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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2010 >> Ausgabe 1 >> Schichtarbeiter-Syndrom - Mit Sonnenbrille nach Hause

Schichtarbeiter-Syndrom - Mit Sonnenbrille nach Hause

Egal, ob in der Disco, auf der Polizeiwache oder im Krankenhaus - immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten abends oder nachts, die meisten von ihnen in wechselnden Schichten. Doch nicht an allen geht der wechselnde Tages- und Wachrhythmus spurlos vorbei.

Schätzungsweise 70 bis 90 Prozent der Schichtarbeiter klagen im Laufe ihres Lebens oder sogar ein Leben lang über Schlafstörungen.

„Auf keinen Fall darf man Schlafstörungen auf die leichte Schulter nehmen“, betont Dr. Kneginja Richter, Oberärztin in der Psychiatrie und im Schlafmedizinischen Zentrum im Klinikum Nürnberg Nord. Ist der Schlaf tagsüber nicht tief und erholsam genug, dann gehen die Menschen schon müde zur Arbeit. Ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit lässt nach und manche schlafen während der Arbeit oder auf der Fahrt nach Hause sogar kurz ein. Dadurch steigt die Unfallwahrscheinlichkeit um das Siebenfache, das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen um das Dreifache.

 

Nickerchen: Ein kurzer Schlaf zwischendurch in öffentlichen Verkehrsmitteln ist erholsam, im eigenen Auto aber auf der Heimfahrt nach der Nachtschicht kann er tödlich
 

Um dem Schichtarbeiter-Syndrom vorzubeugen oder ersten Schlafstörungen entgegen zu treten, rät Richter zur Schlafhygiene. „Der Schlaf am Tag lässt sich durch einfache Maßnahmen gezielt verbessern.“ Dazu zählen neben einem kühlen, ruhigen und abgedunkelten Schlafraum auch Pufferzeiten zwischen Arbeit und Schlafen. So sollten Schichtarbeiter nach der Arbeit frühstücken und beim Lesen, Musik hören oder Spazierengehen entspannen, bevor sie sich zum Schlafen hinlegen.

In der Regel reichen vier bis fünf Stunden Schlaf.Die freien Stunden am Tag sollten für die Familie, Freunde oder Hobbies genutzt werden, denn der positive und vergnügliche Teil des Lebens dürfe auf keinen Fall zu kurz kommen. Auch für die Arbeitszeiten hat die Schlafmedizinerin zahlreiche Tipps. So kann die „Mittagspause“ in der Schicht zwischen 22 Uhr und sechs Uhr durchaus für ein kurzes Schläfchen genutzt werden. Auch eine warme Mahlzeit ist hilfreich.

Genauso wichtig ist ihr allerdings, dass sich die Arbeitgeber um gute Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter im Schichtdienst kümmern. Dazu zählen hell beleuchtete Räume ebenso wie ausreichende Pausen und warme Mahlzeiten. Vor allem aber sollten die Schichten im Uhrzeigersinn und in schnellem Wechsel aufeinander folgen. Das bringe den Zeit- und Wachrhythmus der Menschen am wenigsten durcheinander.

„Für Frühaufsteher ist es allerdings schwieriger, sich an Schichtdienste zu gewöhnen“, weiß Richter. Menschen, die sich am Vormittag so richtig fit und munter fühlen, sollten schon bei der Berufswahl den Aspekt Schichtarbeit mit bedenken.

Lassen sich die Schlafstörungen allein nicht mehr bewältigen, bietet die Schlafambulanz im Klinikum Nord eine verhaltenstherapeutische Schlafberatung an, die in den meisten Fällen wieder für einen guten Schlaf sorgt. Ein Tipp unter vielen kann dann lauten, auf dem Heimweg die Sonnenbrille aufzusetzen, um dann zwei Stunden später leichter in den Schlaf zu finden.       

 

Schlafambulanz: Information und Anmeldung unter Tel.: (0911) 398-7427

 

Schlafmedizin

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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