Schilddrüse - Oft reicht ein kleiner Schnitt
Vor allem bei Frauen ist er unbeliebt: Der Schnitt am Hals, der zur Entfernung von Knoten in der Schilddrüse oder der gesamten Schilddrüse nötig ist. Doch auch Männer fürchten, dass ihnen eine unschöne Narbe am Hals zurückbleibt. Eine Narbe, die jeder sofort sieht.
Nicht umsonst werben viele Kliniken mit minimal-invasiven Techniken oder gar mit Verfahren, bei denen der Eingriff nicht von vorne, dem kürzesten und unkompliziertesten Weg zur Schilddrüse, sondern vom Nacken, über den Mundboden oder über den Brustkorb geführt wird.
„Teilweise gefährlich“, findet Dr. Ulrich Linnemann, Oberarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie und Spezialist für Schilddrüseneingriffe im Klinikum, einige dieser so genannten „minimal-invasiven“ Techniken, da sie schwerwiegende Komplikationen haben können. So können zum Beispiel nach Eingriffen durch den Mundboden lebensbedrohliche Entzündungen im Mediastinum, dem Mittelfell, in dem alle Brustorgane außer der Lunge eingebettet sind, auftreten.
„Ein unnötiges Risiko“, meint Linnemann. Beim Zugang über den Nacken dagegen werden links und rechts hinter dem Ohr Schnitte von acht bis zehn ZentimeterLänge gesetzt – minimal-invasiv könne man dieses Verfahren nicht mehr nennen.
Dabei hinterlassen viele der modernen Eingriffstechniken am Hals sowieso nur eine sehr kleine Narbe. „Kleine Schnitte sind nach acht bis neun Monaten kaum noch sichtbar“, erklärt Linnemann. Und oft ist nur ein kleiner Schnitt nötig. Im Klinikum Nürnberg werden knapp 40 Prozent der 300 Schilddrüsenoperationen im Jahr über einen kleinen Schnitt durchgeführt. Die Kategorie „minimal-invasiv“ spielt im Denken des Oberarztes jedoch nur eine untergeordnete Rolle. „Die Schnittlänge variiert nach den medizinischen Anforderungen und wird bei jedem Eingriff der Größe des Knotens genau angepasst.“ So können kleine Knoten über einen winzigen Schnitt entfernt werden.
Muss jedoch eine sehr große Schilddrüse entfernt werden, dann ist es mit einem kleinen Schnitt nicht mehr getan. „Bei Verdacht auf bösartige Tumore sollte die Schilddrüse keinesfalls in mehreren kleineren Portionen entfernt werden. Das Risiko, dass Tumorgewebe im Körper zurückbleibt, ist einfach zu groß“, betont Linnemann. Dann geht Sicherheit vor Schönheit. Ihm kommt es dabei vor allem darauf an, dass schon während des Eingriffs eine Schnellschnittanalyse der Knoten aus der Pathologie vorliegt. Dies könne nur ein großes Krankenhaus wie das Klinikum Nürnberg mit einem eigenen Pathologischen Institut leisten.
Dank der Schnellschnittanalyse kann bösartiges Gewebe meistens bereits beim ersten Eingriff vollständig entfernt werden. Dem Patienten bleibt daher ein drohender zweiter Eingriff in der Regel erspart und damit sinkt auch das Risiko einer Stimmbandschädigung.
Kalte und heiße Knoten
Die meisten knotigen Veränderungen der Schilddrüse sind gutartig. Je nach ihrer Stoffwechselaktivität unterscheidet man heiße und kalte Knoten. So entsprechen heiße Knoten meist gutartigen Adenomen, die unkontrolliert Schilddrüsenhormone produzieren und zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Sie werden medikamentös oder mit Hilfe der Radioiod-Therapie behandelt. Kalte Knoten zeigen dagegen keine Stoffwechselaktivität und können zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führen, die medikamentös behandelt werden kann. Nur bei einem kleinen Prozentsatz liegt ein bösartiger Schilddrüsentumor vor. Eine sichere Aussage über die Gutartigkeit bzw. Bösartigkeit der Knoten kann jedoch nur durch die vollständige operative Entfernung und anschließende feingewebliche Untersuchung in der Pathologie getroffen werden.
Autorin/Autor: Doris Strahler

