Herzerkrankungen - Eine Konferenz für knifflige Fälle
Eine 80-jährige Frau leidet schon länger an einer Nierenschwäche. Jetzt stellt sie fest, dass sie schon nach ein paar Treppenstufen kaum mehr Luft bekommt. Es fällt ihr zunehmend schwerer, den Alltag zu bewältigen. Bei Belastung spürt sie einen Druckschmerz in der Brust. Zweimal ist sie schon aus unerfindlichen Gründen für kurze Zeit in Ohnmacht gefallen.
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Eine Untersuchung des Herzens mit dem Herzecho (Ultraschall) deutet auf eine hochgradige Verengung der Aortenklappe hin. Medikamente schlagen nicht mehr an. Was tun? Für solch knifflige Fälle findet an jedem Mittwoch nachmittag im Klinikum Nürnberg Süd eine so genannte Kardiochirurgische-Kardiologische Konferenz statt. Ein bis zwei Stunden lang diskutieren Kardiologen und Herzchirurgen dann Befunde, wägen Risiken ab und suchen gemeinsam nach der besten Therapie. Liegen bei einem Patienten neben der Herzerkrankung noch weitere Erkrankungen vor, dann werden auch Spezialisten aus Gefäßchirurgie, Nephrologie, Neurologie, Gastroenterologie oder anderer Fachdisziplinen hinzugezogen.
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„Dies ist insbesondere bei älteren Patienten der Fall“, betont Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie. „Galten in der Herzchirurgie vor zehn Jahren Patienten über 70 Jahre als Hochrisikopatienten, so ist heute ein Großteil unserer Patienten 70 Jahre und älter, zehn Prozent sind gar älter als 80 Jahre“, bestätigt Prof. Theodor Fischlein, Chefarzt der Herzchirurgie. Der älteste Patient, den er bislang an der Herzklappe operiert hat, war 93 Jahre alt.
Da Herzklappen während des Lebens stark beansprucht werden, kann es ebenso wie bei Gefäßen zu schweren Verkalkungen und damit Verengungen kommen. „Viele Erkrankungen der Aortenklappen werden“, so Fischlein, „heute noch erlebt.“
Nicht immer aber ist eine große Operation die beste Therapie, schließlich ist der Eingriff mit der Öffnung des Brustkorbes sehr belastend. Ist die Niere geschädigt, kann sie nach Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine unter Umständen ihre Funktion gänzlich einstellen. Während in dem einen Fall der Bypass die beste Wahl ist, ist es in einem anderen Fall der Stent, der über einen Katheter eingesetzt wird. Während eine biologische Herzklappe nur etwa zehn Jahre hält, kann es an und in künstlichen Herzklappen zur Entstehung von Blutgerinnseln kommen. Um dies zu vermeiden, müsste der Patient lebenslang Blut verdünnende Medikamente einnehmen.
„Wir müssen die Behandlung ganz individuell auf den Patienten abstimmen, also in manchen Fällen uns auch die zur Therapie notwendigen einzelnen Schritte aufteilen“, fasst Pauschinger zusammen. Um den Eingriff, möglichst schonend zu gestalten, legt dann zum Beispiel der Herzchirurg am schlagenden Herzen bei einem schwer geschädigten Herzen einen Bypass, anschließend öffnet der Kardiologe ein anderes Gefäß per Katheter und hält es mit einem Stent durchgängig (Hybridverfahren). „Die enge Zusammenarbeit beider Fachdisziplinen gerät“, so Fischlein, „zum entscheidenden Vorteil für den Patienten.“Autorin/Autor: Bernd Siegler

