Psychiatrie - Kunst in der Natur
Ein Herz aus Kieselsteinen, kugelförmige Gebilde aus Löwenzahnblüten, eine Spirale im Herbstlaub, Schneebälle auf einer Schnur aufgefädelt zwischen zwei Bäumen. Kunst in der Landschaft aus allem, was die Natur hergibt – das ist Land Art.
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In der Kunsttherapie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg spielt diese Kunstform eine wichtige Rolle. „Es geht um Vergänglichkeit, um Abschied und Neubeginn, um die Anpassung an neue Gegebenheiten“, erläutert Julia Griebel. Seit über einem Jahr bietet die Kunsttherapeutin den Patienten, die hauptsächlich an Psychosen erkrankt sind, einmal in der Woche Kunst in der freien Natur an. Egal ob die Sonne scheint, es nieselt oder schneit, die Patienten lassen sich auf dem Baum bestandenem Gelände zwischen der Geriatrie und dem Versorgungszentrum mit Wäscherei und Zentrallager von den Materialien, die sie an Ort und Stelle vorfinden inspirieren. Aus Steinen, Blütenblättern oder Holz schaffen sie mit ihren Händen, mit dem Rechen oder anderen Gartenwerkzeugen kleine oder große Kunstwerke. Das Ergebnis ihres künstlerischen Schaffens ist stets Wind und Wetter ausgesetzt. Auch das Wachstum der verwendeten Materialien ist einkalkuliert. Die Kunstwerke verändern sich, sind vergänglich. „Wenn ich innerlich aufgewühlt bin, komme ich hier zur Ruhe“, berichtet ein 48-jähriger Patient, der seit vier Monaten in der Land Art-Gruppe mitmacht. „Man kommt aus dem Grübeln zu Hause heraus und die frische Luft macht uns munter. In der Ruhe kann sich jeder in seinem eigenem Tempo ausdrücken.“ Ähnliche Erfahrungen hat Griebel bei vielen Patienten gemacht: „Sie fühlen sich bei ihrer Beschäftigung mit Land Art im Einklang mit der Natur, dadurch werden sie insgesamt ausgeglichener.“ Nicht jeder könne aber mit dem scheinbar unkonkreten Angebot gleich etwas anfangen, räumt sie ein. „Aber wir sind eine offene Gruppe, die nach draußen geht, dort in Bewegung ist und künstlerisch tätig ist, ohne ausgefeilte Techniken zu beherrschen. Die Schwelle, einfach mitzumachen ist sehr niedrig“, berichtet die Kunsttherapeutin. |
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Autorin/Autor: Bernd Siegler

