Prostatakrebs - Interdisziplinäre Prostatakrebs-Leitlinie
Im September 2009 wurde die erste interdisziplinäre Prostatakarzinom-Leitlinie in Deutschland veröffentlicht. „Die Leitlinie steht für einen Qualitätssprung in der Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs“, betont Dr. Clemens Albrecht, einer der beiden Chefärzte der Klinik für Radioonkologie und der Gemeinschaftspraxis für Strahlentherapie, der selbst in der Leitlinienkommission mitgewirkt hat.
Studien belegen, dass Patienten, die von einem interdisziplinären Ärzteteam aus Urologen, Strahlentherapeuten, Onkologen und Pathologen betreut werden, eine bessere Behandlung bekommen. „Die Zeiten, in denen ein Arzt die gesamte Behandlung verantwortete, sind in der Krebstherapie schon lange vorbei.“
Die neue Leitlinie legt nun erstmals bundesweit ein einheitliches Vorgehen bei der Prävention, bei Diagnostik und Einteilung in Stadien, bei der Therapie des lokal begrenzten und des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms sowie bei Rehabilitation und Nachsorge fest. „Zum ersten Mal haben sich damit in Deutschland Ärzte über die Grenzen ihrer Fachdisziplinen hinaus auf eine gemeinsame Prostatakrebs-Leitlinie geeinigt“, so Albrecht.
Die Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie und wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Mit dem Ergebnis ist Albrecht sehr zufrieden. Patienten mit Prostatakrebs erhalten nun eine umfassende Beratung über alle Therapiemöglichkeiten und eine interdisziplinäre Behandlung nach den neuesten wissenschaftlichen Standards. So legt die Leitlinie beispielsweise erstmals fest, wann ergänzend zur operativen Tumorentfernung eine Bestrahlung durchzuführen ist. „Steigt nach dem Eingriff der PSA-Wert wieder an, empfiehlt sich in der Regel die Bestrahlung“, so der Chefarzt.
Allerdings dauere es erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre, bis Leitlinien im gesamten Bundesgebiet umfassend umgesetzt sind und alle Patienten eine entsprechende Therapie erhalten. Albrecht empfiehlt daher die Behandlung in zertifizierten Prostatazentren, da die Zertifizierung die Einhaltung der Leitlinien voraussetzt.
„Bei uns im zertifizierten Prostatazentrum des Klinikums ist die Leitlinie bis auf kleinere Nachbesserungen bereits umgesetzt“, erläutert Prof. Christian Bornhof, Chefarzt der Urologie im Klinikum. Radioonkologie, Onkologie, Pathologie sowie derzeit 14 niedergelassene Urologen und eine Selbsthilfegruppe zählen zu den Partnern der Urologie im Prostatazentrum.
„Hier bekommt der Patient auch ganz selbstverständlich eine Zweitmeinung“, betont Albrecht. Die Leitlinienkommission wird ihre Arbeit in Zukunft forstsetzen. An dieser kontinuierlichen Aktualisierung wird sich der Chefarzt weiterhin aktiv beteiligen. 2010 soll eine patientengerechte Übersetzung der Leitlinien folgen.
Weitere Informationen bei der Hotline des Prostatazentrums unter Tel. (0911) 398-7575, Mo. 17 bis 18 Uhr.
Autorin/Autor: Doris Strahler

