail Maksimenkov die Siebe heraus – von der anderen Seite. Denn anders als Bergold arbeitet er an diesem Tag im „reinen“ Bereich. Hier gelten strenge Hygienebestimmungen, damit so wenige Keime wie möglich auf die nun schon desinfizierten Instrumente gebracht werden.

Maksimenkov breitet die 200 Teile der OP-Sets auf einem Tisch aus. Anschließend nimmt er ein Stück nach dem anderen in die Hand. Sorgfältig ölt er die beweglichen Teile von Scheren oder Bohrmaschinen und setzt alle Geräte, die für die Reinigung auseinander genommen wurden, gewissenhaft wieder zusammen. Er prüft, ob jedes Instrument auch wirklich einwandfrei funktioniert und ersetzt beschädigte Teile. Schneidet die Schere nicht mehr richtig gut, so wird sie durch ein neues Instrument aus dem Ersatzteillager ersetzt.

Dieses Ersatzteillager birgt Unmengen an Instrumenten, darunter allein 300 verschiedene Arten von Scheren und Schrauben und Bohrer, kleine für die Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, größere für die Orthopädische Chirurgie oder die Neurochirurgie. „Bei uns sieht es ein bisschen aus wie im Baumarkt“, meint Markus Hofmann, der für die ZSVA im Klinikum Süd verantwortlich ist, augenzwinkernd.

So verfügt die Unfall- und Orthopädische Chirurgie über das größte Instrumentenkontingent im Klinikum. Allein 800 verschiedene OP-Sets, von denen bis zu 17 Stück bei einer Operation verwendet werden, entfallen auf diese Klinik. Doch andere Kliniken stehen ihr an Arbeitsaufwand und Komplexität der Instrumente nicht nach. Vor allem die minimal-invasive Chirurgie, egal welcher Fachrichtung, stellt mit ihren komplexen Geräten hohe Anforderungen an die ZSVA.

 

Absolut steril, voll funktionsfähig

Deshalb gibt es Spezialisten wie Maksimenkov für die Unfallchirurgie oder Karin Greif für die Hals-Nasen-Ohren-Klinik. „Jeder Mitarbeiter muss mehrere Bereiche beherrschen“, erklärt Regina Schwarz, die für die ZSVA im Klinikum Nord verantwortlich ist. Darüber hinaus verlangt die Arbeit beharrlich nach Präzision. Schließlich müssen die Geräte bei ihrem Einsatz im Operationssaal absolut steril sein und einwandfrei funktionieren. Halbheiten hätten hier fatale Folgen.

Anschließend geht es ans Packen. Maksimenkov legt alle Instrumente vollständig, sauber und funktionstüchtig in die verschiedenen Container. Dafür gibt es eine 13-seitige Packliste, die jeden Gegenstand auflistet. „Auch vertraute Sets dürfen niemals aus dem Kopf gepackt werden, da  sich ihre Zusammensetzung immer wieder ändert“, erklärt Haag. Daher hakt der Sterilisationsassistent die Packliste gewissenhaft Stück für Stück ab, zuletzt verschließt und versiegelt er die Container.

Die Container werden nun in einer Stunde und 15 Minuten bei 134 Grad sterilisiert. Ausgenommen sind nur jene Teile, die nicht mit Dampf sterilisiert werden dürfen. Für sie steht die einstündige Plasma-Sterilisation oder die elfstündige Ethylenoxid-Sterilisation bereit. Zum Abschluss nimmt Franz Kainz die Container heraus und prüft gewissenhaft, ob alle Siegel verschlossen und der gesamte Sterilisationsvorgang korrekt abgelaufen ist.

Sauber und steril steht das OP-Set danach im Lager der ZSVA – und wartet auf seinen nächsten Einsatz. Nicht lange. Bereits am nächsten Tag um 10 Uhr bringt Adam Szolc den Fallwagen mit den neun OP-Sets hinauf in den Zentral-OP. Eine 66-jährige Frau bekommt eine dringend benötigte Knieprothese.    

  

Desinfiziert ist nicht gleich steril

In der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) des Klinikums Nürnberg werden alle medizinischen Produkte, die für den OP, die Stationen und die Funktionsbereiche wieder aufbereitet werden müssen, gereinigt und desinfiziert, gepflegt und auf ihre Funktion überprüft sowie abschließend sterilisiert.

Dabei ist desinfiziert nicht gleich steril. Zwar sind schon auf desinfizierten Geräten kaum noch Krankheitserreger zu finden, dem Anspruch steril genügen sie damit aber längst noch nicht. Auf einer Million sterilisierter Instrumente darf, so lautet die Definition für steril, nur ein einziger Keim zu finden sein. Bei der Sterilisation wird also auch dem widerstandsfähigsten Keim der Garaus gemacht.

Monat für Monat werden in der ZSVA 70.000 bis 76.000 definierte Produkte sterilisiert. Hinter diesen Zahlen verbergen sich in Folie eingeschweißte Einzelinstrumente, einfache Packkombinationen mit wenigen Instrumenten wie auch arbeitsintensive OP-Sets mit bis zu 200 Einzelinstrumenten. So werden allein im Klinikum Süd im Monat durchschnittlich 4.400 komplexe Sets gereinigt und sterilisiert, bei den Einzelinstrumenten führt das Klinikum Nord mit bis zu 35.000 Stück im Monat.

Seit der Zentralisierung der Sterilgutversorgung 1994 am Standort Süd und 2003 am Standort Nord haben sich die gesetzlichen Vorschriften zum Umgang mit Sterilgut Jahr für Jahr verschärft. Für jedes Instrument und jeden Ablauf gelten strenge gesetzliche Vorschriften sowie Richtlinien des Herstellers, die jederzeit eingehalten und gewissenhaft dokumentiert werden müssen. Schließlich kann man Sterilität ja nicht sehen. Mit der erfolgreichen Zertifizierung durch die LGA Intercert beweist die ZSVA, dass sie alle Anforderungen penibel erfüllt.

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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