Knochenmarktransplantation - Stammzellen können Leben retten
„Es war schon sehr aufregend, als ich erfuhr, dass ich tatsächlich als Spenderin für einen Patienten in Frage komme“, gesteht Tanja Bratner. Die 39-jährige arbeitet im Klinikum Nürnberg Nord als Krankenschwester auf der Intensivstation und hatte sich bereits 1992 als potenzielle Stammzellspenderin in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufnehmen lassen. Anlass war damals die Leukämieerkrankung einer Bekannten ihrer Schwester. Jetzt, 17 Jahre später, war es dann soweit: Tanja Bratner spendete Stammzellen für einen Mann aus Belgien.
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie – darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Für viele von ihnen ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Seit über sieben Jahren können sich nun Interessierte jeden Dienstag in der Knochenmarktransplantations (KMT)-Ambulanz der Onkologie im Haus 11 im Klinikum Nürnberg Nord als potenzielle Stammzellspender in die Spenderdatei aufnehmen lassen. Bislang nutzten über 1.600 Menschen dieses Angebot, acht von ihnen spendeten bereits Stammzellen für einen Patienten. Darunter auch Tanja Bratner, die als „genetischer Zwilling“ des Mannes in Belgien gefunden wurde und ihm die lebensnotwendige Transplantation ermöglichte.
Nach einer umfassenden Voruntersuchung wurde ihr über mehrere Tage ein hormonähnlicher Stoff, ein Wachstumsfaktor, unter die Haut injiziert. Dieses Medikament stimuliert die Produktion der Stammzellen, die dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden. „In den Tagen vorher spürt man die Verantwortung, die man dann auf einmal hat. Man weiß ja, dass der andere Mensch jetzt behandelt wird und dringend auf die Stammzellen wartet“, so Bratner. Jetzt hofft sie, dass es „ihrem Patienten“ bald besser geht.
Mit rund zwei Millionen registrierten potenziellen Stammzellspendern ist die DKMS die größte Spenderdatei weltweit und vermittelt täglich mindestens acht Stammzell- oder Knochenmarkspender. Trotz dieser positiven Entwicklung kann aber für jeden fünften Patienten kein Spender gefunden werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen aufnehmen lassen. „Mitmachen kann jeder, der zwischen 18 und 55 Jahre alt undgesund ist“, berichtet Dr. Kerstin Schäfer-Eckart, Oberärztin in der KMT-Ambulanz.
Weitere Informationen in der KMT-Ambulanz unter Tel. (0911) 398 – 3650 oder unter www.dkms.de. Da jede Typisierung die DKMS 50 Euro kostet, hat die DKMS ein Spendenkonto eingerichtet: Deutsche Bank Tübingen, Konto-Nr. 17 333 0202, BLZ 640 700 85.
Autorin/Autor: Bernd Siegler

